zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 5. Juni 2012

Geeignetes Projekt E-Medikation grundsätzlich sinnvoll

 

"Am Projekt E-Medikation zeigen die Politiker wieder einmal, wie man Entscheidungen im Sinne der medizinischen Versorgung der Bevölkerung nicht herbeiführen sollte", kommentiert Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer, die aktuelle Diskussion rund um das Pilotprojekt E-Medikation. "So ein Projekt würde nämlich grundsätzlich großen Sinn machen", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Die Gestalter scheinen aber keine Ahnung von Medizin zu haben. Das zeigen die Details der Konzeption ganz eindeutig. Und damit wird ein gutes Projekt bereits vor seinem Betrieb gefährdet."

 

Im Gegensatz zum offensichtlichen Informationsstand der Öffentlichkeit, der Politiker und der Vertreter mancher so genannter "Gesundheitsberufe" prüfen nämlich alle Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der ärztlichen Tätigkeit bereits ohne E-Medikation immer die Wechselwirkungen von Verschreibungen. "Zu einer modernen Medizin gehört aber auch, Wechselwirkungen in Kauf zu nehmen oder sogar im Sinne der Therapie einzusetzen", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Wer das ignoriert und auch noch in ein Modell gießen möchte, der zeigt, dass er sich in der Medizin nicht auskennt und verunsichert die Patientinnen und Patienten."

Speicherung auf E-Card oder beim Vertrauensarzt macht Sinn

Laut Präsident Dr. Reisner bringt das derzeitige Konzept der E-Medikation möglicherweise geringfügige Verbesserungen, jedoch in keinem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Es ließe sich aber auf Basis der schon eingesetzten und bewährten EDV-Hilfsmittel ein sinnvolles, zeitgemäßes E-Medikationsprojekt aufsetzen. "Dazu braucht es aber keine ELGA als Betriebssystem, sondern lediglich eine Adaptierung der Rahmenbedingungen, wie etwa eine Gleichschaltung der Richtlinien für die Verschreibung von Medikamenten im Krankenhaus und in der Niederlassung sowie eine Verpflichtung, alle Medikationen geeignet zu erfassen, beispielsweise auf der E-Card oder beim Vertrauensarzt." Das alles würde aus seiner Sicht ganz leicht ohne milliardenschwere Investition in fragwürdige EDV-Projekte gehen. Man bräuchte nur "Weichenstellungen der Gesundheitspolitiker mit Vernunft und Weitblick".

Dass man seitens der Verantwortlichen jedoch keinen Wert auf eine fachlich fundierte Diskussion legt, zeigt alleine schon die Tatsache, dass die Evaluierung des Pilotprojektes E-Medikation zwar abgeschlossen ist, ein Detailbericht aber zurückgehalten wird. "Die in der Zusammenfassung vorgestellten "Fakten" sind widersprüchlich, daher glaube ich die behaupteten Ergebnisse erst, wenn ich die Daten im Detail überprüft habe", stellt Präsident Dr. Reisner klar.

Ja zur E-Medikation nur unter medizinisch sinnvollen Bedingungen

Dass man im Bereich der Medikation viel verbessern könnte, ist aus Sicht von Präsident Dr. Reisner selbstverständlich. Er selbst gilt als Verfechter zahlreicher neuer, zeitgemäßer Vorschläge, die jedoch bei der Politik bisher nicht ankommen. "Was fehlt, ist ein neuer Stil in der Gesundheitspolitik. Es muss geprüft werden, was dem Patienten nützt, danach einen geeigneten, möglichst kostengünstigen Weg suchen und zwar unter Mitwirkung aller an der Medizin beteiligten Berufsgruppen." Derzeit beugt man sich aus seiner Sicht offensichtlich dem Diktat irgendwelcher medizinfremder Interessensvertretungen, beispielsweise aus der EDV-Industrie.

Die Haltung der NÖ Ärztekammer aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist daher klar: "Ein klares nein zur E-Medikation in der jetzigen Form, obwohl es ein sinnvolles und dringend notwendiges Projekt wäre." Ein ja zur E-Medikation aus Sicht der NÖ Ärztekammer wird erst dann zu vernehmen sein, wenn die Daten so nahe am Patienten wie möglich gespeichert werden (also nicht im System ELGA, sondern beispielsweise auf der E-Card), wenn alle Medikamente samt Verordnung und Abgabequittierung gespeichert werden (Verpflichtung), wenn von einem Arzt die bewusst akzeptierten (unvermeidbare) Wechselwirkungen bei weiteren Prüfungen keine Warnungen auslösen, wenn alle Medikamente, auch die nicht rezeptpflichtigen, lückenlos erfasst werden, wenn ausgereifte und getestete Software sowie durchdachte "Prozesse" sichergestellt sind und ein vollständiger Ersatz aller durch die E-Medikation indizierter Kosten (laufend und einmalig) sichergestellt beziehungsweise gegeben ist.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben