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Praxis 14. Juni 2007

Ein faires Geschäft für beide Seiten

Der steigende Kostendruck veranlasst immer mehr Ärzte, vor allem Abseits der Kassenverträge Kooperationen einzugehen. Die „Untervermietung“ ist hierbei mit Abstand die beliebteste Form von Zusammenarbeit.

Kassenärzte verspüren immer größer werdenden wirtschaftlichen Druck. Wahlärzte mit größtenteils Teilzeitniederlassungen strömen auf den Markt. Bestehende Ordinationen werden als Einzelkämpferstätten mit viel Geld auf gutem Standard gehalten. Das bedeutet optimalen Nährboden für ärztliche Kooperationsmodelle. Modelle, bei denen mehrere Ärzte gemeinsam eine vorhandene Infrastruktur nutzen und somit eine deutlich bessere Auslastung der Infrastruktur erreichen.
Laut Auskunft der MEDTAX-Steuerberater sind schlanke Kooperationsmodelle mit großem Abstand am beliebtesten. Etwa „Untervermietungen“, bei denen sich ein oder mehrere (üblicherweise) Wahlärzte in bereits vorhandenen Wahlarzt- oder Kassenordina­tionen einmieten. Sind sich die Partner „fachlich“ einig, geht es natürlich ums Geld. Wie kommt man dabei am besten zu einem für beide Seiten akzeptablen Preis?
Betrachten wir einmal ein Beispiel: Ein Arzt hat eine Ordination mit 120 qm Größe und zwei Behandlungsräumen. Die Jahresmiete beträgt 12.000 Euro plus Betriebskosten von ungefähr 2.000 Euro. Die Einrichtung ohne Geräte hat 100.000 Euro gekostet, die jährliche Abschreibung beträgt daher 10.000 Euro. In Summe fallen in dieser Ordination also Fixkosten von 24.000 Euro pro Jahr an.

Verwaltungskostenaufschlag

Realistisch betrachtet lassen sich die Räumlichkeiten im normalen Alleinbetrieb in 42 Wochen pro Jahr für fünf Tage zu fünf Stunden benutzen. Das sind etwa 1.000 Stunden, somit beträgt der Stundensatz 24 Euro für beide Räume. Will dieser Arzt beispielsweise an einen anderen Arzt einen Raum stundenweise vermieten, rechnet sich das streng genommen ab einer Miete von zwölf Euro pro Stunde, eine runde Summe von 15 bis 20 Euro inklusive „Verwaltungsaufschlag“ ist in diesem Falle also gerechtfertigt.

Rabatte sind möglich

In der Praxis setzt sich allerdings durch, wenn möglich nicht nur stundenweise zu vermieten, sondern beispielsweise in Form von „Blocks“. Ein „Block“ stellt die Nutzungsmöglichkeit für einen Halbtag pro Woche dar. Als Miete für so einen Block kommen bei unserem Beispiel für die ganze Ordination etwa 400 Euro rein rechnerisch heraus, also der Stundensatz mal vier Stunden mal 4,2 Wochen im durchschnittlichen Monat. Natürlich lässt sich auch ein Rabattsystem einbauen. Wer beispielsweise zwei Blocks mietet, könnte rund fünf Prozent Rabatt bekommen und damit 750 Euro bezahlen. Wenn man bei fünf Blocks 20 Prozent Rabatt kalkuliert, kommt man auf eine Monatsmiete von 1.600 Euro für die ganze Ordination, was einem Stundensatz von knapp 19 Euro entspricht.
Diese Kalkulation belegt, dass bei entsprechender Vertragsgestaltung für alle Partner in Kooperationsmodellen ein wirtschaftlicher Vorteil herausschauen kann. Bei vorliegenden Beispielen wird eine Ordination besser ausgelastet, jede Stunde zusätzlicher Betrieb bringt Geld in die Kasse des Besitzers, ohne dass höhere Kosten entstehen. Umgekehrt kann sich der Mieter zu einem Preis in bestehende Strukturen einmieten, die er auf eigene Faust niemals hätte erreichen können. Eine optimale Basis für eine dauerhafte Partnerschaft also.
Die Berechnungen enthalten allerdings nicht die Nutzung von Geräten, das müsste selbstverständlich zusätzlich berechnet werden. Natürlich sind dabei ähnliche Synergien möglich. Auch anteilige Personalnutzung, beispielsweise durch Rezeptions- oder Telefontätigkeit, sind hier nicht erfasst.

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