zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 11. Oktober 2007

Arbeit macht das Leben süß

Nicht jeden drängt es zur Altersteilzeit oder in die Frühpension. Selbst große Arbeitsbelastung ist oft nicht Grund genug, den Ruhestand herbeizuwünschen. Und was motiviert manche Menschen, sogar noch länger weitermachen zu wollen als bis zum Regelpensionsalter? Die von Dr. Andrea Wolf geleitete Studie Trotzdem gesund beleuchtet Hintergründe und bezog auch Ärzte und andere Vertreter von Gesundheitsberufen mit ein.

Frau Dr. T. war zuletzt als stationsleitende Oberärztin und Primarstellvertreterin tätig, Dr. T. gehört zu der Gruppe jener Werktätigen (siehe Kasten), die gerne länger weiter gearbeitet hätten – wenn es möglich gewesen wäre. Es machte für sie „überhaupt keinen Sinn und Zweck“, in Pension zu gehen. Sie hatte, bevor sie als erste Ärztin in Österreich die Stelle in einem Rehabilitationszentrum eines österreichischen Versicherers angeboten bekam, viele Jahre in Schweden gearbeitet.
Von ihren dortigen Erfahrungen ausgehend – Frauen gehen erst mit 65 in Pension, davor besteht die Möglichkeit der Altersteilzeit – war sie bei ihrem Pensionsantritt mit 60 überrascht worden: „Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, dass ich schon in Ruhestand gehen sollte und habe immer geglaubt, dass die sich geirrt haben ... Außerdem dachte ich mir, ich bin gesund und die Medien und alle schreien immer, dass man länger arbeiten muss, weil die Pensionskosten sonst explodieren.“

Gute Teamarbeit motiviert

Auf gute Teamarbeit legt Dr. T., die in Österreich Alleinerhalterin ihrer dreiköpfigen Familie gewesen war, großen Wert. Daneben empfindet sie es als Motivation, „für die Station und für die Entwicklung der Patienten verantwortlich zu sein“. Das Berufsleben der Ärztin war aber auch länger als zehn Jahre von der angespannten Situation mit einem ihrer Chefs geprägt. Dass dabei Gedanken an ein möglichst frühzeitiges Arbeitsende aufkamen, ist verständlich: Wäre sie nicht die Familienerhalterin gewesen, hätte sie sich den Stress wahrscheinlich nicht angetan. Aber sie blieb. Denn „so als normalsterblicher physikalischer Arzt in einem Krankenhaus zu arbeiten“ hätte sie nicht gewollt.

Berufliche Erfüllung

Dr. T. streicht heraus, dass sie in ihrem Beruf tun konnte, was sie gerne tat. Wäre diese Überzeugung, diese berufliche Erfüllung nicht gewesen, hätte die Sache wohl anders ausgeschaut. Trotz allem ist sie mehr oder weniger gesund geblieben: Dr. T. gibt an, hauptsächlich an psychosomatischen Beschwerden gelitten zu haben. Die seien aber vorbeigegangen. Grundsätzlich würde sich Dr. T. „wahrscheinlich nicht als gesundheitsbewusst“ bezeichnen: zu viel Essen, zu wenig Bewegung. „Aber ich setze mich deswegen nicht unter Druck“, so die Ärztin.
Anders verhält es sich im Fall einer diplomierten Krankenschwester. Zunächst für mehrere Jahre im angestammten Beruf tätig, arbeitete Frau W. nach zwölf Jahre dauernder, kinderbedingter Auszeit als Heimhelferin und später als Controllerin in der mobilen Pflege und Betreuung. Frau W. war froh, mit 60 in Pension gehen zu können. Auch über den Wechsel zur Altenbetreuung äußert sie sich positiv: „Die Altenkrankenpflege war das Richtige für mich, weil ich wusste, dass ich den alten Leuten wirklich helfen kann. Das war es dann, was mich befriedigt hat und womit ich Freude hatte. Im Gegensatz dazu war mir die Akutkrankenpflege immer zu stressig.“ Gesundheitlich musste Frau W. ihren Tribut zahlen: Während ihres gesamten Arbeitslebens habe sie immer Kreuzschmerzen gehabt. Davon abgesehen, sei sie aber nie krank gewesen. Das Motto von Frau W.: „Wenn ich irgendwelche Wehwehchen habe, dann übergehe ich das und sage mir: Es wird schon wieder vergehen.“

 Fakten

Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche 41/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben