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Praxis 20. Juni 2008

Gutes tun beim Anlegen

Längst sind es nicht mehr nur grünbehauchte Anleger, die ausschließlich in Nachhaltigkeitsfonds investieren. Welche Unternehmen ins Portfolio kommen, dazu gibt es genaue Richtlinien. Risikofreude ist bei dieser Art von Aktienfonds jedenfalls gefragt.

„Kernkraft, Menschenrechtsverletzungen, Gen-/Bio-Technologie, Tierversuche, Kinderarbeit, Rüstungsindustrie und Ähnliches mehr sind Ausschlusskriterien“, erklärt Harald Pirkfellner vom Competence Center Wertpapiere der Ärztebank. „Eine Investition in Unternehmen aus bestimmten Branchen und Tätigkeitsfeldern ist dem Fondsmanagement, das nach dem Prinzip der Ausschlusskriterien vorgeht und dazu mit einer sogenannten Blacklist arbeitet, nicht erlaubt. Es gibt natürlich auch andere grobmaschigere Auswahlmethoden, wie etwa den Positivauswahl-Ansatz oder den Best-in-class-Ansatz. Doch für Anleger, die bestimmte ethische Ziele verfolgen, kommen nur nach der Ausschlusskriterien-Methode ausgewählte Unternehmen in Betracht. Daher ist er auch der meist verwendete Ansatz.“
„Schon lange sind es nicht mehr ‚grüne Anleger’, die Nachhaltigkeitsfonds erwerben“, weiß Gerhard Cramer, Leiter der Abteilung Freie Berufe der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG.

Der Verpflichtung bewusst

„Sowohl Privatanleger als auch institutionelle Anleger sind sich heute ihrer ethischen und moralischen Verpflichtung bewusst und setzen verstärkt auf das Motto: ‚Gute Rendite mit gutem Gewissen’“, so Cramer. Denn die Renditen aus den Nachhaltigkeitsfonds können heute den Vergleich antreten: „Studien besagen, dass es hinsichtlich Rendite und Risiko von nachhaltigen Fondsveranlagungen keine Hinweise auf ein schlechteres Abschneiden gegenüber anderen gibt“, so Wolfgang Spängler, Anlageverantwortlicher der Bank-Austria Region Tirol/Osttirol. „Dass das Geschäft mit Aktien ein gewisses Risiko in sich birgt, das gilt nach wie vor“, gibt Dr. Ernst Schrattmaier vom Kompetenzcenter Ärzte/Freie Berufe der Hypo Tirol zu bedenken: „Denn meist handelt es sich bei diesen Nachhaltigkeitsfonds oder sogenannten Socially-Responsible-Investments (SRI)-Produkten um Aktienfonds. Daher setzen wir bei diesen, wie bei anderen risikoreicheren Wertpapieren auch, die notwendige Risikobereitschaft der Anleger mit ‚hoch’ an und empfehlen unseren Investoren einen Veranlagungshorizont von mehr als fünf Jahren.“

Markt gewachsen

„Nichtsdestotrotz ist der Markt nachhaltiger Fonds im Jahr 2007 in Österreich, Deutschland und der Schweiz enorm gewachsen“, so Cramer: „Experten gehen von einem Gesamtwert von ca. 34 Milliarden Euro aus. Und dieser Trend scheint sich auch im Jahr 2008 weiter fortzusetzen!“


Ist der Mensch doch gut veranlagt?

Warum Menschen in der heutigen Zeit ihr Geld in nachhaltig arbeitende Unternehmen investieren, darüber sprach die Ärzte Woche mit Prof. Dr. Roland Füss von der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel.

 Prof. Dr. Roland Füss

Landläufig wird behauptet, dass Werte in unserer Gesellschaft immer weniger zählen und sich alles nur mehr um monetäre Ziele dreht. Wie erklären Sie dann das große Interesse an den sogenannten Nachhaltigkeitsfonds?
FÜSS: Die Literatur besagt zwar, dass das menschliche Verhalten durch die Maximierung des Eigeninteresses geprägt ist, in der Praxis jedoch weichen Menschen häufig von einem rein eigennützig geprägten Verhalten ab. In einer Ökonomie lässt sich das Fortbestehen von sozialen Normen, welche mit entsprechenden finanziellen Kosten einhergehen, dadurch erklären, dass bei Missachtung dieser Normen ein Reputationsverlust droht – sowohl bei Individuen als auch bei Unternehmen. Damit lässt sich auch das Wachstum der Socially-Responsible-Investment(SRI)-Industrie erklären, d.h. Konsumenten sind bereit, für Produkte, die mit ihren persönlichen Werten konsistent sind, eine Prämie zu bezahlen.

Wie sieht es mit der Rendite von solchen Nachhaltigkeitsfonds aus? Nur um des Gewissens wegen das Geld nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien anzulegen, erscheint dennoch widersinnig?
FÜSS: Es ist nicht auszublenden, dass mit der Entscheidung, das Geld in einen Investmentfonds zu investieren und damit gerade nicht einem guten Zweck zukommen zu lassen, Anleger von Nachhaltigkeitsfonds auch ihren finanziellen Nutzen erhöhen wollen, indem sie positive (risikoadjustierte) Renditen erwarten. Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien zum Rendite-Risiko-Verhalten von SRI-Fonds durchgeführt worden. Hierbei ist hervorzuheben, dass der Anlageerfolg zunächst sehr stark von den Auswahlmethoden des Fondsbetreibers abhängt. So erzielen z.B. Fonds mit Anlageschwerpunkten in Unternehmen, die Best Practices in Corporate Governance (verantwortungsvolle Unternehmensführung) umsetzen, im Vergleich zu Fonds mit rein sozialen und ethischen Selektionskriterien deutlich höhere Renditen. Des Weiteren unterscheiden sich die (risikoadjustierten) Renditen von SRI-Fonds in Großbritannien und den USA kaum von Renditen konventioneller Publikumsfonds in diesen Ländern, während in Kontinentaleuropa und im Asien-Pazifik-Raum risikobereinigte Renditen von SRI-Fonds gegenüber Vergleichsportfolios deutlich schlechter abschneiden.

Ihr persönlicher Tipp?
FÜSS: Ein persönlicher Tipp ist angesichts der Berücksichtigung unterschiedlicher Anlegerrisikopräferenzen äußerst schwierig. Generell gilt, dass Unternehmen, die eine nachhaltige Politik betreiben, indem sie z.B. konsequente Richtlinien zur Corporate Governance verfolgen, durchaus langfristig ein höheres Renditepotenzial erwarten lassen. Dies bedeutet wiederum, dass Anleger hinsichtlich des Anlagehorizontes bei SRI-Fonds von einem langfristigen Investment ausgehen sollten.

Scheiderbauer, Ärzte Woche 25/2008

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