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Praxis 4. September 2008

Telemedizin in der Steiermark entlastet die Patienten

Die Implantation eines Herzschrittmachers (SM) ist der erste Schritt in der Behandlung zahlreicher Herzrhythmusstörungen. Um die Funktion des HighTech Implantats zu überprüfen und das Aggregat optimal an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen, sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen unerlässlich. Die Bemühungen der letzten Jahre laufen in die Richtung, diese Checks für den Patienten möglichst schonend zu ermöglichen. Unter anderem mithilfe der Telemedizin.

 Elga
Die H.ELGA (Herzschrittmacher. ELektronische GesundheitsAkte) stellt die zentrale Datendrehscheibe und Kollaborationsplattform für die telemedizinische Herzschrittmacher-Nachsorge dar.

Zurzeit werden die Patienten bis zu vier Mal jährlich in eine Spezialambulanz zur Überprüfung des Herzschrittmachers beordert. In einer Untersuchung an der SMAmbulanz der Universitätsklinik Graz hat sich herausgestellt, dass in rund 90 Prozent der Fälle weder subjektive Beschwerden des Patienten noch eine Fehlfunktion des Aggregats vorlagen.
In einer klinischen Studie soll nun an mehr als 400 Patienten evaluiert werden, ob es möglich ist, die Funktion des SM telemedizinisch, in Kollaboration zwischen dem extra und intramuralen Bereich, zu untersuchen. Ziel ist es, die Patienten hinsichtlich Anreise und Wartezeit wie auch die Spezialambulanz zu entlasten und somit die Effizienz des Therapiemanagements zu steigern.
Zu diesem Zweck wurde in den letzten zwei Jahren ein telemedizinisches Nachsorgenetzwerk aufgebaut. Die Nachsorgeuntersuchungen könnten somit in Zukunft telemedizinisch, durch den niedergelassenen Arzt in Kollaboration mit dem Spezialisten an der SMAmbulanz, durchgeführt werden.
Die telemedizinische Nachsorge wird mittels einer mobilen, PDAbasierten HerzschrittmacherNachsorgeeinheit durchgeführt. Das System unterstützt den niedergelassenen Arzt bei der Datenerfassung. Neben Anamnesedaten wird im Rahmen einer telemedizinischen Nachsorge ein EKG aufgezeichnet. Die Daten werden dem Spezialisten in der SMAmbulanz über eine InternetPlattform zur Verfügung gestellt, der prompt die Befundung der Daten sowie des EKGs durchführt. Nur bei einem begründeten Problemverdacht wird der Patient sofort in die Spezialambulanz zu einer erweiterten Kontrolle beordert.

H.ELGA – die zentrale Datendrehscheibe Im Zentrum dieses telemedizinischen Nachsorgenetzwerkes steht die „H.ELGA“ – die elektronische Gesundheitsakte für HerzschrittmacherPatienten. Die H.ELGA wurde vom eHealth systems Team des Austrian Research Centers am Grazer Standort in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Graz und der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.h. (KAGes) entwickelt.
Die H.ELGA bildet die zentrale Datendrehscheibe, in der alle therapierelevanten Daten von der Indikation, der Implantation, den Nachsorgen (ambulant und telemedizinisch) bis hin zum Austausch des SM zusammenfließen. Des Weiteren stellt die H.ELGA eine Kommunikations und Kollaborationsplattform zur Verfügung, um eine Brücke zwischen dem niedergelassenen Bereich und den Kardiologen in der Spezialambulanz zu schlagen.

Evolution statt Revolution

Der Einsatz moderner InternetTechnologie hat in den letzten Jahren breiten Einzug in viele administrative Bereiche des Gesundheitssystems gefunden. Zukünftig soll diese Technologie verstärkt eingesetzt werden, um Patienten und Ärzte direkt im Therapiemanagement zu unterstützen.
Vor allem telemedizinische Versorgungskonzepte an der Nahtstelle zwischen intra und extramuralem Bereich eröffnen für viele Bereiche die Chance, eine effiziente und nachhaltige medizinische Versorgung langfristig sicherzustellen. Die Herausforderung liegt jedoch darin, eine Balance aus technischer Machbarkeit, klinischorganisatorischen Gesichtspunkten, rechtlichen sowie ökonomischen Aspekten zu finden.

Vertrauter Arzt bleibt erhalten

Das eHealth systems Team der Austrian Research Centers hat sich gemeinsam mit klinischen Partnern und Stakeholdern im österreichischen Gesundheitssystem dieser Herausforderung angenommen mit dem Ziel, telemedizinische Versorgungskonzepte zu konzipieren, zu evaluieren und schließlich in die Routineversorgung überzuführen.
Als eine der ersten Patientengruppen könnten SMPatienten von den Forschungsergebnissen profitieren. Vor allem durch das Konzept der kollaborativen Versorgung zwischen intra und extramuralem Bereich kann ein effizientes Therapiemanagement sowie eine erhöhte Patientenzufriedenheit erzielt werden. Der dem Patienten vertraute niedergelassene Arzt bleibt die primäre Ansprechperson, die in Kollaboration mit dem Spezialisten in der Klinik den Patienten optimal durch die SMTherapie begleitet.
Da es sich bei der H.ELGA um eine Internetbasierte Anwendung handelt, wird seitens der niedergelassenen Ärzte keine Softwareinstallation notwendig sein. Zurzeit wird an einer kostengünstigen mobilen Nachsorgeeinheit bestehend aus PDA und mobilem EKGAufzeichnungssystem gearbeitet.
Der Appell richtet sich jedoch auch an die Gesundheitspolitik, innovative telemedizinische Versorgungskonzepte aufzugreifen und die notwendigen Voraussetzungen zu schafften, dass diese zum Wohle aller Patienten und Patientinnen in der Routineversorgung Fuß fassen können. Das Projekt wird vom Land Steiermark (Abteilung 3 – Wissenschaft und Forschung) finanziell unterstützt.

DI Dr. Alexander Kollmann ist am Austrian Research Centers GmbH (ARC) in der Abteilung Biomedical Engineering tätig

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