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Praxis 22. Mai 2007

Gewerbebetrieb in der Ordination

Einem Trend der letzten Jahre folgend, erwirtschaften immer mehr Ärzte neben ihrer „normalen“ ärztlichen Tätigkeit einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Umsatzes aus dem Verkauf von Produkten. Neben rein monetären Punkten sind jedoch auch steuerliche Aspekte zu beachten.

 Apotheke
Der Arzt rundet in seiner Ordination immer öfter das Leistungsspektrum durch eine passende Produktpalette ab.

Foto: ABDA

Produktverkauf in Arztpraxen liegt im Trend. „Der Augenarzt beispielsweise kann zusätzliche Umsätze mit dem Verkauf von Kontaktlinsen lukrieren, der Dermatologe kann spezielle Kosmetika anbieten, und unzählige Ärzte vertreiben bereits erfolgreich Nahrungsmittelergänzungsprodukte“, sagt Dr. Gottfried Scholler, MEDTAX-Ärztesteuerberater aus Wien. „Der Arzt ist in seiner Ordination immer öfter nicht mehr nur klassisch ärztlich tätig, sondern rundet sein Leistungsspektrum durch eine passende Produktpalette ab.“
Die Mehrheit der Patienten nimmt dieses Angebot auch gerne an. „Denn Produkten, die direkt beim Arzt gekauft werden können, wird oft eine höhere Qualität zugeschrieben als jenen, die im freien Handel zu haben sind“, so Scholler. Der Verkauf von medizinischen Produkten kann ein durchaus lukratives Geschäft sein und bietet gerade bei Wahlärzten ein nicht uninteressantes Nebeneinkommen. „Jeder Arzt sollte jedoch einige Aspekte überdenken und beachten, bevor er daran geht, diese Einkommensquelle für sich zu erschließen.“
Zunächst gilt es, die möglichen Verkaufschancen abzuwägen. „Hier empfiehlt es sich, seine Karteikarten zu analysieren und abzuschätzen, wie viel interessierte und vor allem kaufkräftige Patienten in Frage kommen.“ Ganz besonderes Augenmerk ist laut Scholler auf die Preiskalkulation zu legen, denn das beste Produkt wird zum Ladenhüter, wenn der Preis zu hoch angesetzt ist. „Hier kann es sehr hilfreich sein, Kollegen zu Rate zu ziehen, die in diesem Bereich schon Erfahrungen gemacht haben.“ Nämlich damit man die Preise nicht „ins Blaue“ hinein berechnet, ohne zu wissen, was der Markt verträgt. Grundsätzlich wird allerdings eine genaue Kalkulation des Verkaufspreises unumgänglich sein.
Um den richtigen Preis zu finden, reicht es bei weitem nicht aus, nur den Einkauf der Produkte, eine Gewinnspanne und darauf die Umsatzsteuer zu berechnen. Es gibt nämlich laut Scholler einen wesentlichen Punkt, der oft übersehen wird. „Dies sind die Zusatzkosten, die durch den Verkauf von Produkten anfallen können und nicht direkt in die Kalkulation einfließen.“ Darunter fallen in erster Linie die Personalkosten, wenn man vielleicht durch die große Nachfrage einen zusätzlichen Dienstnehmer aufnehmen muss. Weitere Kosten können durch erhöhten Raumbedarf anfallen.
Auch Werbemaßnahmen dürfen als Kostenfaktor nicht unterschätzt werden und müssen unbedingt in die Kalkulation einfließen. Gerade Inserate verursachen erfahrungsgemäß relativ hohe Belastungen. „Diese Ausgaben sind natürlich umzulegen und auf den Einkaufspreis und den gewünschten Gewinn hinzuzurechnen.“

Bei Verkauf ist unbedingt Marketing gefragt

Sehr wichtig für einen erfolgreichen Verkauf ist laut Scholler auch, die Produkte passend anzubieten. Hier ist etwas Marketing gefragt. Grundsätzlich gilt: „Je besser die Präsentation, desto förderlicher für den Absatz.“ Die Produkte einfach nur in einem Schrank zu lagern und sie bei Bedarf dem Patienten zu präsentieren, wird zu wenig sein. Zielführender sei es, die Produkte möglichst mit etwas Dekoration in einer Vitrine zu präsentieren, um einen Kaufanreiz zu schaffen. „Viele Produzenten medizinischer und pharmazeutischer Artikel bieten Verkaufshilfen an, dies sollte in Anspruch genommen werden.“
Neben Preiskalkulation und Marketing müssen natürlich auch die steuerlichen Aspekte, die eine Verkaufstätigkeit mit sich bringt, beachtet werden. Da Umsätze aus dem Produktverkauf nicht als ärztliche Tätigkeit gelten, muss grundsätzlich Umsatzsteuer in Höhe von 10 beziehungsweise 20 Prozent je nach Art des Produkts zum Verkaufspreis zugeschlagen werden. Diese ist an das Finanzamt abzuführen. Auf der anderen Seite darf man sich die Umsatzsteuer aus dem Einkauf der Produkte als Vorsteuer abziehen, sowie jene Vorsteuerbeträge aus anderen Ausgaben, die ganz oder teilweise mit dem Produktverkauf zusammenhängen.
Bei solchen „gemischten“ Ausgaben muss eine Aufteilung nach dem Verhältnis zwischen ärztlicher Tätigkeit und Produktverkauf erfolgen. Als Schlüsselgröße für diese Aufteilung werden die jeweiligen Umsätze aus den beiden Tätigkeiten herangezogen. Erzielt man einen Gesamtjahresumsatz (ärztliche Tätigkeit PLUS Produktverkauf) von unter 30.000 Euro, kann die Umsatzsteuerbefreiung für sogenannte „Kleinunternehmer“ in Anspruch genommen werden. Es muss dann keine Umsatzsteuer verrechnet werden, Vorsteuerabzug steht dann aber auch nicht zu. „Allerdings stellt sich die Frage, ob man in diesem Fall nicht trotzdem zur Umsatzsteuerpflicht optieren sollte, da man vielleicht höhere Vorsteuerbeträge von den Ausgaben lukrieren kann als man Umsatzsteuer abführen müsste.“

Steuerliche Vorsicht bei hohem Einkommen

Der steuerliche Aspekt ist auch bei der Preiskalkulation zu beachten, weil durch die Umsatzsteuer das Produkt für den Privatabnehmer natürlich entsprechend teurer wird, da er sich als Endverbraucher die Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer abziehen kann. Zu beachten ist außerdem, dass, abhängig von den bereits bestehenden Einkommensverhältnissen, diese zusätzlichen Einnahmen natürlich mit Einkommensteuer belastet werden.

Genaue Kalkulation gefragt

Geht man davon aus, dass die Ordination vielleicht schon einen Gewinn von über 51.000 Euro im Jahr abwirft, ist der Gewinn aus dem Verkauf mit 50 Prozent Einkommensteuer belastet, da dieser Gewinn oben auf das bereits bestehende Einkommen dazugeschlagen wird. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Produktverkauf durchaus ein interessanter Dazuverdienst sein kann, aber man genaue Kalkulationen durchführen und nicht nur die Differenz von Einkauf und Verkauf als Gewinn sehen sollte.

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