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Praxis 6. Dezember 2007

EDV: Esel der Verwaltung?

Es ist keine neue – und darum umso mehr bedauernswerte – Analyse: Der Trend setzt sich munter fort, die zunehmende Verwaltungstätigkeit auf Mediziner in Turnus-Ausbildung abzuwälzen.

Auch die Miteinbeziehung von EDV in die Ausbildung bringt keinesfalls nur Vorteile mit sich. Das war eine der Kernaussagen der AUVA-Veranstaltung „Arzt im Netz“ am 17. November in Wien. Bei den elektronischen Visiten müsse man sich „selbst ermahnen, nicht immer auf den PC zu schauen, sondern wirklich den Patienten anzusehen“, so Dr. Katharina Gordon, Obfrau der Bundessektion Turnusärzte der Österreichischen Ärztekammer. Auch in der Ambulanz liege „die ganze Aufmerksamkeit auf dem Monitor“.
Das Problem in der Turnusärzte-Ausbildung ist so klar wie ungelöst: „Unter den zunehmenden Verwaltungstätigkeiten leiden nicht nur die Patienten durch die Kontaktbehinderung, sondern es betrifft uns Turnusärzte, weil wir nur wenige Monate auf einer Abteilung sind und die Integration ins Team ohnehin sehr schwierig ist. Turnusärzte werden für arztfremde Tätigkeiten als flexible Personalreserve eingesetzt. Überall, wo ein Mehraufwand entsteht, ist es einfach, einen Turnusarzt einzusetzen“, meint Gordon, zur Zeit Assistentin in Ausbildung zur Unfallchirurgin im Salzburger LKH. Davor lernte sie Ausbildungssituation und EDV-Systeme während dreier Turnusjahre sowohl in einem kleinen als auch großen Spital kennen.

EDV betrifft vor allem Turnusärzte

50 Prozent ihrer Arbeitszeit investieren Mediziner in Ausbildung zum Allgemeinmediziner in nichtärztliche Verwaltungsarbeit. Kaum verwunderlich, dass die Unzufriedenheit mit der Turnus-Ausbildung groß ist. Laut IFES-Studie hat sich zwischen 2003 und 2006 die Anzahl der „Unzufriedenen“ (Noten Genügend bis Nicht genügend für die Ausbildung zum Allgemeinmediziner) um rund 20 Prozent auf über die Hälfte aller Turnusärzte gesteigert. Gordons Statement dazu: „Der Hauptgrund, warum Turnusärzte so unzufrieden sind, ist die zunehmende Verwaltungstätigkeit. Ein immer größerer Anteil betrifft unsere EDV-Systeme, mit denen wir arbeiten. Gerade Turnusärzte arbeiten damit: Anamnese, Röntgenanforderungen, Zuweisungen, Arztbriefe – immer mehr ist ihre Tätigkeit EDV-Arbeit.“
Das bedeutet aber nicht, dass EDV-Einsatz grundsätzlich nur Negatives mit sich bringe. Gordon: „Der zunehmende Computer-Einsatz hat auch Vorteile für uns gebracht: Daten sind bei Patientenaufnahme rasch erhebbar, wenn er beispielsweise nicht weiß, welche Medikamente er nimmt, welche Krankheiten er hat oder nicht ansprechbar ist – das ist ein klarer Vorteil, den wir früher nicht hatten. Man erinnere sich an das Aktenausheben früher im Nachtdienst! Außerdem gibt es zusätzliche Systeme wie z.B. den elektronischen Austria Codex oder andere Standardwerke, die gerade Ärzten am Anfang ihrer Ausbildung eine gute Stütze und ein großer Vorteil sind.“

Ärzte sind bessere EDV-Entwickler

Viele EDV-Systeme sind laut Gordon sehr zeitraubend und unpraktikabel, „viel zu viele Klicks für eine Leistung“. Es sei deutlich zu bemerken, dass jene Systeme, wo Ärzte in die Entwicklung mit einbezogen waren, weitaus praktikabler sind. Man merke da einfach, wer mitgedacht hat. Zurück zur EDV im Praxis-Alltag: Treten Systemfehler auf und werden gemeldet, vergehen „meist Monate bis Jahre, bis so etwas geändert wird – ich finde es extrem wichtig, dass Ärzte mitarbeiten, um die Systeme praktikabel zu machen“, gibt sich Gordon überzeugt.

Assistent für die Dokumentation

Die Turnusärztevertreterin fordert den Dokumentationsassistenten und ausgebildetes Personal für Verwaltungstätigkeiten. „Kollegen auf Abteilungen mit solchem Personal haben bestätigt, dass sie sehr profitieren. Es wird viel Zeit gewonnen, die man für die Patienten investieren kann, Fachärzte haben Zeit, sich der Ausbildung der jungen Kollegen zu widmen, Turnusärzte können sich ausbildungsrelevanten Themen widmen.“
Bereits im Jahr 2000 wurde von der ÖÄK ein Turnusärzteprofil erstellt, „wo leider immer noch an vielen Abteilungen die Unterstützung fehlt, um die nichtärztliche Tätigkeit zu reduzieren. Diese Zeitreserve brauchen wir für die Ausbildung: Essenziell ist, dass bei jeder Visite alle Turnusärzte dabei sind, an Besprechungen teilnehmen und auch Bedside-Teaching“, meinte Gordon.

Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche 49/2007

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