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Praxis 17. April 2008

Das Einmaleins der Geldanlage (Geldanlage 2)

Wenn es um Versicherungen geht, rücken neben einer klassischen Absicherung gegen Schadensfälle vermehrt auch Vermögenssicherung und Vermögensaufbau in den Mittelpunkt des Interesses.

Dass wir immer älter werden, ist inzwischen ein Faktum. Aber wie steht es mit dem Bedürfnis, hierfür auch vorzusorgen? „Die private Pflegevorsorge gewinnt in der Tat immer mehr an Bedeutung“, so Franz Meingast, Vorstand der Generali Versicherung AG. „Nicht zuletzt, um das Privatvermögen im Falle einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit vor dem Zugriff der öffentlichen Hand zu schützen.“
Damit rücken aber neben einer klassischen Absicherung gegen Schadensfälle auch Vermögenssicherung und Vermögensaufbau in den Mittelpunkt des Interesses des zu Versichernden. „Wir sehen ein massiv gestiegenes Bewusstsein in der Bevölkerung, langfristige Vorsorge möglichst frühzeitig zu starten“, so Dr. Manfred Pfeffer, Lebensversicherungs-Experte der Allianz-Gruppe.

Wohl überdachter Aufbau

Ein auf lange Zeit vorausgeplanter Vermögensaufbau will wohl überdacht sein: „Wenn man das Geld mittelfristig anlegen will, dann sollte man es eher splitten. Kann man es jedoch langfristig binden, sollte man es in jedem Fall auf mehrere Produkte verteilen“, rät Mag. Manfred Bösch, Geschäftsführer von HYPO-Versicherungsmakler (HVM) Vorarlberg. Alles auf eine Karte zu setzen, davon rät er dringend ab. Zudem empfiehlt der Experte, jeder Pensionsvorsorge unbedingt eine klassische Rentenversicherung beizumischen.
Gerade in Zeiten großer Volatilität raten die Experten bei langfristigen Veranlagungsentscheidungen dazu, die Lebensversicherung fix mit einzubeziehen. „Lebensversicherungsprodukte haben heuer wieder bewiesen, dass sie trotz der enormen Kursschwankungen auf dem Kapitalmarkt das halten können, was sie versprechen. Möglich war dies durch die Auflösung von Schwankungsreserven, die bei Lebensversicherungen standardmäßig angelegt werden“, so Pfeffer. Das ist auch für Meingast mit ein entscheidender Punkt, in dem sich Lebensversicherungen von den meisten anderen Anlagemöglichkeiten wie etwa Sparbüchern, Aktien, Kunst und Antiquitäten abheben: „Bei einer klassischen Lebensversicherung kann sich der Konsument während der gesamten Laufzeit auf einen garantierten Basiszinssatz verlassen und zusätzlich noch eine Gewinnbeteiligung auf Basis der Kapitalmarktentwicklung lukrieren.“
Von dem bisherigen Image, dass Versicherungsprodukte generell starr wären oder dass ohne Schadensfall das gesamte Geld beim Teufel wäre, davon distanzieren sich die Versicherungsexperten einhellig: „Bei Schadensversicherungen steht natürlich die Absicherung finanzieller Folgen im Vordergrund, Lebensversicherungen jedoch sind sehr flexible Vorsorge- und Anlageinstrumente“, so Meingast.

 Expertentipps

Individuelle Entscheidung

Darüber hinaus könne man bei Fondsgebundenen Lebensversicherungen selbst mitentscheiden, in welche Investmentfonds, z.B. in Dachfonds bzw. Fonds mit mehr Aktien, mehr Anleihen oder mehr Immobilien etc., man investieren möchte, schlägt Bösch in die gleiche Kerbe. Auch könne man heute fast jedes Produkt sehr gut an die individuelle Situation als auch an die mittelfristige und langfristige Lebensplanung des Kunden anpassen, so der Experte weiter. Fest steht nur, dass ebenso Versicherungen etwas Fürsorge seitens des Versicherten brauchen: „Nicht nur das Auto, das Haus oder die Wohnung bedürfen einer regelmäßigen Wartung und Pflege“, so Dr. Pfeffer, „ebenso die Anlagen – egal ob zur Vermögenssicherung oder zum Vermögensaufbau!“

In der nächsten Ärzte Woche:
Immobilien


Steuervorteile bei Versicherungen

Dr. Wolfgang Ellmaier von der Hübner&Hübner Steuer- und Unternehmensberatung im Gespräch mit der Ärzte Woche über Chancen und Risiken einer Veranlagung in Versicherungen.

Welche steuerlichen Aspekte müssen Ärzte beachten, wenn sie in Versicherungen investieren?
Ellmaier: Investments in Versicherungen werden mit einer Versicherungssteuer besteuert. Bei Einmalerlägen mit einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren und bei regelmäßigen (z. B. monatlichen), im Wesentlichen gleich bleibenden Beiträgen beträgt die Versicherungssteuer vier Prozent. In anderen Fällen beträgt diese elf Prozent. Die Versicherungssteuer wird an das Versicherungsunternehmen „mitüberwiesen“. Dieses leistet dann die Steuer an die Behörden.

Wie sieht es mit der Besteuerung der Erträge aus Versicherungen aus?
Ellmaier: Kapitalleistungen aus Lebensversicherungsverträgen, wie etwa oben beschrieben, unterliegen grundsätzlich nicht der Einkommensteuer. Mit der Versicherungssteuer ist somit die Steuer erledigt. In Ausnahmefällen kann es zu einer nachträglichen Steuerpflicht bei Lebensversicherungen in Rentenform kommen; wenn z. B. die Summe der monatlichen Renten den Wert überschreitet, den man bekommen hätte, wenn man sich die Lebensversicherung in einer Einmalzahlung hätte auszahlen lassen.

Lebensversicherungen, die zur Tilgung von endfälligen Praxiskrediten abgeschlossen werden: Inwieweit sind die damit verbundenen Zahlungen abschreibbar?
Ellmaier: Wenn Sie eine Lebensversicherung als Tilgungsträger für eine endfällige Finanzierung Ihrer Praxis verwenden, müssen Sie beachten, dass die diesbezüglichen Zahlungen an die Versicherung steuerlich nicht abzugsfähig sind. Kapitaltilgungen sind aber generell steuerlich nicht absetzbar, da dieses Geld über die Abschreibung der entsprechenden Investition steuerlich geltend gemacht wird. Abzugsfähig sind in allen Fällen nur die Zinsen.

Ihr persönlicher Tipp für Ärztin und Arzt?
Ellmaier: Informieren Sie sich vor jeder Investition, egal ob Sie in Versicherungen, Wertpapieren, Immobilien oder Ähnlichem Ihr Geld anlegen, ab welcher Veranlagungsdauer die Steuerbelastung am geringsten ist; bei Versicherungen ist das etwa ab zehn Jahre der Fall. Ich könnte mir jedes Mal die Haare raufen, wenn ich bei einem neuen Klienten feststellen muss, dass er wegen ein paar Monaten um attraktive Steuervorteile gekommen ist.

Scheiderbauer, Ärzte Woche 16/2008

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