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Praxis 14. Juni 2007

Informationen über Arzneimittel haben wahrheitsgetreu zu sein

Für die Werbung mit den Ergebnissen von Arzneimittelstudien gilt ein besonderer Sorgfaltsmaßstab. Dies verdeutlicht der Rechtsstreit um Werbevergleiche zwischen den Alzheimermedikamenten ARICEPT und EXELON, bei dem zwischen Haupt- und Nebenaussage einer Studie unterschieden wurde.

Der Hersteller von Exelon® warb mit der Aussage: „Die EXCEED-Studie zeigt eine statistisch signifikante Überlegenheit von täglich zwei Kapseln Exelon® im Vergleich zu einer Tablette Donepezil bezüglich der Erhaltung der Alltagskompetenz und ein statistisch signifikant besseres Ergebnis im klinischen Gesamturteil“ und ergänzte seine Werbeeinschaltung in einer Fachzeitschrift mit dem Slogan: „Zwei wirken besser als eine!“.
„Der Oberste Gerichtshof beurteilte diese Werbung grundsätzlich als vergleichende Werbung“, so der Wiener Rechtsanwalt Mag. Ralph Kilches. „Dass nur der Wirkstoff im Arzneimittel der Klägerin im Werbetext angeführt wird, sei unbeachtlich.“ Die Werbeaussage war auch wahr, sie fand sich in den sekundären Endpunkten der Studie. „Allerdings waren die angeführten Kriterien, Alltagskompetenz‘ und ‚klinisches Gesamturteil‘ nicht primäres Ziel der Studie.“
Das Hauptziel war die Erforschung des Einflusses der beiden Arzneimittel auf die geistige Leistungsfähigkeit des Patienten. Gerade in diesen Punkten konnte die Studie keinen Unterschied in den Wirkungen der beiden Arzneimittel erkennen. Das verschweigt die Beklagte. „Sie führt weder das primäre Studienziel noch das Hauptergebnis der Studie an und wirbt ausschließlich mit den für sie günstigen Teilergebnissen.“ Dies ist irreführend, auch bei Fachwerbung, weil damit der Eindruck entsteht, dass das Produkt der Beklagten signifikant besser sei.

Objektive Werbung

Gemäß Arzneimittelgesetz muss die Werbung für Arzneimittel objektiv und ohne Übertreibungen erfolgen. „Information, die im Rahmen der Verkaufsförderung an die zur Verschreibung berechtigten Personen abgegeben werden, müssen genau, aktuell, überprüfbar und vollständig genug sein, um dem Empfänger die Möglichkeit zu geben, sich ein persönliches Bild vom therapeutischen Wert eines Arzneimittels zu verschaffen“, sagt Kilches.
Wird auf Fachliteratur Bezug genommen, muss deren wesentlicher Inhalt samt Quellenangabe wiedergegeben werden. Nach den allgemeinen Grundsätzen des Verhaltenskodex der Pharmig ist auch speziell darauf zu achten, dass die Information und die Angaben über Arzneimittel wahrheitsgetreu und weder durch Verdrehung, unangemessene Betonung, Auslassung noch in anderer Weise irreführend sind.
„Es reicht, wenn Werbung mehrdeutig ist, dann muss der Werbende die ungünstigste Auslegung gegen sich gelten lassen. Insoweit war die Werbung rechtswidrig. Der Slogan ,Zwei wirken besser als eine‘ stellt hingegen nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs auch im Zusammenhang mit der bildlichen Darstellung des beworbenen Medikamentes noch keinen Bezug her und bedeutet keine Behauptung einer allgemeinen Spitzenstellung gegenüber dem Präparat der Klägerin.“

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