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Praxis 28. Mai 2008

Erfahrungen mit Aut idem

Während hier zu Lande Ärzte, Patienten und Pharmaindustrie der geplanten Aut-idem-Regelung wenig Gegenliebe entgegenbringen, geht in Deutschland die Diskussion bereits sehr viel weiter. Auch beim nördlichen Nachbarn stößt die Verschreibweise nicht nur auf Zustimmung.

82 Prozent der Österreicher lehnen die Aut-idem-Regelung ab. Lediglich zwölf Prozent sind dafür, geht aus einer Umfrage hervor, die OGM für die ORF-Sendung Report durchgeführt hat. Anderer Ansicht ist der Sprecher der Patientenanwälte Dr. Gerald Bachinger. Er sei mit den vorgesehenen Schutzmechanismen zufrieden und befürchte keinerlei Gefahr für die Patienten wie etwa Zweiklassenmedizin oder minderwertige Medikamente.
In Deutschland, wo seit einem Jahr neben der Aut-idem-Verschreibweise auch Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen gelten, gibt es nun erste Untersungen zum Einsparpotenzial und zu möglichen Unsicherheiten. Deutsche Ärzte können nur durch einen expliziten Ausschluss – durch Ankreuzen eines sogenannten Aut-idem-Kästchens auf dem Rezept – verhindern, dass ihr Patient vom Apotheker ein wirkstoffgleiches, aber billigeres Medikament bekommt. Ungefähr zehn Prozent, so die deutsche Ärzte Zeitung/ApothekerPlus, nehmen diese Möglichkeit in Anspruch.
Zwar sagen die Apotheker, dass sich die Patienten mittlerweile daran gewöhnt hätten, ein anderes als das vom Arzt verordnete Medikament zu bekommen. Doch „ich bin überzeugt, dass hier eine Regelung geschaffen wurde, die sich volkswirtschaftlich durch die deutlich schlechtere Compliance unterm Strich nicht rechnet“, beklagt etwa der Apotheker Heiko Leuschner aus Oberhaching in dem Blatt. Und der Internist Dr. Thomas Lessmann aus Wilhelmshaven sagt: „Die allermeisten Patienten fühlen sich subjektiv mit den Rabattprodukten nachhaltig schlechter behandelt. Auch gab es Dutzende Anrufe von entnervten Apothekern.“
Im April dieses Jahres hat die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft zum Aut-idem-Prinzip Stellung genommen. Es sei, so die Gesellschaft, problematisch und wissenschaftlich anfechtbar, dass Salze, Isomere und Derivate eines Wirkstoffs so lange als gleich anzusehen seien, als kein therapeutisch relevanter Unterschied nachgewiesen sei. Es gebe auch viele Beispiele, dass sich unter einer gleichen Arzneiform, etwa Tabletten, höchst unterschiedliche Systeme befinden können, zum Beispiel konventionelle Retardformen mit Matrixfreisetzung ebenso wie moderne orale osmotische Systeme mit unterschiedlichem Freisetzungsverhalten. Die Regelung bewirke auch, dass normale und Dispensiertabletten ebenso wie magensaftresistent überzogene Tabletten bei Diclofenac als austauschbar deklariert würden.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 22/2008

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