zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 18. Jänner 2016

Zuverlässige Zuckersenkung mit zusätzlichen Vorteilen

Typ-2-Diabetes: SGLT2-Inhibitoren haben günstige Effekte sowohl auf das Körpergewicht wie auch auf den Blutdruck und fördern die Diurese.

Früher war die Diabetestherapie einfach. Da gab es Metformin, Sulfonylharnstoff und Insulin, und gut war’s – oder auch nicht. Denn sonst wäre es kaum zur beinahe unüberblickbaren Vielzahl antidiabetischer Therapeutika gekommen, die heute zur Verfügung stehen.

Bedarf ist zweifelsfrei gegeben, immerhin gibt es in Österreich schätzungsweise eine halbe Million Patienten mit Typ-2-Diabetes. Dass die Zahl jener Personen, die Medikamente einnehmen, in den Jahren 2007 bis 2011 einen Anstieg um satte 25 Prozent verzeichnete, begründet Prim. Prof. Dr. Peter Fasching, Vorstand der 5. Medizinische Abteilung mit Endokrinologie, Rheumatologie und Akutgeriatrie, Wilhelminenspital Wien, mit höheren Diagnoseraten und längerer Lebensdauer der diagnostizierten Patienten mit Typ-2-Diabetes. Aber auch mit den gemeinsamen Bemühungen von Ärzten und Patienten um eine optimierte Blutzuckereinstellung.

Nach wie vor stellt Metformin die Basis der oralen Diabetestherapie in den Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) dar. Diesen zufolge besteht (Be-)Handlungsbedarf bei einem HbA1c über 6,5 Prozent unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Lebensstilmodifikation. So vielfältig wie die Organsysteme, die bei der Blutzuckerregulation mitspielen, sind inzwischen auch die therapeutischen Ansätze. Und hier ist mit der Einführung der SGLT2-Inhibitoren die Niere als Zielorgan ins Spiel gekommen.

Ausscheidung von 70 bis 100 g Zucker täglich

Die Substanzgruppe, deren jüngster Vertreter Empagliflozin1 im Mittelpunkt des Symposiums am Allgemeinmediziner-Kongress in Graz stand, hemmt die GlukoseReabsorption in der Niere und führt über Glukosurie zu einer Senkung der Blutzuckerspiegel. Täglich werden auf diesem Weg 70 bis 100 g Zucker ausgeschieden, was in etwa 7 bis 10 BE oder 300 kcal entspricht. Das wiederum hat günstige Effekte sowohl auf das Körpergewicht wie auch auf den Blutdruck und fördert die Diurese. Hypoglykämien sind laut Fasching durch Empagliflozin selbst nicht zu befürchten, lediglich bei Kombinationstherapien mit Sulfonylharnstoff oder Insulin.

Dass Typ-2-Diabetes vor allem wegen seiner Langzeitkomplikatio-nen behandlungsbedürftig ist, betonte Prof. Dr. Harald Sourij, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz. Vaskuläre Ereignisse sind als Todesursache im Steigen begriffen und in Kombination mit Diabetes mellitus besonders bedrohlich. Weswegen im Zuge von Neuzulassungen antidiabetischer Medikamente seit 2008 Studien zur deren kardiovaskulären Sicherheit gefordert sind. Die Ergebnisse der Studie (EMPA REG OUTCOME®) zu Empagliflozin* wurden kürzlich publiziert2 und sorgten für einige Überraschungen.

Durch die Behandlung mit Empagliflozin* konnte die Gesamtmortalität der Probanden um nicht weniger als 32 Prozent reduziert werden, die kardiovaskulär bedingten Todesfälle gar um 38 Prozent. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz konnte die Rate der Hospitalisierungen um 35 Prozent gesenkt werden. Die Ursachen für diese Effekte von Empagliflozin sind noch nicht geklärt, aber dass in der dreijährigen Studie eine NNT (Number Needed to Treat) von nur 39 Patienten nötig war, um einen Todesfall zu verhindern, darf durchaus beeindrucken.

In der Erstattung sind derzeit die drei SGLT2-Hemmer Canagliflozin3 Dapagliflozin4 und Empagliflozin – alle in der gelben Box. Die Behandlung mit Jardiance® darf den Erstattungsregeln zufolge als Second-line- Therapie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und einem HbA1c größer 7 Prozent begonnen werden. Als Monotherapie bei Metforminunverträglichkeit oder -kontraindikationen, wenn kostengünstigere Alternativen nicht greifen. Oder als Ergänzung zu allen antidiabetischen Therapien außer DPP-4-Hemmern oder Gliniden. Bei einer GFR unter 60 ml/min ist Neueinstellung auf Empagliflozin nicht indiziert.

Viele Substanz-Kombinationen sind möglich

In der Kombination unterschiedlicher Wirkprinzipien sieht Fasching großes therapeutisches Potenzial: „Die Eigenschaften der Substanzen können auf die Ansprüche des Patienten abgestimmt werden. Viele Kombinationen sind möglich. Da können Sie nichts falsch machen!“, rät er den Kolleginnen und Kollegen.

So sieht er folgende typische Konstellationen für den günstigen Einsatz von Empagliflozin:

• Der junge, Metformin-vorbehandelten Typ-2-Diabetiker (HbA1c > 7 %) mit metabolischem Syndrom (Adipositas, Hyperurikämie, Hypertonie), der von den zusätzlichen Effekten der Gewichts- und Blutdruckreduktion profitiert.

• Der Patient im mittleren oder höheren Lebensalter unter Metformin und Sulfonylharnstoff/Pioglitazon mit HbA1c zwischen 8 und 10 Prozent, einer GFR > 60 ml/min und Hypertonie. Dieser profitiert bei ausgeprägter Hyperglykämie von der starken Glukosesenkung durch Empagliflozin ohne zusätzliche Insulingabe und von der Blutdrucksenkung.

• Der übergewichtige Patient im mittleren oder höheren Lebensalter unter Metformin, der hohe, tägliche Insulindosen braucht, eine GFR > 60 ml/min und einen HbA1c über 8 Prozent hat. Die Vorteile für diesen Patienten liegen vor allem in der Stabilisierung bzw. Reduktion von Insulinbedarf und Körpergewicht sowie in der HbA1c-Senkung.

* Jardiance® (Empagliflozin) ist nicht zugelassen zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos.

Referenzen:

1 Jardiance®

2 Zinman B et al. [Epub ahead of print] Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2015. Sep 17.

3 Invokana®

4 Forxiga®

Quelle: Mittagssymposium „Empagliflozin bei Typ-2-Diabetes – Wirksamkeit und Sicherheit im Fokus“ am 27. November 2015 beim 46. Kongress für Allgemeinmedizin in Graz

Claudia Mainau, Ärzte Woche 3/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben