zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 5. Juni 2007

Wenn der Nachwuchs in den Ferien jobbt

So löblich es ist, wenn die Sprösslinge in den wohlverdienten Ferien sich nicht nur ausruhen, sondern auch ein paar Euro dazu verdienen wollen, so unangenehm kann es werden, wenn die Modalitäten nicht beachtet werden. Speziell arbeitsrechtliche Bestimmungen, Sozialversicherung, Steuern und Familienbeihilfe machen immer wieder Probleme.

„In erster Linie ist darauf zu achten, dass hinter dem Etikett Ferialjob höchst unterschiedliche Ausprägungen zum Vorschein kommen können, die unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene grundlegende Mödalitäten haben“, betont Horst Jünger, Steuerberater der MEDTAX-Gruppe aus Innsbruck. Ferialjob ist also nicht gleich Ferialjob, vielmehr gibt es davon drei Arten, die auch völlig unterschiedliche Rechte und Pflichten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit sich bringen.
„Echte Ferialpraktikanten“ sind beispielsweise Schüler oder Studenten, die ein vorgeschriebenes oder übliches Praktikum absolvieren. Für echte Ferialpraktikanten steht der Lern- und Ausbildungszweck im Vordergrund. „Es besteht keine Arbeitspflicht und keine Bindung an Arbeitszeiten, Arbeitsort und Arbeitsanweisungen“, so Jünger. Ein echter Ferialpraktikant ist somit kein Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Sinn und unterliegt daher nicht den arbeitsrechtlichen Gesetzen und Kollektivverträgen.
Es gebührt ihm auch keine Sonderzahlung und kein Urlaub. In der Regel erhält ein echter Ferialpraktikant nur ein Taschengeld, das frei vereinbart werden kann und üblicherweise unter dem Lohn eines normalen Arbeitnehmers liegt. „Liegt das vereinbarte Taschengeld unter der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze von derzeit 341 Euro, dann ist der echte Ferialpraktikant in der gesetzlichen Sozialversicherung nur unfallversichert.“ Ist das Taschengeld höher, dann besteht Vollversicherung in der Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung.

Weisungsgebundenheit

Der häufigste und üblichste Fall ist laut Jünger sicherlich beim „Ferialarbeitnehmer“ zu finden. Hierbei handelt es sich um Schüler und Studenten, die in den Ferien arbeiten, um etwas Geld zu verdienen. „Ferialarbeitnehmer sind immer in einem Dienstverhältnis tätig, da für sie die persönliche Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsort und arbeitsbezogenes Verhalten gilt.“ Es besteht hierbei ein Anspruch auf zumindest kollektivvertragliche Entlohnung, anteiliges Weihnachts- und Urlaubsgeld (wenn der maßgebliche Kollektivvertrag das vorsieht), Urlaub beziehungsweise die geldmäßige Abfindung dafür sowie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Dauert das Ferialarbeitsverhältnis länger als ein Monat, besteht Anspruch auf Abfertigung-Neu und die Ausstellung eines Dienstzettels. „In der Sozialversicherung sind Ferialarbeitnehmer wie alle anderen normalen Dienstnehmer zu behandeln.“
Bei „Volontären“ handelt es sich um Personen (also nicht nur Schüler oder Studenten), die sich ausschließlich zum Zweck der Erweiterung und Anwendung von Kenntnissen sowie zum Erwerb von Fertigkeiten für die Praxis ohne Arbeitspflicht und ohne Entgeltanspruch in Betrieben betätigen. „Die Tätigkeit eines Volontärs ist durch Schul- oder Studienbestimmungen nicht vorgeschrieben und auch nicht allgemein üblich“, so Jünger. Volontäre sind daher nur unfallversichert und müssen nicht bei der Gebietskrankenkasse, sondern bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt angemeldet werden.
Steuerlich werden alle drei Gruppen als Arbeitnehmer behandelt. Somit muss der Beschäftigerbetrieb die Lohnsteuer einbehalten. Diese fällt in der Regel ab einem Monatsbruttolohn von 1.127 Euro an. „Ein Lohnkonto muss selbstverständlich geführt und ein Lohnzettel muss ausgestellt werden.“ Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres kann man laut Jünger auch unbegrenzt dazuverdienen, ohne dass die Beschäftigung zum Verlust der Familienbeihilfe führt. „Ab 18 Jahren kann es jedoch brenzlig werden.“ Für den Bezug der Familienbeihilfe darf das zu versteuernde Gesamteinkommen dann nämlich den Betrag von 8.725 Euro pro Jahr nicht überschreiten. Passiert dies doch, ist die Familienbeihilfe für das gesamte betreffende Kalenderjahr verloren. Jünger warnt: „Es erfolgt im Nachhinein eine Rückforderung durch das Finanzamt.“

Unschädliche Einkünfte

Die gute Nachricht jedoch dazu: Bestimmte Einkünfte bleiben dabei unschädlich und werden bei der Ermittlung obiger Einkommensgrenze nicht mitgerechnet. Dazu gehören beispielsweise Entschädigungen aus einem anerkannten Lehrverhältnis, Waisenpensionen und Waisenversorgungsgenüsse sowie Beihilfen nach dem Studienförderungs- und dem Schülerbeihilfengesetz, Arbeitslosengeld, Wochengeld oder Kinderbetreuungsgeld.

Vorsicht Studienbeihilfe

Bis zu einem Höchstbetrag der Jahreseinkünfte von im Regelfall 7.195 Euro hat ein Zuverdienst auch keine Auswirkungen auf die Studienbeihilfe. „Wird dieser Höchstbetrag jedoch überschritten, dann ruht im jeweiligen Kalenderjahr der Anspruch auf Studienbeihilfe im Ausmaß der Überschreitung.“ Jünger empfiehlt jedenfalls allen Ärzten, die Auswirkungen der Ferialjobs der Kinder im Vorfeld vom Steuerberater durchrechnen zu lassen.
Wichtig ist, bereits bei der Bewerbung die Art des Ferialjobs klarzustellen. „Besonders die Höhe der zustehenden Bezüge ist bei den drei verschiedenen Arten sehr unterschiedlich geregelt. Der Nachwuchs sollte auch unbedingt eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt beantragen. Dies bringt in den meisten Fällen bares Geld.“

 Rechnungshof prüft Arbeitnehmerveranlagung

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben