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Praxis 31. Mai 2007

Folge 14: fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen

Frage: „In dem Buch ,Arzt im Recht‘ geht es auf Seite 119 um „fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen“. Als Beispiele werden Alkoholisierung und Übermüdung angeführt. Ich glaube, dies sollte man den Krankenhausärzten mit sehr vielen Stunden durchgehend Dienst einmal detailliert sagen. Inwieweit stellt sich die Frage von Übermüdung und Alkoholisierung bei medizinischen Notfällen? Beispiel: Ein Arzt geht in seiner Freizeit um 12 Uhr nachts, müde und leicht besäuselt, nach Hause. Vor ihm wird eine Person von einem Auto niedergestoßen und lebensgefährlich verletzt. Wie soll er sich verhalten? Frage 2: Wie verhalte ich mich, wenn ein Patient nach nur 50 Prozent Aufklärung plötzlich, ohne ein Reverse oder Ähnliches zu unterschreiben, die Ordination/Praxis oder das KH verlässt?“

Antwort von Dr. Gerald Bachinger, NÖ Patientenanwalt

„Der Arzt muss ebenso wie Vertreter anderer Berufsgruppen mit großer Verantwortung vorerst einmal für sich selbst beurteilen, ob er psychisch und physisch einsatzfähig ist. Die Frage ist daher nicht generell mit ja oder nein zu beantworten, es hängt, wie so oft, von den Umständen des Einzelfalles ab. Die Abwägung, ob der Arzt im Rahmen seiner Verpflichtung zur Leistung erster ärztlicher Hilfe tätig wird, wird davon abhängen, ob es sich etwa um eine einfache medizinische Maßnahme oder um eine Maßnahme der „Ersten Hilfe“ wie etwa fachgerechte Lagerung eines Unfallopfers oder um eine qualifizierte medizinische Maßnahme, wie etwa das Setzen eines Tubus handelt. Es kommt also darauf an, zwischen der „Beeinträchtigung“ und der Schwere der notwendigen medizinischen Intervention abzuwägen. In die Abwägung muss auch einfließen, ob etwa andere professionelle Helfer bereits verständigt wurden und in Kürze eintreffen. Weiters ist die Gefährdung des Unfallopfers durch die „beeinträchtigte“ Handlung des Arztes abzuwägen gegenüber der Gefährdung des Lebens oder der Gesundheit des Unfallopfers durch die Unterlassung der ärztlichen Handlung.
Zur zweiten Frage: Eines der bedeutsamsten Menschenrechte und auch Patientenrechte ist das Selbstbestimmungsrecht.
Der Patient darf selbst entscheiden, Einsichts- und Urteilsfähigkeit vorausgesetzt, ob und wann er den Ort der Behandlung oder Aufklärung verlässt. Dem Arzt ist dringend zu empfehlen, in solchen Fallkonstellationen eine besonders genaue Dokumentation anzulegen. Vor allem, wenn es sich aus ärztlicher Sicht offenbar um eine „unvernünftige“ Entscheidung des Patienten handelt. Im Krankenhausbereich muss sogar eine Niederschrift aufgenommen werden. Jedoch kann eine Unterschriftsleistung des betroffenen Patienten nicht erzwungen werden. Wenn der Patient nicht unterschreiben will, ist dies ebenfalls zu dokumentieren. Ein Vermerk über anwesende Zeugen ist in solchen Ausnahmefällen hilfreich und dient zu Beweiszwecken.“

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Dr. Gerald Bachinger, Ärzte Woche 22/2007

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