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In der Ausbildung zum Rauchertherapeuten lernen Ärztinnen und Ärzte, wie sie ihre Patienten dazu motivieren können, vom Zigarettenrauchen zu lassen.

Standards der Tabakentwöhnung Konsensus der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie
Lichtenschopf, Alfred 199 Seiten, € 19,41 Springer Wien 2012 9783709109786

 
Allgemeinmedizin 6. Juni 2012

Gewusst wie – den Rauchstopp anstoßen

Ausbildung zum Rauchertherapeuten in Österreich. Teil 3 der Serie.

Tabakrauchen ist international die häufigste vermeidbare Ursache von Krankheit und vorzeitigem Tod. Weltweit werden durch Rauchen jährlich 3,5 Millionen Todesfälle verursacht, im Nachbarland Deutschland geschätzte 100.000, in Österreich 10.000.

 

Tabakrauchen wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit eingestuft und ist im ICD-Code aufgelistet. Acht bis neun von zehn COPD-Patienten haben als Hauptursache ihrer Erkrankung das Tabakrauchen. Nach den neuesten Daten aus der BOLD-Studie (M. Studnica 2006) sind bis zu eine Million Österreicher an COPD erkrankt, davon ungefähr 400.000 im Stadium II bis IV und 50.000 im Stadium III bis IV. Die Tabakentwöhnung gehört daher zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen im medizinischen Spektrum.

Ausbildung für Ärzte

Wie steht es derzeit um den aktuellen Stand der Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich?

Die Österreichische Ärztekammer bietet über die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) eine zertifizierte Ausbildung zum Rauchertherapeuten an. Diese Ausbildung besteht aus dem Basisseminar, einer fünfstündigen Fortbildung, die die Grundlagen der Raucherentwöhnung vermitteln will, und einem zweitägigen Expertenseminar.

Basisseminar

Die Inhalte des Basisseminars umfassen …

  • die Geschichte des Tabaks,
  • Zusammensetzung und Aufbau einer Zigarette,
  • Epidemiologie des Tabakrauchens,
  • Pharmakologische Aspekte des Tabakrauchens.
  • Ein prominenter Teil ist der Nikotinabhängigkeit, dem Entstehen des Suchtgedächtnisses und der problematischen Entstehung einer schweren Abhängigkeit bei vielen Raucherinnen und Rauchern reserviert, die in ihrer abhängig machenden Potenz nur mit Heroin und Kokain vergleichbar ist.

 

Der zweite Teil widmet sich den tabakassoziierten Erkrankungen. Die COPD, das Lungenkarzinom und die kardiovaskulären Erkrankungen, als häufigste tabakassoziierte Erkrankungen, nehmen den Hauptteil dieses Themenkomplexes ein.

Das Risiko des Weiterrauchens wird diskutiert, vor allem aber die Vorteile eines Rauchstopps für die Prognose dieser Erkrankungen anhand der wissenschaftlichen Studien dargestellt.

Umsetzung in die Praxis

Die Durchführung einer individuellen Beratung mit der Erarbeitung eines Managementplans, der Festlegung des Stopptages und den Kontrollterminen, bei denen die bisherigen Erfolge gelobt und die noch zu machenden Schritte zum Rauchstopp erarbeitet werden. Das Führen eines Raucherprotokolls wird empfohlen. Verhaltenstherapeutische Elemente zur Bewältigung der Rituale und Gewohnheiten beim Rauchen werden besprochen.

Die Gesprächsstruktur der „5 A“ (Ask, Advise, Assess, Assist, Arrange) wird für abstinenzmotivierte RaucherInnen empfohlen, wobei Experten im Gesundheitssystem in jedem Fall die ersten „3 A“ durchführen sollten.

Für konsonante RaucherInnen werden Techniken des Motivational Interviewing (Motivierende Gesprächsführung) empfohlen. (Express Empathy, Develop Discrepancy, Roll with Resistance, Support Self-Efficacy) Die vier grundlegenden Elemente werden kurz angeführt.

Auch die Strategien der „5 R“ (Relevance, Risks, Rewards, Roadblocks, Repetition) spielen bei dieser PatientInnengruppe eine Rolle und werden kurz dargestellt.

Medikamentöse Therapie

Die wissenschaftlich evaluierten medikamentösen Therapien werden im letzten Teil abgehandelt: Nikotinersatztherapie, Bupropionhydochlorid und Varencilin. Stellenwert, Indikation und Kontraindikationen sowie Nebenwirkungen werden ausführlich referiert.

Nicht medikamentöse Hilfsmittel wie Akupunktur und Hypnose werden in ihrer Bedeutung in der Raucherentwöhnung erörtert. Den Abschluss bildet das Referat „Erfahrung aus der Praxis“.

Expertenseminar

Das Expertenseminar komplettiert die Ausbildung zum zertifizierten Rauchertherapeuten. Es liefert die wissenschaftliche Verankerung der einzelnen Bereiche. Die Vorträge befassen sich mit dem Suchtaspekt und der Suchtverschiebung beim Rauchen, der Diagnostik des Tabakrauchens, den tabakassoziierten Erkrankungen mit Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen, Pneumologie und Stoffwechselerkrankungen.

Die Standards der Raucherentwöhnung beleuchten die international gültigen, evidenzbasierten Therapien der Raucherentwöhnung. Der Vortrag Umsetzung in die Praxis bildet den Schluss und die Abrundung der Fortbildung.

Knapp 1.000 Ärzte haben die zertifizierte Ausbildung zum Rauchertherapeuten bereits absolviert. Ihre Adressen sind über die österreichische Ärztekammer, den ÖGP und www.netdoctors.at erhältlich.

Hands-on-Seminar

Für Rauchertherapeuten mit bereits professioneller Erfahrung bietet das „Hands on“ Seminar über Übungen in Kleingruppen, Rollenspiele und Besprechung von Fallbeispielen eine Supervision ihrer Arbeit in einem eintägigen Seminar.

Die Anmeldung für die Seminare ist über die Ärztekammer möglich. Mit der zertifizierten Ausbildung zum Rauchertherapeuten hat die Ärzteschaft eine flächendeckende Versorgung einer Raucherentwöhnung aufgebaut.

Neue Ausbildung zum Rauchertherapeuten für Nicht-Ärzte

Ab Herbst 2012 wird der Hauptverband eine Ausbildung in der Tabakentwöhnung für nicht-ärztliche Berufe anbieten.

Diese Ausbildung wird in mehreren Modulen umgesetzt werden und ebenso wie die Ausbildung der Ärzte alle wichtigen Belange der Tabakentwöhnung vermitteln.

 

Dr. Alfred Lichtenschopf arbeitet als Internist, Allgemeiner Psychotherapeut sowie Additivfacharzt für Rheumatologie. Er ist Ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums Weyer/Enns .

Von A. Lichtenschopf , Ärzte Woche 23 /2012

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