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Praxis 15. Mai 2007

Hochwertige Medikamente mit Hauszustellung

Die Monopolstellung heimischer Apotheken ließ sich bislang gut verteidigen. Ein Kölner und ein Wiener Unternehmer scheinen nun aber eine Möglichkeit gefunden zu haben, diese zu knacken. Seit einigen Monaten werden OTC-Präparate über das Internet vertrieben, nun erfolgt der erste Schritt der Ausweitung auf rezeptpflichtige Medikamente.

„Das Apothekenmonopol ist längst nicht mehr zeitgemäß“, so die Unternehmer Volker Schmidt aus Köln und Peter Gundacker aus Wien, beide Gründer der Firma Apotheken.net, die seit einigen Monaten OTC-Präparate über das Internet vertreibt. „Neben satten Spannen grenzt es fast schon an Zumutung, wenn selbst alte, immobile Patienten die Schikane über verpflichtende Apothekenabgabe von Medikamenten ertragen müssen.“ Doch damit ist jetzt langsam Schluss: Die Unternehmer haben einen Weg entdeckt, wie man in Österreich legal über das Internet Medikamente anbieten darf. Der Umweg führt über eine Apothekenkette in Lettland, die sich aus Österreich Großpackungen nach Riga beordert. Von dort werden sie auf Bestellung per Internet (www.apotheken.net) mittels Paketservice zum Kunden nach Österreich ausgeliefert. „Der Transport dauert zwar ein bis drei Tage, aber dafür sind Preisvorteile von 15 bis 25 Prozent gegenüber dem Kauf in österreichischen Apotheken zu lukrieren“, so die Gründer von Apotheken.net.

www.apotheken.net

Wenig Gegenwehr kam bis dato von der Apothekerkammer, die natürlich mit solchen Aktionen wenig Freude hat. „Doch selbst dort hält man die Sache offenbar für legal, wir sind jedenfalls fest davon überzeugt.“ Grund genug für die Unternehmer, den nächsten Schritt vorzubereiten. Nämlich das Angebot auf rezeptpflichtige Privatmedikamente auszudehnen. Zunächst soll Wahlärzten und deren Patienten die Möglichkeit gegeben werden, von der Hauszustellung und den deutlich unter den Apothekenpreisen liegenden Konditionen zu profitieren. Die Abholung von der Apotheke soll wie bei den OTC-Präparaten über einen Paketdienst funktionieren. Das Produktsortiment zahlreicher rezeptfreier sowie nicht von den Kassen erstattbarer rezeptpflichtiger Arzneimittel ist der Homepage www.apotheken.net zu entnehmen. Ärzte erhalten für die Eigenbestellung des Verbrauchs in ihrer Ordination zusätzlich zu den günstigeren Konditionen fünf Prozent Rabatt. Der Arzt muss sich hierbei unter Vorlage seines Arztausweises bei Apotheken.net registrieren lassen und erhält dann eine Kennnummer. Der Patient kann dann unter dieser Kennnummer die benötig­ten Medikamente bestellen. Dem verschreibenden Arzt wird hierbei eine „Handlinggebühr“ von fünf Euro je vermitteltem Kunden gutgeschrieben. Das Rezept wird per Post an eine österreichische Adresse gesendet. Dort wird es von einem österreichischen Apotheker kontrolliert und digital archiviert. „Für die Zukunft ist eine elektronische, dem Signaturgesetz konforme Rezeptübermittlung zwischen Arzt und Apotheken.net angedacht.“ In einem zweiten Schritt erfolgt die Kontrolle durch einen Apotheker in Lettland. „Dieser verpackt die Ware, und der Kunde beauftragt den Paketservice mit der Abholung des Medikaments“, so die Unternehmer. Der Kunde kann mit Kreditkarte, Onlineüberweisung (EPS) oder gegen Vorkasse bezahlen. „Stammkunden werden auf offene Rechnung beliefert.“ „Monopolstellungen sind unabhängig von der Branche nicht zeitgemäß“, meint auch Dr. Christoph Reisner, Vizepräsident der Ärztekammer Niederösterreich und Präsident des Vereins „Wahlärzte Österreich“. Eine Öffnung des Marktes macht daher aus seiner Sicht jedenfalls Sinn. „Ich erlebe schon jetzt, dass Patienten zum Kauf mancher Medikamente, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden, nach Ungarn fahren und diese dort kaufen, um Geld zu sparen.“

Offen für Veränderungen

Er sieht es aus der Sicht des Patienten. „Jede Veränderung, die im Sinne des Patienten ist und Vorteile bietet, ist daher aus meiner Sicht zu begrüßen. Die patientenfreundlichste Form der Medikamentenabgabe ist und bleibt jedoch immer noch die ärztliche Hausapotheke.“ Reisner selbst hatte ja im Herbst 2006 ein Modell für eine mögliche neue Form der Hausapotheke für alle niedergelassenen Ärzte erarbeitet und vorgestellt. „In Zukunft wird es jedenfalls für alle Mitspieler im Gesundheitssystem notwendig sein, sich Veränderungen nicht zu verschließen, sondern diese im Sinne unserer Patienten mit zu tragen.“ Das System von Apotheken.net mit Distribution über einen Paketdienst hat aus seiner Sicht zusätzlich den Vorteil, dass die Administration der Verschreibung samt Aufklärung seitens des Arztes entlohnt wird, und zwar unabhängig vom verschriebenen Medikament. Die „Verkaufsspanne“ bei ärztlichen Hausapotheken – so argumentieren deren Gegner – sei nämlich das Hauptproblem, da die Verschreibungsentscheidung dort von monetären Gedanken geleitet würde. „Dies deckt sich auch mit den Gedanken, die für das Konzept im Herbst ausschlaggebend waren.“ Erstaunlich ist für Reisner die Tatsache, dass es offensichtlich doch logistisch möglich ist, Medikamente direkt an Patienten zuzustellen. „Wo doch hohe Funktionäre der Niederösterreichischen Ärztekammer schon Bedenken hatten, dass es logistisch nicht einmal möglich sei, Ärzte mit Dispensierrecht ausreichend schnell und sicher mit Medikamenten zu beliefern.“

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