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Praxis 30. April 2008

Das Einmaleins der Geldanlage (Geldanlage 4)

Wie interessant Bilder von heimischen Jung-Künstlern, Teppiche aus Anatolien oder Vasen aus Shanghai als Wertanlage sind und welche Risiken es dabei zu beachten gibt, das haben Brancheninsider der Ärzte Woche im Gespräch anvertraut.

Normalerweise sind es aufsehenerregende Rekordpreise, die unsere Aufmerksamkeit auf Kunst als Wertobjekte lenken – oder auch spektakuläre Kunstdiebstähle.
„Bei einer Rendite-Analyse errechnete die volkswirtschaftliche Abteilung der Dresdner Bank für den Zeitraum von 1874 bis 1999 eine durchschnittliche Verzinsung von 8,3 Prozent bis 8,8 Prozent p. a. für Kunstwerke“, so Otto Hans Ressler, Direktor der imKinsky Kunst Auktionen GmbH. Grundlegend für diese Berechnung war, so der Experte weiter, wann ein Objekt gekauft und wann es wieder verkauft wurde. Die Dresdner Bank habe ebenso eine vergleichende Untersuchung der Vermögensentwicklung zwischen Kunst- und Finanzmärkten durchgeführt. Dabei wurden Kunstwerke mit der Performance deutscher Aktien- und Rentenindices verglichen. „Höchst interessant dabei war, dass die deutsche Rentenkursentwicklung letztlich nicht dargestellt werden konnte“, berichtet Ressler. Denn das Ausgangsvermögen wäre bereits 1923 während der großen Inflation völlig verloren gegangen. Die Werke alter Meister hingegen hätten diese Inflation ohne dramatischen Wertverfall überstanden. Interessant für den Großteil der Kunstinvestoren ist nach Ressler auch der Fakt, dass die Gewinnzuwächse sich nicht nur bei Werken von Cézanne, Picasso oder van Gogh manifestiert hätten, sondern ebenso bei Künstlern aus der sogenannten zweiten Reihe mit deutlich niedrigerem Preisniveau.
Das Inflationsrisiko ist nach Mag. Hubert Thurnhofer, Präsident der IG Galerien, Galerieinhaber und Referent zum Themenschwerpunkt Kunst und Investment, auch bei der zeitgenössischen Kunst zu vernachlässigen.

Aktien an der Wand

Wesentlich größer ist die Gefahr, dass ein Künstler in Vergessenheit gerät bzw. nicht hält, was der Markt erwartet hat. „Doch jeder Künstler, der konsequent seinen Weg verfolgt und nicht mit überzogenen Preisen startet, sollte deutlich schneller im Preis steigen als die Inflation“, so der Experte weiter. Insofern sei es auch vollkommen legitim, Kunstwerke als „Aktien an der Wand“ zu bezeichnen. Wenn jemand allerdings absolut keine emotionale Bindung zu dieser „Aktie“ habe, wäre er sicher nicht gut beraten, in Kunst zu investieren. Doch räumt Thurnhofer auch gleich ein, dass je länger jemand sich mit einem Thema beschäftige, umso eher könne er auch riskante Investments als solche erkennen und umgehen.
Bei älteren Werken bzw. Antiquitäten spielt auch die Tatsache, dass diese Kunstobjekte einfach immer seltener werden, eine wesentliche Rolle in der Preisentwicklung: Sie werden nach Einschätzung Resslers auch künftig beständig an Wert gewinnen. „Dennoch spielt es eine große Rolle, was man sammelt, wenn es hohe Wertsteigerungen erfahren soll. Moden sind hier von ebenso großer Bedeutung wie die Qualität. Aktuell ist es etwa so, dass die Kunst des 20. Jahrhunderts besonders stark nachgefragt wird – und zwar weltweit. Klassische Moderne, zeitgenössische Kunst, aber auch Jugendstil boomen, während sich die Preise für Bilder des 19. Jahrhunderts, Alte Meister, Biedermeierglas oder Barockmöbel nur langsam entwickeln und teils sogar stagnieren.“
Dazu komme noch ein anderer Aspekt, der gerne vergessen werde: „Es ist ganz entscheidend, wie günstig ich kaufe und wie gut ich verkaufe. Jedes Gemälde, jede Antiquität ist ein Einzelstück. Da steht kein Preis darauf. Es gibt keinen Kurs wie bei Aktien. Es wird also darauf ankommen, wie gut sich der Investor mit Kunst und ihrem Markt auskennt, damit er beim Kauf nicht übervorteilt wird und beim Verkauf die Möglichkeiten weitgehend nützt“, so der Insider.
Und eben diese Einzigartigkeit sei es auch, die oftmals eine der größten Risiken in sich birgt: die einer Fälschung. „Kunstfälschungen gibt es nicht erst heute, es gab sie schon im alten Rom vor 2.000 Jahren. Schon immer, wenn eine starke Nachfrage durch das vorhandene Angebot nicht befriedigt werden konnte, traten Betrüger auf den Plan. Im antiken Rom waren es griechische Antiquitäten, die gefälscht wurden, im Mittelalter Reliquien, in der Renaissance römische Originale, im 19. Jahrhundert Renaissance-Objekte, und heute ist es praktisch alles, was viel Geld verspricht“, so Ressler. „Und nicht vergessen werden darf bei dieser ganzen Problematik, dass es nicht nur gefälschte Bilder und Antiquitäten gibt, sondern auch falsche Expertisen.“
Eine andere, aber ebenso große Bedrohung für Kunstwerke sieht Thurnhofer in Diebstählen: „Gerade wenn sich berühmte Werke in einer Sammlung befinden, ist diese Bedrohung massiv.“ Doch die allergrößte Gefahr liegt dem Kunstroutinier zufolge in der nicht sachgemäßen Lagerung der Kunstwerke: „Dies führt leider nur allzu oft zu immensen Wertverlusten.“ Ein Risiko, das sich allerdings abwenden lässt.

