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Praxis 9. Mai 2007

Der Steuerberater als Wirtschaftsmediator

Mediation als Alternative zu destruktiven Streitbeilegungsmethoden entspricht einem gesellschaftlichen Bedürfnis, hat aber nichts mit Sozialromantik zu tun. Die Schaffung einer tragfähigen Konfliktkultur im Unternehmen ist keine soziale Schwärmerei, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Es ist eine wichtige Führungsaufgabe, Konflikte zu erkennen und einer Lösung zuzuführen.

„Wir Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder stehen als Wirtschaftsmediatoren nicht als Alleinanbieter dieser verantwortungsvollen Aufgabe da“, weiß Dr. Michael Kowarik, Steuerberater und Wirtschaftsmediator aus Wien. Allerdings wird diese Dienstleistung derzeit noch sehr sporadisch in Anspruch genommen. „Während 2003 bereits 80 Prozent der österreichischen Unternehmen von Mediation gehört hatten, so lag die praktische Anwendung nur bei zehn Prozent.“ Doch zunächst zu den Grundlagen. Mediation ist ein Vorgang zur Konfliktlösung. „In unserem Kulturkreis verbindet man mit dem Wort Konflikt üblicherweise Streit, Zwietracht und Auseinandersetzung.“ Und eben die berufliche Dynamik von Steuerberatern lebt von Konflikten, und die Klienten tragen die Konflikte an die Steuerberater heran. Alle in einem Konflikt involvierten Menschen unterliegen bestimmten Verhaltensweisen. Daraus lassen sich bestimmte Erwartungen ableiten, mit denen sich auch Steuerberater in der täglichen Praxis konfrontiert sehen. „Das momentane Problem beschäftigt am meisten und der Wunsch ist groß, Verbündete zu bekommen. Es liegt also nahe, den Steuerberater als Verbündeten zu gewinnen und sich damit selber zu stärken“, so Kowarik. Wenn es sich wirklich um ein Fachproblem handelt, kann man diesem mit der Stärke des ganzen Fachwissens nachkommen. „Befinden wir uns im System der Fachberatung, so ist es unsere Aufgabe und unsere Pflicht, dem Klienten Lösungen anzubieten und Entscheidungen vorzubereiten. Befinden wir uns jedoch in einem anderen Beratungssystem, könnte gerade unser gewohntes Verhalten aus unserer Kerntätigkeit, der Fachberatung, fahrlässig und schlecht sein.“ Das ist damit zu begründen, dass die Entscheidung etwa unter eingeschränkter Sichtweise getroffen wurde, dass man sich fremde Verantwortung aufladen ließ und dadurch angreifbar wurde oder dass die Lösung weitere Dimensionen hätte beachten müssen, die es erst herauszuarbeiten gegolten hätte.

Rolle des Mediators

„Der Schluss daraus soll nicht sein, außerhalb der Fachberatung nicht tätig zu sein, sondern andere Werkzeuge und Verfahrensweisen einzusetzen, die diesen Problemen und Konflikten adäquat sind.“ Hier kommt die Rolle eines Mediators ins Spiel. Seine Rolle kann durch die Steuerung der Kommunikation beschrieben werden. „Da dies naturgemäß in einer konfliktbeladenen, emotional aufgeheizten Atmosphäre stattfindet, ist die Kenntnis der eigenen Persönlichkeit Grundvoraussetzung für die Berufsausübung.“ Eine Ressource des Berufsstandes der Steuerberater ist in diesem Zusammenhang die Dauerbegleitung von Mandanten. „Abgesehen von einzelnen Arbeiten, die aufgabenbezogen erledigt werden, ist es berufsüblich, Kunden zumindest über einen gewissen Zeitraum zu betreuen.“ Dadurch ergibt sich für Kowarik die wertvolle Möglichkeit der Betrachtung eines Gesamtablaufes.

Neigung zu Ratschlägen

„Aus der Dauerbetreuung resultiert auch, dass wir in der Fachberatung gewohnt sind, nicht punktuell einen raschen Erfolg herbeiführen zu wollen, sondern versuchen müssen, sämtliche Aspekte in die Lösung mit einzubeziehen. Übertragen auf die Mediation führt das idealer Weise zu breiten Lösungsmöglichkeiten.“ Freilich darf man mögliche Gefahrenquellen nicht außer Acht lassen. „Da wir uns im Kernberuf hauptsächlich auf dem Gebiet der Fachberatung bewegen, ist die Versuchung groß, immer wieder in diese hineinzugleiten. Wir neigen dazu Ratschläge zu erteilen oder zu dozieren. Diese Verhaltensweisen sind jedoch in der Mediation kontraproduktiv.“ Eine weitere „berufsbedingte“ Gefahr ist wohl, zu früh in die lösungsorientierte Phase einsteigen zu wollen. „Die Folge davon ist, dass die gewünschte Öffnung nicht eintritt, die Medianden sich zu einer Lösung gedrängt sehen und die kreative Phase der Sammlung von Lösungsoptionen behindert wird“.

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