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© Paul Cowan / shutterstock
T-Zellen im Fettgewebe halten Entzündungen in Schach.
 
Diabetologie 30. Mai 2012

Glitazone wirken doppelt

Insulin-Sensitizer zeigen überraschende entzündungshemmende Effekte im Bauchfettgewebe.

Das Bauchfettgewebe von Übergewichtigen ist chronisch entzündet. Dies gilt als eine der Hauptursachen für die Entwicklung eines Diabetes Typ 2. Bei normalgewichtigen Mäusen hält eine spezifische Gruppe von Immunzellen diese Entzündungen in Schach. Diese lassen sich mit Glitazonen aktivieren, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die aktivierten Immunzellen drosseln nicht nur die Entzündung, sondern sorgen auch dafür, dass sich der Zuckerstoffwechsel normalisiert.

 

Bei Menschen wie bei Mäusen gilt: Das Bauchfettgewebe stark übergewichtiger Individuen ist chronisch entzündet. Die Entzündung fördert Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes und gilt außerdem als einer der Faktoren, die das Krebsrisiko fettleibiger Menschen steigern.

Immunzellen nur bei Normalgewichtigen

Ursache der Entzündung sind Makrophagen, die in großer Zahl in das Bauchfettgewebe einwandern. Dr. Markus Feuerer vom Deutschen Krebsforschungszentrum fand im Bauchfettgewebe normalgewichtiger Mäuse eine Gruppe von spezialisierten Immunzellen, regulatorische T-Zellen, die die Entzündung in Schach halten. Im Bauchfett von fettleibigen Mäusen jedoch fehlte genau diese Zellpopulation fast vollständig. „Mit experimentellen Methoden konnten wir diese entzündungshemmenden T-Zellen in fettleibigen Mäusen vermehren. Daraufhin ging die Entzündung zurück, und der Zuckerstoffwechsel normalisierte sich“, so Feuerer.

Steuerndes Protein identifiziert

In einer neuen Arbeit wurde das Zellkern-Protein PPARy als molekularer Hauptschalter, der die entzündungshemmende Aktivität der regulatorischen T-Zellen steuert, identifiziert. Die Immunologen züchteten Mäuse, deren regulatorische T-Zellen kein PPARy produzieren können. Im Bauchfett dieser Tiere fanden sich kaum noch entzündungshemmende T-Zellen, dafür aber deutlich mehr entzündungsfördernde Makrophagen als bei normalen Artgenossen.

Direkte Wirkung auf Immunzellen

PPARy ist gut bekannt als Zielmolekül einer Klasse von Diabetes-Medikamenten: Die Glitazone, auch als Insulin-Sensitizer bezeichnet, aktivieren dieses Rezeptormolekül im Zellkern. Bislang war man davon ausgegangen, dass die Glitazone den Zuckerstoffwechsel hauptsächlich dadurch verbessern, dass sie PPARy in den Fettzellen aktivieren. Feuerer und Kollegen testeten daher zunächst, ob die Medikamente auch direkt auf die entzündungshemmenden Immunzellen wirken. Dies scheint der Fall zu sein, denn nach Glitazone-Behandlung stieg bei fettleibigen Mäusen die Anzahl entzündungshemmender Zellen im Bauchfett, zugleich sank die Zahl entzündungsfördernder Makrophagen.

Hat die Wirkung auf die entzündungshemmenden T-Zellen möglicherweise sogar Anteil am therapeutischen Effekt der Medikamente? Die Ergebnisse sprechen dafür: Bei fettleibigen Mäusen verbesserte die Glitazone-Behandlung Stoffwechsel-Parameter wie Glukosetoleranz und Insulinresistenz. Bei den genetisch veränderten Tieren, deren regulatorische T-Zellen kein PPARy produzieren können, normalisierte das Medikament den Zuckerstoffwechsel jedoch nicht. Erste Studien deuten darauf hin, dass es auch im Bauchfett des Menschen eine spezifische Population regulatorischer T-Zellen gibt. Ob diese Zellen tatsächlich die Entzündungen des Fettgewebes drosseln und ob sie ebenfalls durch Glitazone beeinflussbar sind, muss noch geprüft werden (Cipolletta D et al.: Nature 2012).

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