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Nicht jeder Übergewichtige entwickelt auch eine Stoffwechselstörung.
 
Kardiologie 25. März 2013

Harnsäure als Herzkreislauf-Marker

Der Gichtparameter kann besonders gefährdete Subgruppen unter Übergewichtigen identifizieren.

Ein Forscherteam aus Graz, Salzburg und Maryland/USA hat übergewichtige Kinder und Erwachsene untersucht. Eine wesentliche und neue Erkenntnis ist, dass die häufig nur mit der Gichterkrankung in Zusammenhang gebrachte Harnsäure bei Jung und Alt Rückschlüsse auf das Herzkreislauf-Risiko zulässt.

Ein gut funktionierender, gesunder Stoffwechsel ist essenziell, da er im Körper für lebenswichtige Vorgänge, wie die Energiegewinnung und die Erhaltung der Körpersubstanz, verantwortlich ist. Beim „kranken“ Stoffwechsel kommt es zu Störungen und Beeinträchtigungen dieser Funktionen. Fettleibigkeit verursacht bei den meisten Betroffenen eine Insulinresistenz, was wiederum zur Erkrankung am Typ-2-Diabetes führt sowie zu weiteren Begleitkrankheiten des Stoffwechsels.

Subgruppen mit unterschiedlichem Risiko

Dies kann bei einer Vielzahl der Patienten beobachtet werden, jedoch nicht bei allen. Eine Subgruppe adipöser Menschen zeigt keine oder nur gering ausgeprägte Risikofaktoren wie Insulinresistenz, subklinische Entzündungen, Fettstoffwechselstörungen und Herzkreislauf-Erkrankungen.

„In unserer Forschungsarbeit gingen wir daher der Frage nach, wie sich stoffwechsel-gesunde Fettleibige von stoffwechsel-kranken fettleibigen Menschen von der Kindheit bis ins Alter unterscheiden“, so Prof. Dr. Harald Mangge von der Medizinischen Universität Graz.

Um diese Frage beantworten zu können, wurden 355 Kinder bzw. Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren und 354 Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren untersucht. Die beiden Gruppen setzten sich jeweils aus normal- und übergewichtigen Probanden der STYJOBS/EDECTA-Kohorte (siehe unten) zusammen.

Neuer Herzkreislaufmarker

„Zu unserer Überraschung trat ein von der Gicht bekannter Indikator als wesentlicher Herz-Kreislauf-Marker in Ergänzung zu etablierten Stoffwechsel-Risikoparametern in den Vordergrund – die Harnsäure. Ihre Bestimmung scheint eine Unterscheidung von Menschen mit gesundem und kranken Stoffwechsel, die an Übergewicht bzw. Fettleibigkeit leiden, zu ermöglichen. Dies gilt offensichtlich für Kinder und Erwachsene“, so Mangge.

Dieser aussagekräftige wie auch kostengünstige Biomarker soll nach Meinung der Wissenschaftler zukünftig sinnvollerweise in die Diagnose von Herz-Kreislauf-Risiken einfließen und verstärkt berücksichtigt werden.

Die Forscher weisen auf eine wesentliche mögliche Konsequenz dieser Ergebnisse hin: „Die Identifizierung von übergewichtigen oder fettleibigen Menschen mit keinen oder nur geringen Herzkreislauf-Risiko-Parametern ist wichtig. Für sie müssen in Zukunft möglicherweise andere, weniger aggressive Therapieempfehlungen gelten als für jene mit krankem Übergewicht bzw. kranker Fettleibigkeit“, meint Mangge. Auf Basis von Biomarkern könnten zukünftig neue Therapieansätze zur Behandlung von Fettleibigkeit etabliert werden.

Über STYJOBS/EDECTA

Das Projekt STYJOBS (Styrian Juvenile Obesity Study) untersucht adipöse Kinder und Jugendliche zur Erforschung von Risikoprofilen in der Frühphase von Übergewicht und Atherosklerose. Im Rahmen von EDECTA (Early Detection of Atherosclerosis ) wurden diese Aktivitäten auf das frühe und mittlere Erwachsenenalter (bis zum 50. Lebensjahr) ausgedehnt. Die STYJOBS/EDECTA-Studie wird weiter ausgebaut. Anhand der gesammelten Ergebnisse soll zukünftig ein stark verfeinertes Risikoprofil aus Körpermerkmalen und Biomarkern zur Verfügung stehen, um eine individuelle Einschätzung von zukünftigen, potenziell lebensbedrohlichen Ereignissen zu gewährleisten.

MedUni Graz, Ärzte Woche 13/2013

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