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Praxis 7. Mai 2008

Kommt das Ende des Papierzeitalters?

Die junge „Elektronische Gesundheitsakte“ ELGA ist seit eineinhalb Jahren gesundheitspolitisches Kernthema. Dass daneben schon seit längerer Zeit ein elektronischer Datendienst namens ELDA existiert, erstaunt manchen. Die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse spielt Vorreiter.

ELDA steht für „Elektronisches Datensammelsystem“ und ist seit 1995 für Dienstgeber und Krankenanstalten, aber nicht nur für diese, im Einsatz. „ELDA hat mit ELGA nur eine scheinbare Ähnlichkeit und eigentlich miteinander nichts zu tun. ELDA ist ein Standardprodukt, das wir (die OÖGKK, Anm.) betreiben, um den elektronischen Datenaustausch zwischen Partnern zu erleichtern, die bürokratisch miteinander verkehren“, beschreibt OÖGKK-Direktor DDr. Hans Popper den Datendienst. Ein ELDA-Hauptanwendungsfeld ist laut Popper die „bürokratische Abwicklung der Beitragsfrage“ zwischen Arbeitgebern und Versicherungen und erfasst etwa auch den Datentransfer von Spitälern in ihrer Eigenschaft als Arbeitsgeber zu den Sozialversicherungen. Mit ELDA werden sozialversicherungsrelevante Daten an die Krankenversicherungsträger und Lohnzettel der Arbeitnehmer an die Finanzbehörden weitergeleitet. Das Datensammelsystem bei der OÖGKK dient dabei als e-Knotenpunkt, über den mehrmals täglich die Daten an den Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und weiter an die zuständigen Krankenversicherungsträger sowie Finanzbehörden weitergeleitet werden.

Standard gesetzt

Das von den Oberösterreichern entwickelte ELDA hat bislang 70.000 externe Partner im gesamten Bundesgebiet. Die OÖGKK habe damit „einen Standard definiert, der österreichweit umgesetzt wurde und wodurch vieles einfacher, aber auch sicherer wurde“, so OÖGKK-Obmann Alois Stöger in einem Statement.
ELDA, das selbstverständlich „bei den Sicherheitsstandards up to date“ sei, gilt laut Popper als E-Gouvernment schlechthin: Mit ELDA werden vier Zielgruppen erfasst: 1. Die Dienstgeber, die ELDA für An-, Ab- und Änderungsmeldung, Beitragsnachweis, Lohnzettel, Hospizkarenz, Arbeits- und Entgeltbestätigung sowie für Kranken- und Wochengeld nutzen. 2. Die Krankenanstalten, die über ELDA Aufnahmen, Entlassungen und Kostenübernahmeerklärungen abwickeln. 3. Ärzte, die ELDA für ihre Abrechnungen nutzen (im Jahr 2007 wurden 30 Millionen Behandlungsscheine mit ELDA übermittelt). Und 4. können „Sonstige Vertragspartner“ mit dem Dienst ihre Abrechnungen für Heilbehelfe, Hilfsmittel und Krankentransporte an die Sozialversicherungsträger übermitteln.
Allein im vergangenen Jahr habe man 23 Millionen elektronische Formulare von den Arbeitgebern erhalten, sagt Popper und verweist auf insgesamt weit über 70 Millionen Papierformulare, die durch das Datensammelsystem überflüssig wurden. Die Sozialversicherung gibt das jährliche Einsparpotenzial, das durch den Wegfall der papierenen Bürokratie erzielt werden kann, mit rund 49 Millionen Euro an. Trotz aller positiven Bilanz ortet Popper nach wie vor einen Aufholbedarf bei den Vertragspartnern. In Oberösterreich gebe es einen „sehr hohen EDV-Durchdringungsgrad der Vertragspartner“, andere Bundesländer seien da etwas zögerlicher.
Laut Information der OÖGKK sind aktuell 5.162 Ärzte österreichweit für ELDA angemeldet. Um das System für die Abrechnung zu nutzen, genügt eine Registrierung: Neben der Funktion (als Arzt oder ärztlicher Hilfe gleichgestellter Vertragspartner) sind die ordinationsrelevanten Kontaktdaten und der Softwarehersteller anzugeben. Software und Support sind kostenlos und es besteht die Möglichkeit, ELDA mittels Befundaustauschsystemen wie DaMe, Medicalnet oder MedWare für die Abrechnung zu nutzen.

Wer kann mit ELDA?

Aktuell akzeptieren folgende Sozialversicherungsträger Vertragspartnerabrechnungen mit ELDA: alle Gebietskrankenkassen, die Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau, die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft, die SVA der Bauern, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, alle Betriebskrankenkassen, die Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien, die Krankenfürsorgeanstalt (KFA) der Landeshauptstadt Graz und die KFA der Magistratsbeamten der Landeshauptstadt Salzburg.

Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche 19/2008

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