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Neurologie 28. Oktober 2012

Warnsignale nicht verharmlosen

Ärztekammer startet Initiative „Schlaganfall – Vorsorgen mit Herz und Hirn“.

Oft trifft er Betroffene unvermutet, die Vorgeschichte ist aber meistens lange und mit richtiger Prävention verhinderbar: der Schlaganfall. Im Rahmen einer Aufklärungsinitiative will die Ärztekammer nun auf die Risiken, aber auch auf Vorsorgemöglichkeiten aufmerksam machen.

„Jährlich erleiden rund 25.000 Österreicher einen Schlaganfall, jeder fünfte Betroffene bleibt pflegebedürftig und fünfzehn Prozent sterben innerhalb eines Monats“, betont Dr. Artur Wechselberger, Präsident der österreichischen Ärztekammer. „Es gibt hohen Aufholbedarf bezüglich des Wissens um Warnsignale, Verhalten im Ernstfall und der Prophylaxe. Unsere Informationsoffensive sieht die Arztordinationen als Drehscheibe vor. In rund 8.000 Praxen werden Patienten mit diesem wichtigen Thema konfrontiert und über handliche Mini-Ratgeber informiert“, so Wechselberger.

Hauptrisiko Bluthochdruck

Hauptursachen eines Insults sind Bewegungsmangel, Übergewicht und daraus resultierend Hypertonie, Diabetes und Atherosklerose. Ein unbeeinflussbarer Risikofaktor ist hingegen das Alter, obwohl Insulte zunehmend auch bei jüngeren Menschen auftreten.

Alarmsignale beachten

„Jeder vierte Schlaganfall kündigt sich durch das ,,Schlager“ an,“ erörtert Prof. Dr. Johann Willeit, Leiter der Stroke Unit an der Universitätsklinik für Neurologie, Innsbruck. Die damit verbundenen Beeinträchtigungen verschwinden meist nach wenigen Minuten, „Verharmlosen sei aber gefährlich“, so der Experte, „denn jetzt steige das Risiko, innerhalb der nächsten Stunden oder Tage einen Insult zu erleiden. Bei Symptomen wie Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen herrscht Alarmstufe Rot. Der Patient muss sofort zur neurologischen Abklärung ins nächste Krankenhaus“, betonte Willeit.

Vorhofflimmern: unauffällig, aber gefährlich

Jedem fünften Schlaganfall ist bereits ein „Erst-Schlag“ vorausgegangen. Eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit dem erneuten Auftreten spielt das Vorhofflimmern. „Bei einem Viertel der Schlaganfälle ist Vorhofflimmern beteiligt“, warnte Herbert Watzke, Leiter der Palliativstation am AKH Wien und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin. ,Besonders fatal sei, dass ein Drittel der Patienten das Vorhofflimmern gar nicht wahrnimmt oder kurzfristige Beschwerden nicht mit dem Herz in Zusammenhang bringe und daher gar nicht oder sehr spät zum Arzt gehen. Wird Vorhofflimmern jedoch nicht behandelt, steigt das Risiko für einen Schlaganfall dramatisch“, warnt der Experte.

Rehabilitation an Bedürfnisse der Patienten anpassen

Auf die akute Behandlung eines Schlaganfalles im Spital folgt in der Regel die individuelle Betreuung in einem Rehabilitationszentrum. Bessert sich der Gesundheitszustand rasch, kann die Rehabilitation auch ambulant durchgeführt werden. In der ersten Rehabilitationsphase stehe die Rückbildung von Funktionsstörungen im Mittelpunkt. Bei der Therapie muss aber unbedingt auf die Belastbarkeit und auf das geistige Verarbeitungsvermögen der Patienten Rücksicht genommen werden. Für die Betroffenen geht es von Beginn an darum, die Lebensqualität Schritt für Schritt zurück zu erobern. Da dieser Heilungsprozess sehr lange dauern kann, leidet jeder dritte Insultpatient an Depressionen. Aber auch Angehörige sind oft rat- und mutlos und brauchen Unterstützung. „Selbsthilfegruppen leisten hier wichtige Arbeit“, so Watzke.

Hausarzt: Bewusstseinsbildung, Früherkennung, Begleitung

Mit fortschreitendem Genesungsprozess kommt der Betreuung durch den Hausarzt eine wichtige Rolle zu. Gemeinsam mit Neurologen und Internisten kann er dazu beitragen, einen weiteren Insult zu verhindern. „Neben der Betreuung während der Rehabilitation liegt die Hauptaufgabe der Allgemeinmedizin im Zusammenhang mit Schlaganfall bei der Prävention“, erklärt Dr. Reinhold Glehr, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. „Wir Hausärzte haben den Vorteil, die Patienten meist über einen längeren Zeitraum zu betreuen. Diese Chance müssen wir nutzen, um sie zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren.“

Sekundarpräventiv können Allgemeinmediziner dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko von Patienten mit chronischen Erkrankungen wie z.B. Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, Herzschwache, Diabetes oder Adipositas in Grenzen zu halten. „Das gelingt aber nur unter der aktiven Mitarbeit der Betroffenen“, Glehr. Bei der Früherkennung von Vorhofflimmern helfen regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrollen.

Eine wichtige Rolle spielen Hausärzte aber auch beim Erkennen von Insulten „Immer wieder erlebe ich, dass ein älterer Patient nebenbei typische Symptome eines ,Schlagerls“ beschreibt, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein“, so Glehr. Hier muss der Allgemeinmediziner sofort eine neurologische Abklärung im Krankenhaus veranlassen. Wichtig ist auch, dass Allgemeinmediziner für ein verstärktes Problembewusstsein sorgen, indem sie ihren älteren Patienten die Merkmale eines „Schlagerls“ erklären und sie nachdrücklich darauf hinweisen, dass bei diesen Symptomen jedenfalls die Rettung zu alarmieren ist.

Kompakte Patienteninfos unter: www.schlaganfall-was-tun.at

Quelle: Pressekonferenz „Schlaganfall: Warnsignale nicht verharmlosen“, 3. Oktober 2012, Wien

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