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Pulmologie 12. November 2013

ÖGP 2013: Gewichtsprobleme bei COPD

Jeder vierte COPD-Patient ist untergewichtig, jeder zweite übergewichtig. Beides hat unmittelbare Auswirkungen auf das Überleben.

Einer speziellen Problematik der COPD nahm sich die amtierende Präsidentin der ÖGP, Dr. Sylvia Hartl, im Vorfeld der ÖGP-Jahrestagung an: der des Körpergewichts der Patienten. Sowohl Über- als auch Untergewicht sind nämlich bei COPD-Patienten überdurchschnittlich häufig anzutreffen: Nur jeder vierte COPD-Patient ist normalgewichtig.

Für das Überleben von COPD-Patienten spielt das Körpergewicht eine große Rolle. „Früher hat man gesagt: je weniger, desto besser. Heute weiß man, dass zu wenig auch nicht gut ist“, so Hartl. „Das beste Überleben scheint mit einem BMI von etwa 21 gegeben zu sein.“

Früher Muskelschwund

Allerdings ist der BMI laut Hartl gerade bei COPD-Erkrankten kein optimales Instrument zur Risikobeurteilung, da es bei ihnen sehr früh zum Muskelschwund kommt. Muskelmasse kann schon abgebaut sein, obwohl das Gewicht vielleicht noch im Normbereich liegt. Eine geeignetere Methode, um das Verhältnis zwischen Fett- und Muskelmasse zu bestimmen, sei der DEXA-Scan, mit dem nicht nur die Knochendichte gemessen werden kann, sondern auch die fettfreie Muskelmasse (FFM). Diese Untersuchung sollte schon bei normalgewichtigen COPD-Patienten durchgeführt werden, um einen etwaigen Muskelabbau frühzeitig zu erkennen.

Wie kommt es eigentlich zum Gewichtsverlust bei COPD-Patienten? Neben dem Muskelschwund aufgrund von verminderter körperlicher Aktivität zeichnen auch Appetitverlust und Stoffwechselstörungen – auf der Basis chronischer Inflammation – für die Gewichtsabnahme verantwortlich. Ständige Atemnot kann außerdem die Nahrungsaufnahme zu einem Kraftakt machen. „Nicht zu unterschätzen ist auch der Energieverbrauch durch die ständig erhöhte Arbeitsleistung der Lunge“, erklärt Hartl. „Die Atemmuskulatur kann dabei bis zu 80 Prozent des verfügbaren Sauerstoffs verbrauchen und zur relativen Unterversorgung der anderen Muskeln und Organe führen.“

Gewichtsaufbau, aber richtig

Untergewichtige COPD-Patienten mit einem BMI unter 18 haben eine verringerte Lebenserwartung. Aber was kann man dagegen tun? „Mehr essen alleine nützt nichts“, so Hartl. „Eine erhöhte Kalorienzufuhr bringt nichts, wenn die zugeführten Nährstoffe nicht verstoffwechselt werden.“ Die Spezialdiät für untergewichtige COPD-Patienten besteht in einer eiweißreichen Kost mit viel Obst und Gemüse. „Wichtig sind häufige Mahlzeiten: Die Patienten sollten mindestens sechsmal pro Tag etwas essen.“ Die Mahlzeiten können mit Nüssen oder Linsen angereichert werden. Zwischendurch sind Sojadrinks zu empfehlen. Die sogenannten „Astronautendrinks“ werden dagegen für COPD-Patienten nicht empfohlen. Hartl warnt vor eigenmächtigen Ernährungsumstellungen und rät, diese gemeinsam mit einem Ernährungsberater durchzuführen. Auch ein Bewegungsprogramm sollte mit Spezialisten festgelegt werden, um die Sauerstoffversorgung des Organismus nicht zu gefährden.

Wie bei allen COPD-Patienten ist auch bei untergewichtigen die Verhinderung von Exazerbationen ein primäres Ziel. Hartl: „Exazerbationen können alles zunichte machen, was man zuvor mit Spezialdiäten etc. erreicht hat.“ Um Exazerbationen frühzeitig zu entdecken, empfiehlt sich ein Selbsttest wie der CAT (COPD Assessment Test) zur Beurteilung der allgemeinen Verfassung zu Hause.

Das andere Extrem: Übergewicht

So wie Untergewicht ist auch Übergewicht für COPD-Patienten ein zusätzlicher Risikofaktor. „Das Hauptproblem hier ist das erhöhte kardiovaskuläre Risiko“, sagt Dr. Marie-Kathrin Breyer, Ludwig Boltzmann Institut für COPD und pneumologische Epidemiologie. Falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind die naheliegenden Ursachen für die Gewichtszunahme. Dementsprechend wirken eine Ernährungsumstellung und ein Bewegungsprogramm heilsam. Das ist aber gar nicht so einfach, wie es sich anhört: „30 Minuten pro Tag moderate Bewegung (das ist z. B. einfaches Gehen) sind das empfohlene Minimum für alle Menschen“, so Breyer. „Das schaffen aber in Europa nur 18 Prozent der Bevölkerung. COPD-Patienten, die an Atemnot leiden, bewegen sich noch weniger.“

Reha-Programme zeigen erfahrungsgemäß leider wenig Langzeitwirkung: „Schon nach sechs Monaten ist die durchschnittliche Leistungsfähigkeit der Patienten wieder auf dem Ausgangsniveau“, berichtet Breyer. In einer eigenen Studie setzte sie auf Nordic Walking: „Weil diese Art der Bewegung von den Patienten auch nach der Reha im Alltag leicht durchführbar ist und sie außerdem die Leute dazu bringt, aus dem Haus zu gehen, was auch soziale Kontakte fördert.“ Der Effekt des dreimonatigen Nordic-Walking-Programms war laut Breyer noch nach neun Monaten messbar. „Besonders beeindruckend war, dass sich Symptome wie Angst und Depression sowie die Lebensqualität der Nordic Walking Gruppe signifikant verbesserten und einen Langzeiteffekt hatten.“

Österreichische COPD-Patienten weniger aktiv als andere?

Einer Umfrage zufolge sollen österreichische COPD-Patienten körperlich weitaus wenig aktiv sein als etwa Betroffene aus Südamerika, Ob das wirklich nur mit der ausgeprägten Atemnot oder eher mit einer unterschiedlichen Tradition zur Aktivität zu erklären ist, werde sich klären, unterstrich Breyer, wenn Ergebnisse über die Untersuchung der österreichischen Allgemeinbevölkerung vorliegen: „Wir erwarten mit großer Spannung die Daten aus der österreichischen LEAD Studie, der größten Gesundheitsstudie Österreichs, die erstmalig bei 10.000 Österreichern nicht nur eine ausführliche Untersuchung des metabolischen Status vornimmt, sondern auch die körperliche Aktivität der Allgemeinbevölkerung misst.“

Quelle: Mediengespräch zur Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), Wien, 21. Oktober 2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 46/2013

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