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Praxis 22. Mai 2007

Die Wahl zwischen verschiedenen Risiken

Die am Markt angebotenen Varianten von Kreditfinanzierungen stellen sich äußerst vielschichtig dar. Eine für jede Situation universell anwendbare Patent­lösung existiert nicht. Eines ist jedoch bei allen Krediten gleich, wird aber sehr gerne in den Hintergrund gedrängt: Selbst der günstigste Kredit muss irgendwann einmal zurückgezahlt werden.

„Ärzte sind Individualisten und daher gleicht trotz deren Anzahl keine einzige Kreditsituation einer anderen“, weiß Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes. Daher gibt es bei Finanzierungen auch keine Patentlösung, die den Ärzten quasi von der Stange als Ideallösung angeboten werden kann. „Jede Finanzierung muss auf die jeweiligen persönlichen Gegebenheiten wie finanzielles und privates Umfeld sowie persönliche Risikobereitschaft abgestimmt werden.“
Neben immer wieder auftauchenden „Nischenprodukten“ mit teilweise undurchschaubaren und auch fraglichen steuerlichen Tricks sind die Varianten „Ratenkredit“ und „Endfälliger Kredit“ nach wie vor die beliebtesten Arten von betrieblicher und privater Kreditfinanzierung bei Ärzten. Triller erläutert die Unterschiede: „Beim Ratenkredit wird der Kredit in laufenden, meist monatlich zu zahlenden Raten bedient, wobei diese Rate jeweils einen Zinsanteil und einen Kapitalanteil beinhaltet.“
Dabei nimmt das Kreditvolumen ständig ab, allerdings mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. „Je länger man tilgt, desto geringer wird der Zinsanteil und der Kapitalanteil steigt, natürlich bei immer gleicher Rate. Das sorgt für einen bogenähnlichen Verlauf der Kreditrestschuld und zur Tatsache, dass beispielsweise nach der halben Finanzierungsdauer noch deutlich mehr als die Hälfte des Ursprungsbetrags aushaftet. „Dafür steigt in der zweiten Hälfte der Kreditlaufzeit die Geschwindigkeit der Rückzahlung rapide an.“
Bei einer endfälligen Variante wird hingegen während der gesamten Laufzeit nur der Zinsanteil bezahlt. Das aufgenommene Kreditvolumen bleibt immer in gleicher Höhe aushaftend und wird am Ende der Laufzeit im ganzen Volumen zurückgezahlt. „Diese Variante erfordert nun natürlich, dass man neben der monatlichen Zinszahlung eine laufende Einzahlung in eine Sparform (Tilgungsträger) tätigt, um am Ende der Laufzeit das erforderliche Kapital auch tatsächlich zur Verfügung zu haben.“

Vielschichtige Gedanken bei Aufnahme notwendig

Aus dieser oberflächlichen Sicht wird aber nun schon klar, mit welchen vielschichtigen Gedanken man sich bei einer Kreditaufnahme auseinandersetzen muss. So ist es auf den ersten Blick nicht sinnvoll, einen Kredit etwa in Euro endfällig aufzunehmen und womöglich für die Sparform geringere Zinsen zu erhalten als für die Kreditzinsen bezahlt werden. Dass die Endfälligkeit unter Umständen etwa bei betrieblichen Krediten doch Sinn macht, liegt einerseits an der bestehenden steuerlichen Situation der Absetzbarkeit von betrieblichen Zinsen und Nichtabsetzbarkeit von (betrieblichen) Tilgungen, andererseits aber auch an der Möglichkeit, durch zusätzliche „Feinheiten“ weitere Vorteile erzielen zu können.
Aus diesem Grunde werden gerade endfällige Finanzierungen oft in Fremdwährungen wie dem Schweizer Franken aufgenommen, da diese Währungen im Vergleich zum Euro oft ein wesentlich geringeres Zinsniveau aufweisen. Was so toll klingt, hat natürlich einen Haken und daher sind in letzter Zeit die Banken nicht mehr so glücklich über diese Art der Finanzierung in einigen Währungen. Bei Aufnahme des Kredites wird der Betrag nämlich in die jeweilige Währung umgetauscht. Das bedeutet, dass das Kreditkonto auch den Betrag in dieser Währung ausweist.

Kursänderung ohne Warnung

Dem Betrag in Fremdwährung liegt ein Tageskurs zugrunde, der einen im ersten Moment nicht wirklich interessiert, da die Finanzierung im Normalfall langfristig abgeschlossen wird. Allerdings können sich die Kurse jederzeit ohne Vorwarnung zu Gunsten oder Ungunsten des Kreditnehmers ändern. Was zur Folge hat, dass sich auch das Kreditobligo zu Gunsten oder Ungunsten des Kreditnehmers ändert. Schwankungen in zweistelliger Prozenthöhe innerhalb kurzer Zeit sind jederzeit möglich.
Eine weitere Art, die Zinsdifferenz zwischen Kredit und Ansparprodukt zu Gunsten des Kreditnehmers zu verändern, ist die Auswahl eines entsprechenden Tilgungsträgers, der gute Renditen aufweist. Diese Renditen, und das hat die jüngste Vergangenheit klar bewiesen, sind jedoch nicht garantiert. Gerade in der Endphase der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts war es geradezu chic, Kredite mit Fonds, fondsgebundenen Versicherungen oder Aktienportefeuilles als Tilgungsträger zu versehen. „Damit lässt sich natürlich unter der Verwendung von atemberaubenden Zinsphantasien jeder Kredit exzellent darstellen“, so Triller. Heute weiß man bereits, dass zahlreiche Ärzte wesentlich länger an ihren Finanzierungen kauen müssen, als bei Kreditabschluss erhofft. Weil eben die (unverbindlichen) Renditen der Angebotsberechnung doch nicht erreicht wurden.

Kunde muss entscheiden

Der Kunde muss sich also entscheiden: Will er höhere mögliche Renditen, gepaart mit den Risken der Weltwirtschaft und ihren Krisen, sogar abhängig von politischen Entwicklungen, Kriegen und Terroranschlägen? Oder will er niedrigere Renditen, diese aber wesentlich unabhängiger von externen Faktoren und daher mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, das geplante Sparziel zu erreichen? Oder gibt es sogar einen Kompromiss, eine Kombination, eine Risikostreuung?
Die Sicherheit ist jedenfalls der Grund, warum Lebensversicherungen bei Banken so beliebt sind. Aktien oder Fonds sind nicht gerne gesehen, da sie kurzfristig zu starke Schwankungen aufweisen. Triller empfiehlt jedoch trotzdem, bei Lebensversicherungen eine Sicherheitsspanne von mindestens zehn Prozent einzuziehen. „Wenn alles normal abläuft, gehört die Sicherheitsspanne nach Ablauf dem Kunden.“
Eine Endfälligkeit macht jedoch nur bei Krediten Sinn, die mindes­tens zwölf Jahre laufen. Bei kürzerer Laufzeit sind die Erträge bei den Tilgungsträgern üblicherweise zu klein, als dass sich das rechnet. Wichtig ist vor allem, mit der Bank im Voraus die Modalitäten auszuhandeln und sich alle möglichen Alternativen vertraglich zu sichern.

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