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Praxis 16. Mai 2008

Den Stein der Weisen gibt es nicht

Mangelnde Compliance und Adhärenz in der Arzneimitteltherapie kann erhöhte Morbidität, Mortalität und Kosten im Gesundheitssystem verursachen. Deshalb wurde in Deutschland ein Health Technology Assessment (HTA) zu Wirksamkeit und Kosten-Nutzen-Verhältnis von Strategien zur Verbesserung von Compliance und Adhärenz durchgeführt.

Compliance ist die Bereitschaft von Patienten und Patientinnen, eine medizinische Empfehlung zu befolgen. Adhärenz bezeichnet die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt oder Ärztin gesetzten Therapieziele. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass sich in entwickelten Ländern aber nur jeder zweite Patient entsprechend verhält.
Ein Health-Technology Assessment in Deutschland überprüfte die Wirksamkeit und Kosteneffizienz von Strategien zur Verbesserung der Therapietreue und Adhärenz von Patienten. Eingeschlossen wurde je eine systematische Übersichtsarbeit mit Daten aus 57 randomisiert kontrollierten Studien (RCTs) für die medizinische und mit Daten aus sechs Studien für die gesundheitsökonomische Bewertung. Zu ethisch-sozialen und juristischen Implikationen konnte keine Publikation identifiziert werden. Insgesamt zeigten 22 von 67 (33 Prozent) Interventionen eine signifikante Verbesserung in den klinischen Endpunkten. Als verlässlich positiv für den Therapieerfolg wurden folgende Maßnahmen bei folgenden Erkrankungen bewertet:
• Beratung mit Aushändigung eines Tagebuchs zur Compliance mit anschließendem Telefonanruf bei Helicobacter-pylori-Patienten,
• wiederholte Beratungen von Patienten mit akuter Asthmasymptomatik,
• Telefonanrufe zur Erfassung der Compliance und Abgabe daran orientierter Empfehlungen bei der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen,
• telefonische Beratung von Diabetikern bei Problemfällen,
• verschiedene Maßnahmen der Familientherapie, -beratung und -schulung bei Patienten mit Schizophrenie sowie
• wiederholte Compliance-Sitzungen bei Patienten mit akuter Psychose.
Bei anderen Interventionen sind die Ergebnisse wegen der schlechteren methodischen Qualität der zugrunde liegenden Studien mit Vorbehalt zu betrachten. Es konnten aus den vorliegenden Daten keine zuverlässigen Ergebnisse zur Kosten-Nutzen-Relation der verschiedenen Strategien ermittelt werden. Der Fokus lag in fast allen Studien auf patienten- bzw. therapiebezogenen Faktoren. Welchen Einfluss die Struktur und Organisation des jeweiligen Gesundheitssystems auf Compliance und Adhärenz haben, wurde bislang noch nicht adäquat untersucht.

Quelle: DIMDI/ D 2007: Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance bzw. Adherence in der Arzneimitteltherapie mit Hinblick auf den Therapieerfolg. http://gripsdb.dimdi.de/de/hta/hta_ berichte/hta206_bericht_de.pdf

Mag. Rosemarie Felder-Puig ist Mitarbeiterin des Ludwig-Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment (LBI-HTA) in Wien.

Der Artikel erschien im Original im HTA-Newsletter April 2008/Nr.66 http://hta.lbg.ac.at/

Felder-Puig, Ärzte Woche 20/2008

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