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Praxis 28. November 2007

Damit das Marmeladenbrot sich nicht vor dem Boden fürchtet (Raumdoktor 10)

Vergangene Woche fragte mich meine gute Bekannte Caro, vertieft in meine Notizen zum Thema Fußböden, ob ich wüsste, warum Marmeladenbrote, vor allem die besonders klebrigen, ausschließlich mit der Marmeladenseite auf den Boden fallen. Sie wartete meine Antwort gar nicht ab, sondern erklärte mir, dass dies mit Murphys Gesetzen zusammenhänge, dessen Grundregel lautet: „Wenn etwas schief gehen kann, dann wird es schief gehen.“ Gefolgt von weiteren, wenig optimistischen Leitsätzen wie: „Alles geht auf einmal schief“ und „Alles, was gut beginnt, endet schlecht. Alles, was schlecht beginnt, endet furchtbar“.

 Abb. 1
Abb. 1: Kräftige Linoleumfarben lassen den Raum bewusster wahrnehmen.

 Abb. 2
Abb. 2: Betonboden als Gegenpol zu einer spannungsgeladenen Wandgestaltung.

Illustrationen: DI Niel Mazhar

Damit war natürlich mein Interesse geweckt. Zunächst wollte ich wissen, was Murphys Gesetze zum heiklen Thema Fußboden, Ausgangspunkt vieler Unfälle, zu sagen hätten. Die erste Regel, auf die ich stieß, war allerdings recht lapidar: „Vom Fußboden kann man nicht fallen“, heißt es in Gesetz X.13. In der nachstehenden Regel X.14 folgt allerdings: „Kinder brauchen etwa drei Jahre, um das Gesetz X.13 zu kapieren.“
Der Fußboden, steter Stolperstein sauberer und sturzsicherer Lebensweisen, hat es schwer. An der Tatsache, dass das Marmeladenbrot in beinahe allen Fällen mit der Marmeladenseite nach unten fällt, scheint nichts vorbeizuführen, dass man anschließend darauf auszurutschen hat, gilt laut Murphy als gewiss. Doch muss man sich zu helfen wissen. Um Murphys Gesetze zu überlisten, hilft nur, verunreinigende Zwischenfälle auszuschließen, also auf jegliche Nutzung zu verzichten, oder den Fußbodenbelag unter dem Marmeladenbrot den unvermeidlichen Umständen anzupassen.
Besonders in stark frequentierten Arbeits- und Geschäftsbereichen wie Arztpraxen, Krankenhäusern und Labors sollten die Fußböden pflegeleicht, strapazierfähig und rutschfest sein. Bodenbeläge, die diesen Anforderungen entsprechen und zudem vielerlei ästhetischen und praktischen Bedürfnissen mehr als genügen, sind Bodenaufbauten aus Kunststoff, etwa Laminat- oder Linoleumböden. Des Weiteren lassen sie auch Freiraum für gestalterisch abwechslungsreiche Lösungen.
Laminatböden haben den schlechten Ruf, Holzböden nur unzureichend zu kopieren. Doch sie sind nicht nur wesentlich günstiger als echtes Parkett, sondern zudem auch wesentlich härter und widerstandsfähiger. Sie bestehen aus schichtweise verklebten Schichten aus Kunststoff und Spanholzplatten, sind geruchsneutral und einfacher zu verlegen als herkömmliche Parkettböden. Die neueste Laminatgeneration kann außerdem nicht nur eine zweidimensionale Optik diverser Materialien, etwa Holz oder Stein, annehmen, denn neue Produktionsmethoden verleihen dem Laminat auch eine dreidimensionale Struktur, mit der auch dem Bedürfnis nach scheinbar natürlicher Haptik nachgekommen wird. Laminat ist in allerlei Form- und Farbvariationen erhältlich und darüber hinaus abriebfest und lichtbeständig.

