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Praxis 6. September 2007

Musik ist nicht umsonst – und nicht gratis

Zunächst das Positive: Musik im Wartezimmer wirkt sich entspannend auf Ihre Patienten aus. Das ist belegt. Nachdem heute aber nichts mehr gratis ist, liegt die Sache auch bei der Musik-Verbreitung so: Spielen Sie Musik, egal ob aus dem Radio oder von anderen Tonträgern, in Ihrem Wartezimmer, ist an die AKM eine Abgabe zu entrichten.

In Österreich ist die AKM (Staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger) berechtigt, für die öffentliche Aufführung von Musik als urheberrechtlich geschützten Werken einen genau definierten Lizenzbetrag in Rechnung zu stellen. Diesen haben auch Ärzte zu zahlen, wenn sie ihre Patienten entweder radiowellig oder mittels CD, MP3 etc. berieseln. Das Wartezimmer ist dabei, da allgemein zugänglich, nach Auffassung der AKM als öffentlicher Raum qualifiziert, woraus der AKM-Anspruch auf Lizenzeinhebung resultiert. Genau betrachtet ist jede Musik-Aufführung, die vor der Einholung einer entsprechenden Bewilligung durch die AKM erfolgt, eine unbefugte Aufführung. Das lässt sich aber einfach vermeiden: Je nach Patientenfrequenz pro Monat ist ein festgesetzter Tarif zu bezahlen. Es geht somit nicht um die Dauer der Musikaufführung, sondern um die Patientenanzahl in der Ordination.
Zu diesen Kosten – auch Komponisten und Musiker wollen von ihrer Arbeit Früchte leben (können) – kommen noch hinzu: 23 Prozent Leistungsschutz, fünf Prozent für den Veranstalterverband und 20 Prozent Mehrwertsteuer.
Die AKM, welche ihrem rechtlichen Status nach eine nicht auf Gewinn gerichtete genossenschaftliche Verwertungsgesellschaft ist, betont, die „gerechtesten Tarife Europas“ anzubieten. Der für Ärzte gültige Frequenztarif entspricht dem mit der Wirtschaftskammer abgeschlossenen Gesamtvertrag. Dieser ist gegenüber „autonomen Tarifen“ um ca. 40 Prozent ermäßigt.

Publicity-Offensive im Herbst

Bislang hat die AKM in den Ordinationen noch kaum auf die Entgeltlichkeit öffentlicher Musikaufführung hingewiesen. Außer in Vorarlberg und Salzburg ist diesbezüglich noch nicht viel passiert. Im Herbst startet die AKM eine Informations-Aktion: Ab September sollen gezielt Ärzte in Rest-Österreich angeschrieben werden. Ziel der Charme-Offensive: Man will Ärzte informieren, dass Wartezimmer-Musik Patienten entspannt und Atmosphäre erzeugt. Anbei gibt es einen Fragebogen für den Lizenz-Erwerb (= AKM-Abgabe) bei Musikdarbietung, der in rund einer halben Minute ausgefüllt und an die AKM zu retournieren ist.
Schlussendlich noch das Resultat einer (nicht ganz rezenten) Untersuchung in einer deutschen internistischen Praxis: Von 200 Patienten (123 Frauen) gaben 147 an, dass die Musik im Pulstakt von 60 Schlägen/Minute (Taktfrequenz von 60 Hz) sie „ruhiger werden lässt“, 87 empfanden die Wartezeit als verkürzt und 59 sich selbst als gelassener. n

Linktipp: www.akm.co.at

 AKM-Kosten pro Monat

Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche 36/2007

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