zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 14. Dezember 2015

Wird der Blutzucker oft zu schnell gesenkt?

Ärzte sollten Senioren mit niedrigen Werten weniger ambitioniert behandeln.

Schießen Hausärzte bei alten Diabetikern mitunter über Therapieziele bei Blutzucker und Blutdruck hinaus? Das zumindest legt eine Analyse der Daten von US-Senioren nahe.

Passen Ärzte die medikamentöse Therapie bei alten Diabetikern an, wenn Blutdruck- und HbA1c-Werte sehr niedrig sind? Dieser Frage sind Forscher um Dr. Jeremy Sussman von der University of Michigan in einer retrospektiven Kohortenstudie nachgegangen. Sie haben dazu die Blutdruck-Daten von mehr als 210.000 und die HbA1c-Werte von knapp 180.000 Diabetikern im Alter über 70 Jahre analysiert (JAMA Intern Med 2015, online 26. Oktober). Die Wissenschaftler gingen dabei von Erkenntnissen der ACCORD-Studie aus („Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes“). In dieser Untersuchung hatte vor sieben Jahren eine intensive Therapie mit einem Ziel-HbA1c unter 6 Prozent im Vergleich zu 7,0-7,9 Prozent eine erhöhte Mortalität zur Folge, ohne dass die Rate kardiovaskulärer Ereignisse reduziert worden wäre.

Eine Blutdrucksenkung unter einen systolischen Wert von 120 statt 140 mmHg war ebenfalls nicht mit einer geringeren Rate tödlicher oder nicht tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert.

Entsprechend sollten, so die Forscher, Diabetiker mit derart niedrigen Werten weniger ambitioniert behandelt werden – zumal wenn sie alt sind und eine eingeschränkte Lebenserwartung haben. Das war aber nicht oder allenfalls in geringem Ausmaß der Fall.

Die Forscher monieren, in den einschlägigen Leitlinien würden einseitig die Gefahren der Unter- und kaum die Risiken einer Übertherapie reflektiert. Ihrer Ansicht nach sollte sich das in Zukunft ändern – und teils hat es das ja auch schon.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben