zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 10. April 2008

Das Einmaleins der Geldanlage (Geldanlage 1)

Zwar sieht es an den internationalen Börsen derzeit nicht rosig aus, doch irgendwann werden sich die Kurse wieder erholen.
Finanzexperten und Steuerberater lichten für die Ärzte Woche in einer vierteiligen Serie den Anlagendschungel. Den Auftakt machen Aktien, Anleihen, Fonds & Sparbücher.

Irgendwann im Laufe des Praxisjahres fragt sich jede Ärztin und jeder Arzt, wie sie wohl geschickt und steuerschonend ein bisschen Geld auf die hohe Kante bringen könnten. Die Nachrichten von Aktienabstürzen und darauf folgenden panikartigen Wertpapierverkäufen sind dabei alles andere als vertraueneinflößend.

Das beste Produkt im ganzen Land

Was für den einen das Beste ist, ist nicht zwingend auch für den anderen empfehlenswert, sind sich die Experten einig. Das wichtigste Kriterium bei Kapitalanlagen ist und bleibt, was man langfristig mit dem Geld vorhat und wie viel Risiko man eingehen will und kann: „In der Geldanlage kann man nicht ein Produkt haben, über das man täglich ohne Kursverluste verfügen kann und das gleichzeitig den maximalen Ertrag bei voller Sicherheit bringt“, so Mag. Franz Stern, Leiter der Vermögens- und Finanzplanung der Volksbank Tirol. „Vor diesem Hintergrund sollte man sich Prioritäten setzten; im Sinne folgender Fragen: Was ist mir das Allerwichtigste? Was ist mir wichtig? Und was wäre auch noch schön zu haben?“, so der Experte weiter.

Aktien – für gute Nerven

„Fakt ist, dass langfristig die Performance von Aktien alle anderen Anlagenprodukte schlägt!“, zeigt sich Harald Pirkfellner vom Competence Center-Wertpapiere der Ärztebank überzeugt: „Ein Kunde, der aktuell über ausreichend liquide Mittel und den notwendigen Anlagehorizont verfügt, kann in den nächsten Monaten wahrscheinlich günstige Kaufkurse an den Märkten für sich nutzen.“
„In der Tat sind durch die Kursverluste der letzten Zeit vielfach wirklich interessante Einstiegskurse entstanden“, schlägt Wolfgang Spängler, Anlageverantwortlicher der Bank Austria Region Tirol/Osttirol, in dieselbe Kerbe. „Denn gute Aktientitel sollten sich bei einem nicht zu kurz gewählten Veranlagungshorizont zumindest wieder auf das Kursniveau hinentwickeln, das vor der Subprime-Krise bestanden hat“, so Spängler. „Das alles funktioniert aber nur so lange, bis der Kunde das Geld nicht kurzfristig für andere Investitionen dringend benötigt“, gibt Pirkfellner gleich mit zu bedenken.
Auch sollte die Entscheidung, in Aktien zu investieren oder nicht, gerade in Zeiten wie diesen, wo Unsicherheit die Aktienmärkte prägt, davon abhängig gemacht werden, ob man mit stark schwankenden Aktienkursen umgehen kann. „Der ideale Einstiegszeitpunkt darf gerade für Newcomer im Aktienbusiness nicht im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Einschätzung der eigenen Person: Der Anleger soll einfach Freude am Gewinnen und am ‚Spielen‘ haben, doch gegebenenfalls auch die Verluste rasch wegstecken können“, so Stern.

Anleihen & Sparbücher – auf Nummer sicher

Risikoscheueren Kunden, die sich absolut kein Risiko leisten wollen oder auch können, empfiehlt daher Gerhard Cramer, Teamleiter Freie Berufe der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG, in mündelsichere Anleihenfonds zu investieren: Hier bekomme man über einen bestimmten Zeitraum fixe Zinsen und am Ende der Laufzeit mindestens auch noch den veranlagten Betrag wieder ausbezahlt. Die meist bessere Rendite als bei Sparbüchern bezahle man aber mit dem Nachteil, dass man sein Geld bei einer Anleihenveranlagung eben nicht jederzeit bei jeder x-beliebigen Filiale wieder abheben könne. Dass man aber auch bei Sparbüchern derzeit bis zu 4,5 Prozent Zinsen erwirtschaften könne, scheint für die Insider nicht Grund genug zu sein, um Sparbücher als mittel- oder gar langfristige Anlageprodukte bezeichnen zu können. „Denn sollte der Trend der Zinssenkungen aus den USA nach Europa kommen, werden die Zinsen im Sparbereich auch wieder fallen – und bei Wertpapieren mit einer Mindestverzinsung hat man dieses Risiko eines Zinsverfalls nahezu ausgeschalten. Der Anleger hat sogar die Chance, mehr Ertrag zu erwirtschaften, wenn alles gut läuft“, so Pirkfellner.
Und nachdem das Sparbuch, wie Stern zu berichten weiß, die Schwankungen des Zinsmarktes auch in der Vergangenheit mitgemacht hat, könne es bereits morgen auf einen Zins unter vier Prozent fallen. Demnach sei das Sparbuch nur für jene interessant, die ihr Geld irgendwo nur zwischenparken möchten.