Achillesferse Liquidität

Wie aber bei allen anderen Anlagen gilt auch hier, dass sich Verkäufe aus einem Liquiditätsengpass heraus meist sehr schwierig bzw. finanziell nachteilig gestalten: „Denn obwohl es ein hohes Maß an Sicherheit und erfreuliche Aspekte hinsichtlich der Rendite gibt, ist die Liquidität der Anlageform Kunst beschränkt“, so Ressler. Ein paar Wochen brauche es fast immer, bis man einen Wert realisieren könne. Zeitgenössische Kunst eignet sich nach dem Experten besser, wenn man Objekte will, die sich schneller in Bares verwandeln lassen.
„Wer Kunst möglichst rasch wieder abstoßen will, sollte am besten Künstler wählen, die bereits in Auktionshäusern präsent sind“, rät Thurnhofer. Als Faustregel empfehlen beide, Kunst als ein Anlageobjekt für mindestens zehn Jahre zu sehen – und dabei nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern immer gut zu streuen.

Ende der Serie


Eine Frage der Angemessenheit

Kunstinvestments durch die Steuerbrille gesehen.

 Manfred Rieger

Manfred Rieger, SFÄ Steuerberatung für Ärzte, im Gespräch mit der Ärzte Woche über Chancen und Risiken einer Veranlagung in Versicherungen.

Welche steuerlichen Aspekte müssen Ärzte beachten, wenn sie in Antiquitäten und/oder zeitgenössische Kunst investieren?
Rieger: Investitionen in Antiquitäten und zeitgenössische Kunst sind sicher interessant. Aus steuerlicher Hinsicht gibt es jedoch viele Fallstricke: Zum einen fragt die Finanz nach der Angemessenheit dem Grunde nach; wenn es etwa um Antiquitäten als Dekoration- und Ziergegenstände geht. Zum anderen fragt die Finanz nach der Angemessenheit der Höhe nach; wo etwa der antike Schreibtisch zwar zweifellos betrieblich genutzt wird, ein neuer jedoch wesentlich weniger kosten würde und funktioneller wäre.

Wie legt die Finanz die angemessene Höhe einer Ausgabe in Kunst & Antiquitäten fest bzw. woran können sich Ärzte bei einem Kauf orientieren?
Rieger: Bei Teppichen beispielsweise wird man einen maximalen Betrag von 730 Euro je Quadratmeter durchbringen und bei Antiquitäten, wie Schreibtischen, Schränken und Ähnlichem, einen Betrag bis zu 7.300 Euro.

Wie sieht es mit der Besteuerung bzw. Absetzbarkeit von Gewinnen sowie Verlusten aus Kunst und Antiquitäten aus?
Rieger: Soweit die Antiquitäten nicht dem Betriebsvermögen zugeordnet werden, kann man natürlich auch keine Verluste aus dem Verkauf absetzen. Viel wesentlicher ist aber der Umstand, dass Antiquitäten und Kunst im Regelfall keiner Abnutzung unterliegen. Es entfällt daher die laufende Absetzung für Abnutzung – gewöhnlich als Abschreibung bezeichnet. Von Zeit zu Zeit taucht das Modell eines Kunst-Leasings auf, welches die oben beschriebene Problematik abzufedern versucht. Ist sicher ein interessanter Ansatz.

Scheiderbauer, Ärzte Woche 18/2008

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