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Übergewichtige Menschen leiden häufiger unter erhöhten Blutdruckwerten als normalgewichtige.
 
Allgemeinmedizin 12. April 2012

Warum Übergewicht Bluthochdruck begünstigt

Zusammenhang zwischen Insulin, Fettgewebe und Hypertonie.

Der erhöhte Insulinspiegel hemmt einen speziellen Blutdrucksenker-Botenstoff, der im Herz gebildet wird. Diese Erkenntnis könnte zur Entwicklung neuartiger Herzmedikamente beitragen.

 

Wenn zu viel Blut durch den Körper fließt und sich in der Folge Zellen der rechten Herzvorhofwand dehnen, wird an dieser Stelle der Botenstoff ANP ausgeschüttet. Dieses Hormon hemmt Durst, entspannt glatte Gefäßmuskeln und erhöht die Harnausscheidung – allesamt Mechanismen, die dem Blut Volumen und Druck entziehen und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.

Bei stark übergewichtigen Menschen ist der ANP-Spiegel auffallend niedrig, obwohl gerade sie zu Bluthochdruck neigen. Wie in einer Studie berichtet wird, steigert eine chronische Erhöhung des Insulinspiegels die Produktion von Rezeptoren im Fettgewebe, die ANP abbauen und aus dem Blut herausfischen: Der Botenstoff verliert seine schützende, blutdrucksenkende Wirkung.

Positiv nutzbar

Laut Einschätzung der Autoren dürfte es sich dabei um einen der wichtigsten Mechanismen handeln, die bei Übergewicht Bluthochdruck begünstigen. Weitere wie etwa Hormone aus der Nebenniere sind zwar bekannt, doch handelt es sich dabei nicht um protektive Botenstoffe, die auf positiver Weise genützt werden könnten.

Hoffnung auf Blockade

Die Forscher hoffen, dass die neuen Erkenntnisse über ANP-Hormone es eines Tages ermöglichen werden, dem Bluthochdruck bei der untersuchten Patientengruppe gezielt entgegenzuwirken: „Medikamente der Zukunft können die Abbaurezeptoren vielleicht gezielt blockieren. Ein erhöhter ANP-Hormonspiegel könnte einerseits vor Hypertonie schützen, eventuell aber auch dem Übergewicht entgegenwirken, denn in hochkonzentrierter Form hat dieser Botenstoff fettlösende Eigenschaften.“

Bis dies in der Praxis soweit ist, ist aber noch einiges an Forschungsarbeit notwendig.

Die Studie unter der Leitung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) wurde kürzlich im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism publiziert (Pivovarova, O. et al.: JCEM 2012; doi: 10.1210/jc.2011-2839 ). 

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