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Praxis 31. Jänner 2008

Willkommen, bienvenue, welcome (Folge 14)

Diese Folge des Raumdoktors schildert, warum die Suche nach einer Auskunft auf dem Athener Bahnhof eine wichtige Lehre für die richtige Raumausstattung sein kann. Denn auch der Empfangsschalter in einer Arztpraxis ist ein zentrales Raumelement.

 Mobiliar
Anmeldung, Sitze, Abstellflächen und Aushang in einem Element vereint.

Illustration: DI Niel Mazhar

Als ich 18 Jahre war und die Reifeprüfung gerade hinter mir hatte, wollte ich noch einmal etwas erleben, bevor der Ernst des Lebens beginnen sollte. Also zog ich mit Sack und Pack los, um etwas von der Welt zu sehen. Nach Analyse meiner spärlichen Rücklagen erwarb ich mir ein Zugticket, das mich über den italienischen Stiefel und per Fähre immerhin bis nach Griechenland brachte. Am Bahnhof in Athen suchte ich einen Informationsschalter, um mich über weitere Bahnverbindungen zu erkundigen. Nachdem mir Griechisch weder in Wort noch in Schrift geläufig war, und die Griechen auf mein Schul-Englisch nur den Kopf schüttelten, dauerte es zwei Stunden, bis ich die Zugauskunft schließlich durch puren Zufall entdeckte. Der Informationsschalter war in einem dunklen, unbeschilderten Verschlag am äußersten Rande des Bahnhofs untergebracht, der dem legendären Eingang zum Hades, der altgriechischen Variante der Unterwelt, bis aufs Haar glich. Nachdem derartige Pforten gewöhnlich von erschreckenden Kreaturen bewacht werden, saß auch hier eine Dame reiferen Alters, deren misstrauischer Blick mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Sie saß eingezwängt an einem einfachen Schreibtisch, vor sich ein dickes, verstaubtes Buch, das Zauberformeln, Elixierrezepturen oder Zugauskünfte beinhalten hätte können. Mit einem grimmigen Lächeln gab sie mir schließlich doch Auskunft über die Reiseverbindungen, selbstverständlich auf Griechisch.

Wichtige Funktion

Damit die Suche nach einem Informations- oder Empfangsschalter nicht zu einem Exkurs in die griechische Mythologie wird, sollte diesem Mobiliar besonderes Augenmerk geschenkt werden. Ob an Bahnhöfen, in Hotellobbys – oder in Spitälern und Arztpraxen, der Empfangsschalter übernimmt wichtige Aufgaben und ist das repräsentative Aushängeschild. Als zentrales räumliches Gelenk und erster Anlaufpunkt für den Patienten sorgt er für die Weiterleitung in andere Bereiche einer Praxis: in das Warte- oder Sprechzimmer und die Behandlungsräume. Daher sollte der Schalter nahe dem Eingang untergebracht werden, so den Überblick und die Koordination erleichtern und für kurze Wege sorgen. Ein guter Grund, die genauen Bewegungsabläufe vor und hinter dem Schalter zu berücksichtigen. So sollten etwa die Karteikarten und Akten leicht erreichbar sein sowie genügend Platz für Computer und Abstellflächen geschaffen werden, um Kabelsalate und Chaos zu vermeiden. Daher sind für diesen Bereich vorgefertigte Systemmöbel eher ungeeignet, da Maßanfertigungen den Raumdimensionen und Anforderungen besser angepasst werden können.
Ein solcher Empfangstresen kann je nach Grundriss der Praxis direkt in der Eingangszone, etwa in Kombination mit der Garderobe, oder in einem eigenständigen Raum untergebracht werden. Dieser sollte aber mit den anderen Bereichen der Praxis ohne lange Umwege verbunden sein. Ist der Grundriss eher offen und loftartig, kann Mobiliar als Raumteiler fungieren, der verschiedene Zonen voneinander separiert und dennoch Kommunikation zulässt. Der Empfang kann so als markantes Raumelement installiert werden, das mehrere Funktionen wie etwa Verwaltung, Stauraum, Archiv, Tresen bis hin zur Garderobe und Sitzflächen für den Wartebereich vereint und dadurch fließende Übergänge schafft.
So gibt es gute Beispiele für offen und großzügig gestaltete Ordinationen, in denen in einem zentralen möbelartigen Pavillon der Empfang ebenso untergebracht ist, wie ein kleiner Röntgenraum und eine Kammer für die Sterilisation (siehe Abbildung).

Aug’ in Aug’ mit dem Patienten

Bei der Eigenanfertigung und Planung eines solchen Empfangsmobiliars ist auf die richtige Höhe des Tresens und der dahinter aufgestellten Arbeitstische zu achten. Ist der Tresen zu hoch, erschwert dies nur die Kommunikation und den Blickkontakt zwischen Sprechstundenhilfe und Patient. Wichtig ist, dass das Personal zwar über einen geschützten und nicht gänzlich einsehbaren Arbeitsplatz verfügt, aber dennoch nicht völlig vom Gegenüber abgeschirmt wird. Alle erforderlichen Funktionen sollten dabei bedacht und ins Mobiliar integriert werden, um einen praktischen, freundlichen und gut beleuchteten Empfangsbereich zu schaffen. Aber auch in ästhetischer Hinsicht muss der Empfangsschalter einiges können, schließlich ist er das Aushängeschild einer Praxis und sollte daher auch als „eyecatcher“ wahrgenommen werden.
Dazu empfehlen sich besonders auffällige Materialien, auch in spannenden Farbkombinationen. In diesem Kontext sind etwa Naturhölzer und verschiedene Holzwerkstoffe zu empfehlen, da sie einfach zu pflegen und kostengünstig sind. Aber auch mit Kunststoffpaneelen können interessante Ergebnisse erzielt werden, beispielsweise durch Einsatz halbtransparenter oder bedruckter Platten, die effektvoll hinterleuchtet werden können. Selbst Edelstahlbleche oder mittels Stahlrahmenkonstruktion aufgespannte Textilien können eingesetzt werden – formal ist vom einfachen rechteckigen Tresen bis hin zur geschwungenen auffälligen Rauminstallation vieles möglich.

Betörte Patienten

Für Arztpraxen, die über eigene Verkaufs- oder Schauräumlichkeiten verfügen, kann solch ein maßangefertigtes Mobiliar zu einem erfolgssteigernden Gesamtkonzept beitragen. Etwa in einer Ordination eines Augenarztes, die über einen eigenen Raum für Brillen- und Kontaktlinsenanpassung, Beratung und Verkauf verfügt.
Um es abschließend noch einmal auf die Art der Alten Griechen zu sagen: Muten Sie Ihrem Patienten keine Irrfahrt durch eine unübersichtlich gestaltete Praxis zu – denn mit einem liebevoll und intelligent gestalteten Empfangsbereich kann man den Patienten durchaus so betören, wie es einst Kirke, die Zauberin aus der griechischen Sagenwelt, mit Odysseus tat.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 5/2008

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