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Foto: roberto reisch / pixelio.de
Wer es sich im Winter immerzu zu kuschelig macht und kaum mehr in Kontakt mit kalten Temperaturen kommt, legt Fettpolster an.
 
Allgemeinmedizin 15. Februar 2011

Zu warm macht dick

Zu viel Heizen begünstigt Übergewicht.

Wer dafür sorgt, dass Innenräume im Winter nicht überheizt sind, schützt damit nicht nur das Klima: Er tut auch etwas gegen Übergewicht. Das behaupten zumindest Forscher vom University College London in der Fachzeitschrift Obesity Reviews.

 

Einer Analyse von britischen Forschern zufolge trägt der fehlende Kontakt mit Winterkälte Mitschuld daran, dass die Adipositasprävalenz in vielen Industriestaaten zunimmt.

Leben in milden Temperaturen

Zwei Mechanismen des Körpers bringen die Mediziner dabei ins Spiel: Einerseits verringert sich bei höheren Außentemperaturen der Energieaufwand des Körpers, um seine notwendige Betriebstemperatur zu erhalten. Andererseits geht auch die Fähigkeit des Körpers verloren, Wärme zu erzeugen. Denn je weniger Menschen mit Kälte in Berührung kommen, desto eher legen sie Polster in Form des weißen Fetts an und verlieren dabei braunes, adipöses Fett (brown adipose tissue, BAT). Letzteres würde dabei die überschüssige Energie nicht speichern, sondern verbrennen.

Die Innentemperaturen im Winter sind in Europa und Nordamerika in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Zugang zu Zentralheizungen ist längst die Regel, zudem gleichen sich auch die Temperaturen der verschiedenen Räume einer Wohnung oder eines Hauses immer mehr an, da man immer mehr Temperaturkomfort wünscht. Die Folge dieser Entwicklung ist, dass die Menschen übers Jahr immer mehr Zeit in milderen Temperaturen verbringen und der Kontakt mit der Winterkälte auf ein Minimum sinkt.

Fehlender Temperaturstress

„Die Bandbreite von Temperaturunterschieden, denen unser Körper ausgesetzt ist, sinkt ständig. Damit verschwindet auch der leichte Temperaturstress, unter den der Körper bei Kälte kommt und damit Energie verbrennt. Das dürfte sich nicht nur auf die Energiebilanz des Körpers, sondern auch auf das Gewicht und die Entwicklung von Übergewicht auswirken, zumindest auf Ebene der Gesellschaft“, so Studienleiterin Fiona Johnson. Wahrscheinlich sei, dass es neben den Hauptfaktoren Ernährung und Bewegung noch andere Ursachen für Adipositas gebe, wozu die Expertin auch die Temperatur im Winter zählt.

 

Quelle: Johnson, F. et al.: Obesity Reviews 2011; doi:10.1111/ j.1467-789X.2010.00851.x

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