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APA-Artikel 6. März 2013

Spitalsambulanzen: Viele Aufnahmen medizinisch nicht indiziert

Tatsache ist, dass ein Großteil der Aufnahmen in den Wiener Spitalsambulanzen medizinisch nicht akut notwendig ist. Die Folge davon sind erhöhte Administration, ein Mehr an Kosten sowie lange Wartezeiten für die Patienten. "Bis zu 80 Prozent aller Personen, die sich zu einer Behandlung ins Krankenhaus begeben, sind keine akuten Notfälle und auch nicht medizinisch dringliche Versorgungsfälle", erklärt Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Die Betreuung dieser Patienten zählt ganz klar nicht zu den Kernaufgaben von Spitälern. Wenn verstärkt in den niedergelassenen Bereich investiert wird, könnten diese Aufgaben laut Szekeres "sehr gut auch im extramuralen Bereich ausgeführt werden".

Reduktion bei Kassenplanstellen

Aber auch im niedergelassenen Bereich wurde die Situation durch die Kürzung von Kassenplanstellen in den letzten Jahren - trotz alarmierender demografischer Entwicklung - noch verschärft. Gab es im Jahr 2000 noch 1667 Kassenplanstellen in Wien, sind es mittlerweile nur mehr 1583 (Stand: 31. Dezember 2012). Das bedeutet einen Abbau von 84 Kassenplanstellen (Allgemeinmedizin: 45, Fachärzte: 39). "Ein dramatischer Mangel herrscht insbesondere in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier gibt es nach wie vor keine einzige Kassenplanstelle in Wien", so Szekeres.

Die demografische Entwicklung zeigt eindeutig ein Ansteigen der Gesamtbevölkerungszahl sowie eine starke Zunahme der Zahl der über 65-Jährigen. Im Jahr 2030 wird Wien eine Zwei-Millionen-Stadt sein. Bereits jeder fünfte Wiener wird dann über 65 Jahre alt sein.

Damit einher geht ein erhöhter medizinischer und pflegerischer Aufwand. Dazu kommt, dass Wien schon deshalb höhere Gesundheitskosten hat, da viele Krankheiten, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, HIV, Atemwegserkrankungen, Drogenmissbrauch oder Depressionen, häufiger vorkommen als in anderen Regionen.

Lange Wartezeiten in den Ordinationen

Statt also die Patientenströme in Richtung Spitalsambulanzen ein wenig aufzufangen, kämpfen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte selbst mit den immer weniger werdenden Ressourcen im extramuralen Bereich. Dies schlägt sich beispielsweise in den Wartezeiten in den Ordinationen nieder.

Die Ergebnisse einer erst kürzlich durchgeführten Studie zu Wartezeiten in Kassenordinationen, die von der Ärztekammer beauftragt wurde, zeigen ein ernüchterndes Bild der Situation in den Wiener Ordinationen. Die Studie wurde vom Institut MAKAM Research im Zeitraum Anfang Dezember 2012 bis Anfang Jänner 2013 durchgeführt.

Dabei zeigte sich, dass die Wartezeiten vor allem bei Kontrollterminen bei einzelnen Fachgruppen erschreckend lange sind: Wartezeiten von bis zu einem Monat sind keine Seltenheit. Aber auch Wartezeiten bis zu drei Monaten wurden dabei registriert. "Hier wird in vielen Fachrichtungen, beispielsweise der Frauenheilkunde, der Augenheilkunde und der Neurologie, der bestehende Fachärztemangel so richtig offensichtlich", kritisiert Ärztekammer-Vizepräsident und Kurienobmann Johannes Steinhart.

Ohne zusätzliche Investitionen wird es jedenfalls nicht gelingen, den Status quo zu halten beziehungsweise Verbesserungen in der extramuralen Versorgung zu erzielen. Steinhart: "Wenn wir in den Ordinationen die Randzeiten sowie die Wochenenden und Feiertage bespielen, dass müssen die Kassenhonorare so gestaltet sein, dass damit die Überstunden und Wochenendzuschläge für die Mitarbeiter der Ordinationen gezahlt werden können."

Und auch die Zahl der Gruppenpraxen muss deutlich erhöht werden, denn: "Einem einzelnen Hausarzt beispielsweise ist es nicht zumutbar, während der Woche den ganzen Tag und teilweise bis in die Abendstunden zu ordinieren, und dann am Wochenende auch noch für die Patienten da zu sein", so Steinhart. Dafür benötige es dann eine Gemeinschaftspraxis mit zwei oder drei Allgemeinmedizinern. (ssch)

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