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Praxis 14. Juni 2007

Bei Kreditwechsel ist einiges zu beachten

Es kann eine Reihe von Gründen geben, die einen Arzt dazu veranlassen, seine Bankverbindung zu überdenken. Natürlich gibt es auch Ursachen, warum ein Wechsel von Seiten der Bank hinausgezögert wird.

„Gründe für einen beabsichtigten Wechsel können Fehler sein, die im täglichen Arbeitsablauf wie zum Beispiel bei Überweisungen und Kontoabschlüssen auftreten, Zinssenkungen, die verspätet oder gar nicht weitergegeben werden oder Informationen von Kollegen über bessere Konditionen bei anderen Instituten“, sagt Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz. Gründe für das Hinauszögern einer Umschuldung sind sicherlich einerseits die Bequemlichkeit und andererseits die Unsicherheit über die Vorgehensweise. „Man wechselt nun mal sein Lebensmittelgeschäft leichter als seine Bank“, so Triller.
Trotzdem ist es nun manchmal aus wirtschaftlichen Gründen durchaus sinnvoll, sich nach besseren Konditionen umzusehen. Wer sich jedoch mit einer Umschuldung befasst, sollte einige Tipps beherzigen, damit er nicht vom Regen in die Traufe kommt. „Das erste auftauchende Problem ist oft der schwer zu findende Kreditvertrag“, so Triller. Diese Dokumente verschwinden oft in den vielen Unterlagen, ohne jemals wieder aufzutauchen. Triller weiß, dass diese zumeist nie in dem dafür extra angelegten Ordner abgelegt sind, sondern sich oft in einer Schublade eines Schreibtisches befinden, den man schon seit Jahren aufräumen wollte.

Unterlagen genau sichten

Wenn man die Kreditunterlagen sichtet, sollte man bedenken, dass die Konditionen des ursprünglichen Kreditvertrags möglicherweise nicht mehr gültig sind. „Es kann eine Reihe von Änderungen gegeben haben, beispielsweise Zinssenkungen oder Zinserhöhungen.“ Sogar Änderungen von Sicherheiten können sich im Nachhinein ergeben haben. „Diese wird man nicht schriftlich in Händen halten, da laut Konsumentenschutzgesetz bei einer Zinssatzänderung ein Freiberufler nicht schriftlich informiert werden muss“, so Triller.
Man sollte jedoch versuchen, einige Punkte des Kreditvertrages zu klären. So muss ermittelt werden, wie hoch die ursprüngliche Kreditsumme war und wie lange die vereinbarte Laufzeit des Kredites ist. Der ursprüngliche Zinssatz muss ermittelt werden, ebenso die Regelung der Zinsen. Erst wenn man all diese Punkte beantworten kann, macht es Sinn, Angebote von anderen Banken einzuholen. Die Höhe des noch aushaftenden Saldos und die Entwicklung eines eventuell vorhandenen Tilgungsträgers sind allerdings aus dem Kreditvertrag nicht zu ersehen.
Nachdem die Eckdaten des bestehenden Kredits erfasst wurden und in aktualisierter Form vorliegen, kann der nächste Schritt einer Umschuldung beginnen: die Offerteinholung bei verschiedenen Bankinstituten. „Die Höhe des angebotenen Zinssatzes ist zwar wichtig, allerdings nicht allein ausschlaggebend für die gesamten Kreditkosten. Es fallen eine ganze Reihe von Spesen an, die unter Umständen einen Kredit trotz eines vermeintlich günstigen Zinssatzes ganz erheblich verteuern können.“
Dabei gibt es laut Triller durchaus verhandelbare Spesen, aber auch Spesen, bei denen kein Spielraum besteht. Der Kunde sollte jedenfalls von der anbietenden Bank eine exakte und vollständige Spesenauflistung verlangen, wobei eine exakte Kontrolle auch von Fachleuten oft als schwierig empfunden wird. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Frage nach den Sicherheiten. „Hier sollte man hellhörig werden, wenn die neue Bank nach bestehenden Bürgschaften des Partners bei der alten Bank fragt. „Auch die Frage nach Pfandrechtseintragungen wird sehr gerne gestellt.“ Dass allerdings auch eine neue Bank die Bonität prüfen muss, wird keinem erspart bleiben.

Gebührenfreie Umschuldung

Jeder neu abgeschlossene Kreditvertrag muss zunächst einmal vergebührt werden. Diese Vertragsgebühr beträgt 0,8 Prozent des Kreditbetrages. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit einer gebührenfreien Umschuldung. „Unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich wenn Laufzeit und Kreditnehmer identisch sind, kann das übernehmende Kredit­institut den Kreditvertrag ohne Vertragsgebühr ausstellen“, so Triller. Es zeigt sich allerdings oft, dass die Belastung durch den alten Kredit zu Liquiditätsproblemen geführt hat. Bei einer Umschuldung hat man die Möglichkeit, beispielsweise durch eine Laufzeitverlängerung des Kredites die Liquiditätssituation der Ordination zu verbessern. In diesem Fall wird allerdings die Kreditgebühr zwingend fällig.
Wenn man sich endgültig entschieden hat, sollte man auch wissen, welche Kosten durch die Kündigung bei der „alten“ Bank eventuell entstehen könnten. Eine Umschuldung lohnt sich nämlich nur, wenn sich die Zinsen- und Spesenersparnis samt den anderen Kosten, hochgerechnet auf die Restlaufzeit des Kredites mit den Kosten des Altkredites, zumindest die Waage halten.

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