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Je früher die Menarche, desto deutlicher der BMI-Zuwachs.
 
Allgemeinmedizin 11. April 2014

Mit der Geschlechtsreife steigt der Body Mass Index

Bei heranwachsenden Mädchen sind altersabhängige Gewichtstabellen nicht aussagekräftig genug.

Referenzwerte für Gewicht und Größe heranwachsender Mädchen richten sich aktuell nach dem Alter in Jahren. Das biologische Alter, also ob ein Mädchen bereits geschlechtsreif ist oder nicht, bleibt außen vor. Ein Fehler, meinen Wissenschaftler und fordern speziell für Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren neue Pubertätsphasen-abhängige Werte.

Die Geschlechtsreife macht in vielerlei Hinsicht einen entscheidenden Unterschied, auch in puncto Körpergröße, Gewicht und Body Mass Index (BMI). Denn gemäß einer aktuellen Erhebung sind postmenarchale Mädchen im Durchschnitt größer und schwerer als ihre gleichaltrigen prämenarchalen Geschlechtsgenossinnen.

Rebekka Mumm von der Universität in Potsdam und Kollegen haben an 3.766 Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren anhand der Parameter Körpergröße, Gewicht und BMI untersucht, wie sich der Zeitpunkt der Geschlechtsreife auf das körperliche Wachstum auswirkt. Die Daten stammen aus der zwischen 2003 und 2006 vom Robert-Koch-Institut durchgeführten Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) und gelten als bundesweit repräsentativ.

Erwachsenwerden

Tatsächlich machte der Zeitpunkt der Geschlechtsreife einen deutlichen Unterschied beim Körperbau: Postmenarchale Mädchen waren im Vergleich zu gleichaltrigen Mädchen, die noch keine Regelblutung hatten, durchschnittlich 5,3 Zentimeter größer, 9,7 Kilogramm schwerer und wiesen einen um 2,9 kg/m2 höheren BMI auf. Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei jüngeren Mädchen. Der BMI steigt nicht nur mit dem kalendarischen, sondern auch mit dem biologischen Alter, betonen Mumm und Kollegen. Mädchen, die früher geschlechtsreif werden, sind größer und schwerer als ihre prämenarchalen Altersgenossinnen und haben – unabhängig vom Körperfettanteil – einen höheren BMI.

Keine Aussagen über Ursache

Ob die frühreifen Mädchen nun schwerer sind, weil sie früher geschlechtsreif geworden sind, oder ob sie früher geschlechtsreif wurden, weil sie mehr Gewicht auf die Waage bringen, lasse sich anhand der Studie nicht beantworten, so die Autoren. Das war, betonen Mumm und Kollegen in ihrer Arbeit, auch nicht Ziel der Untersuchung. Vielmehr gehe es darum, das Bewusstsein für diesen Zusammenhang zu schärfen.

Da nach Ansicht der Studienautoren mit den aktuell geltenden Referenzwerten das Risiko bestehe, spät-pubertierende, übergewichtige Mädchen noch als normalgewichtig und früh-pubertierende Normalgewichtige als übergewichtig einzustufen, fordern die Studienautoren die pubertäre Entwicklung bei der Beurteilung des BMI zu berücksichtigen, speziell bei zehn- bis 14-jährigen Mädchen.

Quelle/Literatur:

Mumm, R. et al. Developing differential height, weight and body mass index references for girls that reflect the impact of the menarche. Acta Paediatrica 2014, online 25. März; doi:10.1111/apa.12625

springermedizin.de, Ärzte Woche 16/2014

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