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Kinder- und Jugendheilkunde 1. Oktober 2012

Eine kardiologische Zeitbombe

Dicke Kinder: Gefährliche Häufung von Risikofaktoren.

Übergewicht und Adipositas haben bereits bei Kindern und Jugendlichen starke Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Während über 80 Prozent aller normalgewichtigen Studienteilnehmer keinen einzigen Risikofaktor hatten, war das in einer aktuellen Studie bei nur 17 Prozent der übergewichtigen und bei nur zwei Prozent der adipösen der Fall. Im Durchschnitt hatten die Übergewichtigen zusätzlich zwei weitere, und die Adipösen sogar drei weitere Risikofaktoren.

„Es sollte also bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen nicht darauf gewartet werden, dass Herz-Kreislauf-Risiken im Erwachsenenalter auftreten werden“, so Prof. Dr. Otmar Pachinger, Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin III und Präsident des Österreichischen Herzfonds, „sondern es muss bereits bei Kindern auf das ihrem Alter entsprechende Körpergewicht geachtet werden.“

Im Rahmen des Nürnberger Präventions-Erziehungs-Programms (PEP) wurde untersucht, inwieweit sich die negativen Zusammenhänge bei Übergewicht bereits im Jugendalter manifestieren. Als Risikoparameter wurden der Taillenumfang, der Taillen/Größen-Quotient, das Körperfett, der systolische und diastolische Blutdruck, Triglyceride, LDL- und HDL-Cholesterin ausgewählt. Den stärksten Anteil hatten die aus Größe, Gewicht und Taillenumfang abgeleiteten Risikofaktoren. Auch bei den Laborwerten nahmen die kardiovaskulären Risikofaktoren mit dem höheren Körpergewicht zu. Erhöhte Triglyzeride zum Beispiel waren bei den übergewichtigen Mädchen drei Mal so häufig, diese Tendenz zeigte sich auch bei den Burschen.

Häufig schon Herzmuskelveränderungen

Übergewicht und Adipositas sind aber bei Kindern und Jugendlichen nicht bloß ein Risikofaktor für spätere Herz-Kreislauf-Krankheiten. Eine auf dem ESC-Kongress vorgestellte Studie von Dr. Norman Mangner, Herzzentrums Leipzig zeigt, dass Übergewicht bereits im Kindesalter mit einer verschlechterten systolischen und diastolischen Funktion der linken Herzkammer einhergehen kann. Das Forscherteam untersuchte mittels Ultraschall adipöse und normalgewichtige Kinder auf das Vorliegen von Veränderungen des Herzmuskels.

Bei der Prävention möglichst früh ansetzen

Pachinger: „Deshalb ist es besonders wichtig, bei der Prävention möglichst früh anzusetzen: mit Information, Erziehung und geeigneten Bewegungs- und Ernährungs-Programmen.“ Denn Übergewicht im Kindesalter ist stark assoziiert mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, orthopädischen Problemen, psychologischen Störungen, sozialem Stigma, niedrigem Selbstwertgefühl, Depression, schlechter Lebensqualität und Ausbildungs-Nachteilen. Übergewichtige Kinder haben ein höheres Risiko, übergewichtige Erwachsene zu werden. Außerdem ist Übergewicht im Kindesalter ein Prädiktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten im Erwachsenenalter und eine höhere Sterblichkeitsrate.

Präventionsprogramm

Die zunehmende Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern, so Pachinger, „ist eine kardiologische Zeitbombe.“ Übergewicht ist heute in der EU die häufigste gesundheitliche Störung im Kindesalter, es gibt bereits 15 Millionen adipöse Kinder. Unter Österreichs Elfjährigen sind nach den Angaben der WHO bereits 9 Prozent der Mädchen und 14 Prozent der Burschen übergewichtig bis fettleibig. Der Österreichische Herzfonds ist deshalb Sponsor eines großen Schwerpunkt-Projektes für Prävention der Adipositas bei Kindern.

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