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Praxis 5. Juli 2007

Folge 19: Schwangerschaftsabbruch

Die Frage
„Bei uns werden immer wieder knapp vor der Geburt bei lebensfähigen Kindern schwere kindliche Fehlbildungen erkannt. Wir selbst machen in diesen Fällen keinen Schwangerschaftsabbruch (nur möglich über intracardiale Applikation etwa von Fibrin oder KCl). Sind wir im Rahmen unserer Aufklärung verpflichtet, die Patientin darauf hinzuweisen, dass prinzipiell bei dieser Konstellation der Schwangerschaftsabbruch (§ 97, Strafgesetzbuch) noch straffrei ist (und sie damit die Möglichkeit bekommt, sich eine derartige Institution zu suchen)? Frage 2: Wie schaut es mit der Haftung für Ferndiagnosen aus? Fernüberwachung, Fernversorgung: Kann ich mich auf Daten verlassen, wenn Patient sie selbst eingibt? Frage 3: Wann endet eine medizinische Behandlung? Mit Abgabe des Rezeptes (Was ist, wenn Patient das Medikament nicht einnimmt?) oder mit Ausstellung einer Spitalseinweisung (Wenn der Patient möglicherweise nicht ins Spital will und möglicherweise auch nicht geht?)? Frage 4: Der ÖFB hält es nicht für notwendig, echte sportmedizinische Untersuchungen bei Fußball spielenden Kindern durchführen zu lassen. Ein Hausarzt soll jedoch die Untersuchung samt einer einfachen Bestätigung durchführen. So kann es passieren, dass im Nachhinein Erkrankungen diagnostiziert werden, die bei ordentlicher sportmedizinischer Untersuchung vorher hätten erkannt werden können. Haftet der Hausarzt und falls ja, wie kann er etwa durch geschickte Begleitschreiben einem Haftungsrisiko ausweichen?“

Die Antwort
„Die Frage eins kann schnell mit ja beantwortet werden. Die Patientin muss über die Möglichkeit aufgeklärt werden, auch wenn der Eingriff nicht vor Ort durchgeführt werden kann. Frage 2: Das Ärztegesetz verpflichtet zur persönlichen und unmittelbaren Berufsausübung, daher hat eine Fernbehandlung grundsätzlich zu unterbleiben. Nicht davon erfasst sind Ratschläge und Anleitungen, vor allem bei Patienten, die dem Arzt schon bekannt sind. Es besteht daher auf jeden Fall ein erhöhtes Ausmaß an Sorgfaltspflicht, es muss dafür Sorge getragen werden, dass die Beratungstätigkeit nicht zu einem Nachteil des Patienten führt. Frage 3: Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten besteht, und daher sind auch unvernünftige Entscheidungen des Patienten zu akzeptieren. Wer jedoch die Befürchtung hat, dass der Patient trotz Rat das Medikament nicht einnimmt oder nicht ins Spital geht, sollte sich das notieren und damit dokumentieren, dass die Aufklärung durchgeführt wurde. Frage 4: Als Arzt muss man seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und daher ist in diesem Fall anzuraten, sich des Restrisikos bewusst zu sein und das auch schriftlich anzumerken und dem Untersuchten mitzuteilen.“

Dr. Karin Prutsch, Ärzte Woche 27/2007

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