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Praxis 11. September 2008

Strebern im Spital

Voraussetzungen für lebenslanges Lernen zu schaffen, ist ein erklärtes bildungspolitisches Ziel der Europäischen Union. Patienten im Krankenhaus sind normalerweise von diesem Ideal weitgehend ausgeschlossen. Das Projekt eHospital, geleitet von dem Beratungs- und Trainingsunternehmen die Berater®, eröffnet allerdings neue Bildungsmöglichkeiten im Spital.

 edv

Ist ein Mensch durch eine Erkrankung zu einem längeren stationären Aufenthalt gezwungen, stagniert in der Regel seine Ausbildung. Für Kinder gibt es in österreichischen Krankenhäusern Spitalsschulen, die ihnen eine Fortsetzung ihrer Schulausbildung ermöglichen. Aber wie sieht es bei Jugendlichen und Erwachsenen aus? „Europaweit gibt es derzeit keine Lernangebote für Erwachsene – es ist aber dringend notwendig, Weiterbildung, auch über das Schulalter hinaus, in Spitälern anzubieten“, erläutert Mag. Holger Bienzle, Bereichsleitung EU bei die Berater®.
Jugendliche sind häufig in der Situation der Jobsuche und benötigen qualifizierte Berufsberatung und ein Weiterbildungsangebot. Auch bei Erwachsenen gibt es Bereiche, in denen sie eine Schulung benötigen und wünschen. Zudem trägt eine sinnvolle Beschäftigung dazu bei, den Patienten von seiner Erkrankung abzulenken, Perspektiven für das Leben „danach“ zu entwickeln und daraus Kraft zu schöpfen.

EU-unterstützte Projekte

Zum ersten Mal wurden im Pilotprojekt eHospital Weiterbildungsmöglichkeiten für unterschiedliche Patientengruppen entwickelt und erprobt: Im Rahmen des von der EU unterstützten Projekts, welches 2005 startete, wurden an Spitälern in Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen, Spanien und Frankreich Bildungsaktivitäten mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen durchgeführt. Der österreichische Projektleiter die Berater® – eine der führenden Erwachsenenbildungseinrichtungen Österreichs – hat in Kooperation mit der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde E-Learning Kurse angeboten.

Die ersten Lernwilligen waren in Österreich die Jungen

Das Projekt wurde in den Krankenhausalltag integriert, individuell konfiguriert und sehr flexibel angelegt. Es umfasste in Österreich die Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen. „Grundsätzlich basiert eHospital auf dem System des Blended Learning, welches modular aufgebaut ist und E-Learning mit Präsenzunterricht kombiniert“, erklärt Bienzle. „Maßgeschneidertes Blended Learning für erwachsene Patienten ist jedoch teuer, da mit einer hohen Fluktuation zu rechnen ist und die individuellen Bedürfnisse aufgrund des Krankheitsbilds, inklusive regelmäßiger Face-to-Face-Kontakte, zu berücksichtigen sind.“
Aus der Sicht der Projektkoordinatoren macht E-Learning mit Patienten nur dann Sinn, wenn sich Letztere mindestens zwei Wochen im Spital aufhalten müssen: Solche Patienten können aus der Lern- und Beratungstätigkeit einen konkreten Nutzen ziehen und eine Verbesserung ihrer beruflichen Zukunft erreichen.
In der Pilotphase testeten 91 Patienten und Patientinnen die E-Learning Angebote, wobei 14 Patienten aufgrund von gesundheitlichen oder emotionalen Gründen bzw. durch den Transfer in ein anderes Spital die Kurse abbrechen mussten.
Die Ergebnisse aus dem eHospital Projekt wurden von allen Partnerländern eingeholt und für eine internationale Konferenz, die im Herbst 2008 an der Donau-Universität Krems stattfinden wird, aufbereitet. Weiters wurde das Handbuch eHospital: Experiences with E-Learning Activities for Patients (ISBN 978-3-9502335-3-7) veröffentlicht, welches bei der Konferenz vorgestellt wird. „In der Publikation wird das Projekt eHospital beschrieben und die bereits vorliegenden Ergebnisse für zukünftige Aktivitäten zugänglich gemacht. Die Erfahrungen aus dem Projekt sollen weitergegeben werden und zu ähnlichen Aktivitäten motivieren“, so Bienzle. Das Handbuch ist als PDF auf der Projektwebsite (www.ehopspital-project.net) erhältlich und erscheint im Sommer 2008 auch als Printversion in fünf Sprachen.

Handbuch mit Basiswissen und praktischer Anleitung

Der erste Teil des Handbuches liefert Hintergrundwissen zu E-Learning für Patienten im Krankenhaus sowie Erfahrungsberichte aus dem E-Learning-Bereich mit Patienten. Zum Verständnis der Rahmenbedingungen für diese Art von E-Learning beinhaltet dieser Abschnitt zusätzlich eine Einführung in die Krankenhausorganisation und eine Auseinandersetzung mit dem Gesundheits- bzw. Krankheitsbegriff.
Der zweite Teil umfasst die Beschreibung der praktischen Umsetzung von informellem E-Learning für Patienten im Krankenhaus. Hier werden unter anderem die pädagogischen, organisatorischen und technischen Aspekte dargestellt und praxisbezogene Beiträge, Empfehlungen und Hilfsmittel zur Planung, Organisation, Umsetzung und Evaluation von E-Learning- Projekten in Krankenhäusern angeboten.

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