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Praxis 10. Oktober 2008

Xing, Brüderlein, xing!

„Xingen“ Sie schon? Oder sprechen Sie lieber persönlich mit Ihren Geschäftspartnern? Am Online-Marketing führe künftig kein Weg vorbei, behaupten manche Wirtschaftsmagazine. Die Ärzte Woche recherchierte, worauf es dabei ankommt.

„Xingen“ Sie täglich? Fühlen Sie sich bei „Facebook“ wie zuhause? Oder kennen und nutzen Sie weder das eine noch das andere? Falls dem so sein sollte, sind einige einführende Worte angebracht.
Sowohl „Xing“ als auch „Facebook“ sind große Angebote im „Web 2.0“, dem „Internet zum Mitmachen“, wie das vereinfacht dargestellt werden kann. Bei den beiden genannten Diensten handelt es sich um Plattformen für Social Networking. Das sind Seiten, auf denen nach einer Registrierung mit wenigen Mausklicks nach einem vorgegebenen Raster ein Persönlichkeitsprofil erstellt werden kann. Hier kann also zum Beispiel notiert werden, was man beruflich macht, womit man die Freizeit verbringt oder wo und wann man die Schule besucht hat. Ein Foto komplettiert das Ganze. Schon geht es an den Hauptzweck dieser Seiten: via Internet neue Menschen kennen zu lernen oder vorgestellt zu bekommen.
Bei den großen Foren www.myspace.com und www.facebook.com steht dabei das Private im Vordergrund. Bei Portalen wie www.talkbiznow.com das Geschäftliche. www.dooox.de wendet sich ausschließlich an Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Für Ärzte kostet die Nutzung 99 Euro im Jahr. Bisher hat das Portal laut eigenen Angaben rund 4.500 Mitglieder. www.linkedin.com ist weltweit die Nummer eins auf dem Markt des Business-Networking.
In Europa gilt www.xing.com als Platzhirsch unter den geschäftlichen Plattformen. Die vom Internetpionier Lars Hinrichs im November 2003 als „OpenBC“ gestartet Online-Community zählt inzwischen sechs Millionen Mitglieder in 200 Ländern. Laut dem deutschen manager magazin berappt immerhin jeder Siebte sechs Euro im Monat für die Privilegien eines Premiummitglieds. 2006 lag der Umsatz schon bei zehn Millionen Euro. Der Börsengang brachte 75 Millionen Euro. Im manager magazin heißt es deshalb: „Die Frage ,sind Sie auch bei Xing?’ ist zur Routine im Businessalltag geworden“.
Inzwischen antworten auch immer mehr Ärzte darauf mit „Ja“. Auf der Plattform finden die Xing-Mediziner verschiedenste moderierte Diskussionsgruppen zu Gesundheitsthemen vor: von Medizin im Allgemeinen mit rund 10.000 Mitgliedern über jene für Medizin-IT mit rund 5.000 Mitgliedern bis zu jener für Gesundheitsökonomie & Evidenzbasierte Medizin mit rund 40 Teilnehmern.
Mit „Praxismarketing beim Arzt und Zahnarzt“ beschäftigt sich eine von Frank Stratmann gegründete Gruppe, in der aktuell allerdings beklagt wird, dass sich die Ärzte und Zahnärzte in dieser Gruppe „eher passiv an den Diskussionen beteiligen“. Laut Stratmann, der auch Leiter und Initiator der deutschen Agentur praxistotal ist, soll die Gruppe eine Plattform sein, „auf der Ärzte und Spezialisten in einer geeigneten Weise zusammengebracht werden“. Sie böte aber auch Diskussionsstoff und zwar durch Themen wie: „Mindestlohn für die Zahnarzthelferin“ oder: „Die männliche Arzthelferin – geht das?“.

Kontakte und Selbstdarstellung

Ein Nutzen von Plattformen wie Xing für Ärzte kann darin bestehen, sich mit Medizinern mit ähnlichen Aufgaben oder Problemen online auszutauschen oder auch Fragen an Experten zu richten. Geschäftliche Vorteile können sich auch ergeben, falls andere Mitglieder via Plattform nach einem Spezialisten für einen bestimmten Bereich suchen .
Die Rolle der Business-Portale für den Jobmarkt ist nicht zu unterschätzen. Laut Wirtschaftsmagazinen nutzen die Personalisten der großen Unternehmen Social Networking Portale zwar nur selten für die Primärrecherche nach geeigneten Jobkandidaten. Für zusätzliche Informationen über Stellenbewerber werden soziale, private oder geschäftliche Profile aus dem Internet dann aber fast immer abgefragt.
Hintergrund der Online-Networking-Idee ist übrigens eine Tatsache, die aus dem realen sozialen Leben bekannt ist: Über vier oder fünf „Ecken“ ist jeder mit jedem bekannt. Beim Business-Netzwerken via Internet kann das bedeuten, dass die Fachkraft für Raumpflege auf einem Webportal nur fünf Mausklicks vom CEO ihres Unternehmens entfernt ist oder der Krankenkassendirektor über drei Kontakte mit dem Medizinstudenten „verknüpft“ ist.
Wer wüsste dies besser als der Autor dieser Zeilen? Dank der Einladung eines Medizinredakteurs darf er sich seit Kurzem auch Mitglied einer Geschäftsplattform nennen, kann aber aus Zeitmangel bislang erst sieben Kontakte angeben. Die Zahl der „Kontakte von Kontakten“ beträgt aber selbst auf dieser kargen Basis bereits stolze 1.100, jene der Kontakte 3. Grades gar 144.000. Deshalb lesen Sie hier eine Anmerkung in eigener Sache: Falls Sie Zeit haben sollten, schreiben Sie mir doch online. Ich schreibe zurück. Verlässlich… wenn es sich zeitlich ausgehen wird …

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 41/2008

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