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Praxis 5. Juni 2007

Verkaufstätigkeit im Familienverbund

Immer häufiger kommt es vor, dass in der Ordination nicht nur ärztliche Leistungen erbracht, sondern auch zusätzlich Produkte verkauft werden. In den vergangenen Ausgaben haben wir über die Kalkulation sowie die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen von Produktverkauf in Ordinationen berichtet. Da sich diese Artikel aber auch beim Arzt nicht von alleine verkaufen, kann es sinnvoll sein, diese Verkaufstätigkeit dem Ehepartner zu übertragen.

„Wird der Ehepartner in die gewerbliche Tätigkeit, also in den Verkauf von Produkten mit einbezogen, kann dies für den Arzt mehrere Vorteile bringen“, sagt Dr. Gottfried Scholler, MEDTAX-Steuerberater aus Wien. „Einerseits wird die Verkaufstätigkeit wahrscheinlich mit mehr Enthusiasmus erledigt als von einer Ordinationshilfe, die den Verkauf nur als Zusatzaufgabe zu ihrer normalen Tätigkeit sieht.“ Hier ist leider oft zu beobachten, dass ohne finanziellen Anreiz wie etwa einer Umsatzbeteiligung oder Ähnlichem keine große Verkaufsmotivation an den Tag gelegt wird.
Es besteht für den Arzt die Möglichkeit, seinen Partner im Rahmen eines Dienstverhältnisses zu beschäftigen und ein für die Finanzverwaltung glaubhaftes Aufgabengebiet präsentieren zu können. „Im Rahmen von Betriebsprüfungen muss nämlich immer wieder nachgewiesen werden, ob das Dienstverhältnis des Ehegatten nicht nur auf dem Papier und für Zwecke der Steuerersparnis existiert.“ Daher empfiehlt Scholler, eine schriftliche Arbeitsplatzbeschreibung, in der das Aufgabegebiet des Partners grob definiert wird, anzufertigen sowie einen genauen Tätigkeitsbericht über die verrichtete Arbeit zu verfassen.

Steuerliches Optimalgehalt

Die Gehaltsaufwendungen sowie die Lohnnebenkosten mindern den steuerpflichtigen Gewinn des Arztes, und der Ehepartner ist, sofern eine Anmeldung über der Geringfügigkeitsgrenze erfolgt, dann auch kranken-, pensions- und unfallversichert. „Die Höhe des Gehalts muss einem Fremdvergleich standhalten, um bei einer Prüfung durch die Finanz auch anerkannt zu werden“, so Scholler. Das bedeutet, dass die Entlohnung dem durchschnittlichen Gehaltsniveau anderer Ordinationshilfen in der eigenen Ordination oder in vergleichbaren fremden Ordinationen entsprechen muss. Eine eventuell höhere Entlohnung kann sich durch eine höhere Qualifikation, durch ein höheres Ausbildungsniveau, durch einen größeren Aufgabenbereich oder ganz einfach durch längere Arbeitszeiten ergeben.
Das steuerlich optimale Gehalt liegt unter den Prämissen, dass sich der Arzt in der höchsten Steuerprogression befindet und der Partner sonst keine Einkünfte hat, bei einem Bruttogehalt von etwa 1.100 Euro pro Monat. „Nachdem der Partner durch die Anstellung auch Pensionszeiten erwirbt und Pensionsbeiträge einzahlt, kann unter Umständen im Einzelfall auch eine höhere Anstellung durchaus Sinn machen. „Der absolute Höchstbetrag für eine sinnvolle Anstellung von Ehepartnern in der Ordination ist theoretisch mit der Höchstbemessungsgrundlage für die Sozialversicherung gegeben, die im Jahr 2007 3.840 Euro pro Monat ausmacht.“

Gründungsunterstützung

Man darf laut Scholler auch nicht außer Acht lassen, dass der Produktverkauf sowohl einem jungen Wahlarzt in den Gründungsjahren helfen kann, fehlende ärztliche Einnahmen zu kompensieren, als auch dem etablierten Wahlarzt oder Kassenarzt, ein interessantes Zusatzeinkommen zu lukrieren.

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