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Praxis 5. Juni 2007

Folge 15: Möglicher Schutz vor Schadensersatzansprüche des Patienten

Frage: „Wer haftet im vorliegenden Fall? Ein Primar ordnet beim Patienten die OP-Technik A an. Der Oberarzt, der die Operation ausführen soll, meint, die OP-Technik B sei besser, außerdem beherrsche er Operationstechnik A nicht so gut. Primar beharrt auf OP-Technik A und befiehlt diese dem Oberarzt. Es kommt zu Komplikationen.
Frage 2: Wie kann sich ein Arzt vor der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen schützen?“

Antwort von Dr. Karin Prutsch, Rechtsanwältin aus Graz

„Der Arzt ist verpflichtet, nach dem Stand der Wissenschaft den Patienten zu behandeln. Ein Verstoß gegen die Regeln der medizinischen Kunst liegt vor, wenn die gewählte Maßnahme hinter dem in Fachkreisen anerkannten Standard zurückbleibt. Man handelt solange nicht fahrlässig, solange die gewählte Behandlungsmethode einer Praxis entspricht, die von angesehenen mit dieser Methode vertrauten Medizinern anerkannt ist, selbst wenn ebenfalls kompetente Kollegen eine andere Methode präferiert hätten. Eine Behandlungsmethode ist demnach so lange fachgerecht, wie sie von einer anerkannten medizinischen Schule vertreten wird. Der Patient ist jedenfalls über die verschiedenen Operationsmethoden aufzuklären. Im konkreten Fall ist dem behandelnden Oberarzt ein Vorwurf zu machen, wenn er unter dem üblichen Standard behandelt, hier liegt sozusagen ein Behandlungsfehler vor. Andererseits haben Krankenanstaltenträger dafür Sorge zu tragen, dass Patienten nach den Grundsätzen und anerkannten Methoden der medizinischen Wissenschaft behandelt werden. Den Krankenanstaltenträger trifft damit eine Organisationsverpflichtung, sowohl auf personeller wie auf apparativer Ebene für eine Behandlung entsprechend dem Stand der medizinischen Wissenschaft zu sorgen. Der Patient hat auf Grund des Behandlungsvertrages Anspruch auf Anwendung der nach dem Stand der Wissenschaft zu fordernden sichersten Maßnahmen zur möglichen Ausschaltung oder Einschränkung bekannter Risiken oder Gefahren. Deswegen trifft den Arzt eine Pflicht zur ständigen Fort- und Weiterbildung und er haftet für den zumutbaren Kenntnisgrad. Frage 2: Eine Aufklärung lege artis und ordnungsgemäß umfasst Diagnose, Behandlungsmaßnahme, Risiken/Komplikationen, Behandlungsalternativen, Erfolgsaussichten und Verhaltensmaßnahmen. Es sollten daher alle Behandlungsschritte und auch die erfolgte Aufklärung dokumentiert werden. Bei Verwendung von Aufklärungsformularen sollten diese hinreichend individualisiert sein.“n

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Dr. Karin Prutsch, Ärzte Woche 23/2007

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