Linoleum: Besser als sein Ruf aus den Siebzigern

Möchte man einen gestalterisch freieren und unkonventionellen Weg gehen, kann man sich für Linoleum entscheiden. Wer bei Linoleum sofort an die schrillen Plastikböden in Fliesenoptik der siebziger und achtziger Jahre denkt, übersieht dabei, welche Wandlungen auch dieser Fußbodenbelag in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat. Linoleumbeläge, bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden, sind ökologisch unbedenkliche Naturprodukte und außerdem preisgünstig. Linoleum ist entgegen der landläufigen Meinung gar kein Kunststoff, sondern besteht aus Ölen, Harzen, Holzmehl und Jutegeweben. Es kann in dünnen Bahnen oder dicken Platten verlegt werden, ist einfach zu reinigen, fleckenunempfindlich und zeichnet sich durch eine lange Lebensdauer aus. Aber ein herausstechendes Kennzeichen macht den Linoleumbelag für medizinische Einrichtungen besonders interessant: Seine Oberfläche wirkt auf natürliche Weise antibakteriell.

Auch große Designer versuchten sich am Linoleum

Wer nicht den Verlockungen sentimental marmorierter Oberflächengestaltung mancher Hersteller erliegt, kann mithilfe eines Linoleumbodens sehr spannende und moderne Raumsituationen schaffen. Es können angenehm schimmernde und vollflächig in Farbe getauchte Böden entstehen, die einem Raumbereich eine sinnliche und bedeutungsschwere Intensität verleihen. Ähnlich der Wirkung eines roten Teppichs erlaubt ein solch kräftiger Boden den Raum bewusster wahrzunehmen. Besonders reizvoll können auch die vielen gemusterten und mit Ornamenten versehenen Variationen dieses Belages wirken. Große Designer und Architekten des 19. und 20. Jahrhunderts entwarfen schlichte bis auffällige Oberflächentexturen, und auch gegenwärtig erlauben verschiedenste Designerlaminate Lösungen mit Knalleffekt im Retrodesign mit floralen und geometrischen Motiven (siehe Abb. 1).

Beton für den kühlen Typ

Eine vornehme Methode, einem Bereich eine beinahe sakrale und minimalistische Wirkung zu verleihen, kann der Einsatz gegossener Böden, etwa glänzende Harzböden oder Beton, sein. Betonböden entfalten im entsprechenden Ambiente eine ruhige und kühle Ausstrahlung, die einem eleganten Raum den letzten Schliff geben kann. Im Gegensatz zu einer Linoleumfläche, die einem ruhigen, farblich dezenten Bereich die nötige Spannung liefert, kann ein schwerer, dunkler Betonboden den Gegenpol zu einer spannungsgeladenen Wandgestaltung bieten und beruhigend wirken (siehe Abb. 2). Man kann Betonböden getrost auch mit weichen und farblich satten Teppichen kombinieren. Durch den Gegensatz von hartem, gräulichem Beton und dem weichen, wärmenden Material wird ein angenehmer Kontrast erzeugt, der Ruhezonen, wie etwa den Wartebereich einer Arztpraxis, behaglicher erscheinen lässt und gestalterisch abrundet.
Eine Bodengestaltung sollte, je nach Geschmack, die flächigen Grenzen eines Raumes aufheben, um eine harmonische und fließende Gesamtkomposition zu ermöglichen – oder umgekehrt Bereiche klarer definieren. Etwa um Wand-, Decken- und Bodengestaltung voneinander abzugrenzen und so eine abwechslungsreiche und optisch tiefe Raumgestaltung herzustellen. Der zweckmäßigen und eleganten Ausformung des Bodens sollte die Aufmerksamkeit entgegengebracht werden, die sie verdient. Schon auf einfache Weise kann einem Raum dadurch der nötige Reiz verliehen werden, denn wie schon der Philosoph Arthur Schopenhauer meinte, sollten wir nicht in den Wolken suchen, was vor unseren Füßen liegt.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 48/2007

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