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Abb. 1: Risikofaktoren in der frühkindlichen Ernährung: Kurz- und langfristige Effekte (nach Hilbig Annett 2006)
 
Kinder- und Jugendheilkunde 21. September 2010

„Feeding for Life“ – Frühe Ernährung und gesundheitliche Prägung

Prä-und perinatale frühkindliche Prägung durch adipogene Lebensbedingungen



Fehlernährung und Bewegungsmangel von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter sind die Basis für die Entwicklung gesundheitlicher Probleme im Erwachsenenalter.

„Dicke Kinder sind die kranken Erwachsenen von Morgen!“

Während man früher vor allem die Unterernährung in der Schwangerschaft und im Säuglingsalter als Risikofaktor für Erkrankungen im Säuglings und Jungendalter annahm, gibt es heute, aus retrospektiven epidemiologische Untersuchungen und prospektiven Untersuchungen am Tiermodell, Beispiele für die Folgen der Über-/Unterernährung in der Schwangerschaft und im Säuglingsalter.

Diese fetale und postnatale metabolische Prägung („Priming“, „Programming“) durch die Ernäh-rung, während sensiblen Entwicklungsperioden („Entwicklungsfenster“) in Schwangerschaft und Kindheit, kann einen langfristigen oder lebenslangen Einfluss auf Struktur und Funktion des Organismus haben und beeinflusst die Gesundheit im Jugend- und Erwachsenenalter. Ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes Typ 2, koronaren Herzerkrankungen und Krebs nehmen zu (s. Abb.). Dieses Erkrankungsrisiko steht im Zusammenhang mit niedrigem Geburtsgewicht, niedrigem BMI mit 2 Jahren, schneller Gewichtszunahme im Alter von 2–11 Jahren, mit hohem BMI mit 11 Jahren. Größere Gewichtszunahme wurde bei früher Beikosteinführung (< 16 Wochen) und kurzem Stillen (< 20 Wochen) beobachtet (n = 3768). Hohe Zufuhr von Eiweiß fördert das Wachstum (Serum-IGF er-höht). Längerer Verzehr hoher tierischer Eiweißmengen mit Beikost, Familienkost vermehrt den Körperfettanteil im Kindesalter (8 Jahre, „Eiweißmast“). Die Häufigkeit ernährungsmitbedingter Erkrankungen nahm in Europa in den vergangen 30 Jahren kontinuierlich zu mit derzeit ungebrochenem Trend. Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status und aus Migrantenfamilien sind häufiger betroffen. Primäre Präventionsmaßnahmen, v. a. bei anamnestisch feststellbaren Risikofaktoren in der Familie, sind dringend erforderlich um das individuelle Risiko zu vermindern.

 

Ein großer Teil der Kinder ist durch adipogene Lebensbedingungen gefährdet! Es müssen in der Familie und in der Gesellschaft präventive Lebensräume geschaffen werden. Der Kinderarzt hat hierfür sowohl für das Individuum als auch für sein soziales Umfeld in der Gemeinde eine Schlüsselposition. Durch Kooperation mit Fachkräften der Ernährung, Bewegung und Pädagogik kann er sowohl für das betroffen Kind und seine Familie als auch in der Gemeinde (Kindergarten, Schule, Vereine) gesundheitsfördernde Ressourcen vermehren, Lebensstil, Ernährungszustand und Fitness durch nachhaltige Schulung und Training verbessern.

 

 

Dr. Volker Veitl, Ernährungsphysiologe,

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