Fonds – mit Kalkül

Auch wenn die Österreicher als pure Sparbuchliebhaber verschrien sind, wie Karin Bauer, Wilhelm Rasinger und Maria Brandstetter in ihrem Praxis-Ratgeber Anlegerschutz (Linde-Verlag) ausführen, gehören sie statistisch gesehen zu Europas eifrigsten Fondssparern. Das hat wohl seinen guten Grund: In einem Fonds sind die Gelder der Fondssparer in unterschiedliche Anlagen, wie etwa Aktien, Anleihen, Beteiligungen, Grundstücksvermögen u. Ä., aufgeteilt. Das soll das Risiko streuen. Bei der Auswahl des Fonds empfiehlt es sich deshalb, dessen Inhalt genau anzusehen: „Heutzutage ist die Frage, welche Märkte langfristig gute Wachstumspotenziale besitzen, entscheidend für die Fondsauswahl. So erscheint es auch naheliegend, dass in erster Linie aufstrebende Märkte wie Asien, Südamerika und Osteuropa, auch als „Emerging-Markets“ tituliert, im Fokus stehen“, so Spängler. „Neben der Marktanalyse, der Bonität des Emittenten oder der politischen Stabilität des jeweiligen Landes (z.B. Asien) sollte man sich bei der Fondsauswahl als Anleger aber auch die Branche (ob Rohstoffe, Alternativenergien …) und andere ähnliche Produkte des selben Emittenten genauer ansehen“, gibt Cramer weitere Tipps für die Fondsauswahl.
Doch abgesehen von der aktuellen Situation am Kapitalmarkt beschäftigt bereits ein anderes brisantes Thema die Finanzexperten: die laufend steigende Inflation. „Diese gilt es nun in den Griff zu bekommen, um unterm Strich (realwirtschaftlich) keinen Verlust zu haben“, so Stern.

 Fakten

In der nächsten Ärzte Woche: Versicherungen.


Ein paar Daumenregeln

Wertpapiere durch die Steuerbrille gesehen.

 Dr. Michael A. Klinger Wie „geschickte Spekulanten“ Gewinne mitnehmen und entstandene Verluste steuerlich genutzt werden können.

Dr. Michael A. Klinger im Gespräch mit der Ärzte Woche über Chancen und Risiken der Veranlagung in Wertpapiere.

Welche Art von Investitionen in Kapitalanlagen können Sie einem Arzt, der etwa 10.000 Euro (über die steuerfreien zehn Prozent hinaus) zu veranlagen hat, empfehlen?
Klinger: Wenn einmal die Grundbedürfnisse bei der Vermögensanlage befriedigt sind, also die liquiden Mittel für die laufenden Kosten vorhanden, das private Wohnbedürfnis usw. gesichert und durchfinanziert sind, könnte man sich mit den angesprochenen Anlagen beschäftigen. Grundsätzlich ist eine Diversifizierung über verschiedene Anlageformen eine gute Idee – also nicht nur Aktien oder nicht nur Immobilien. Auch die Veranlagung in Fonds streut das Risiko. Anleihenfonds sind relativ sicher. Fonds mit einem höheren Aktienanteil bergen die größten Risiken – aber auch Chancen. Aus steuerlichen Gründen sind auch Immobilien interessant; ebenso Unternehmensbeteiligungen. Letztere sind jedoch als Beteiligungsmodelle ziemlich problematisch.

Welche steuerlichen Aspekte muss ich als Arzt betrachten, wenn ich in Wertpapiere investiere?
Klinger: Daumenregel: Solange An- und Verkauf außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist erfolgen und die Bank beim Depot für die Zinsen und Dividenden (=Ertrag bei Aktien) die Kapitalertragsteuer, KESt, einbehält, braucht man sich im Regelfall mit steuerlichen Aspekten überhaupt nicht auseinandersetzen. Ansonsten kann eine Steuerveranlagung auch ziemlich komplex und umständlich werden.

Wie steht es mit der Absetzbarkeit der Verluste aus Wertpapieren?
Klinger: Verluste aus Spekulationen sind nur mit Gewinnen aus solchen Spekulationen ausgleichsfähig. Mit den Einkünften aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Tätigkeit können solche Verluste nicht aufgerechnet werden. Weiters gibt es hier auch keinen Verlustvortrag, daher können diese Verluste endgültig verloren gehen. „Geschickte Spekulanten“ wirken dem entgegen, indem sie rechtzeitig vor Jahresende noch gute Papiere abstoßen und die Gewinne daraus einfahren, um etwaige entstandene Verluste zu nutzen.

 

Scheiderbauer, Ärzte Woche 15/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben