zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 15. Mai 2007

Folge 12: Probleme mit Generika

Frage: „Welche rechtlichen Probleme kommen auf einen Arzt zu wenn er weiß, dass es in einem bestimmten medizinischen Bereich Probleme mit Generika gibt (etwa Galenik) und dadurch beispielsweise epileptische Anfälle ausgelöst werden und er trotzdem auf Druck der Kasse dieses Generikum verschreibt? Es gibt sehr viele Medikamente, die nach neuesten Erkenntnissen weit besser als andere Medikamente sind. Die Krankenkassen in Österreich bezahlen diese jedoch nur unter ganz bestimmten Kriterien. Wie weit muss ich den Patienten diesbezüglich aufklären über Medikamente, die er sich sowieso nicht privat leisten kann?“

Antwort von Dr. Gerald Bachinger, NÖ Patientenanwalt

„Wir bekommen durchschnittlich zwei Mal pro Tag solche Konstellationen auf den Tisch und suchen dann meistens gemeinsam mit dem behandelnden Arzt eine Argumentationslinie, wie wir den Chefarzt dann doch überzeugen können. Bei dieser Problematik stehen wir als Patientenanwälte auch Seite an Seite mit den Ärzten. Wie Experten immer wieder betonen, entsprechen Generika nicht immer dem Originalpräparat. Hier geht es vor allem um die Problematik, dass Bioäquivalenz nicht automatisch Therapieäquivalenz ist. Für die Beurteilung der juristischen Konsequenzen müssen wir uns die Verträge im Einzelnen ansehen. Einerseits muss der Arzt entsprechend dem Behandlungsvertrag den Patienten nach bestem Wissen und Gewissen „state of the art“ behandeln. Wenn er das aus welchen Gründen auch immer nicht tut, kann er in die Problematik von Behandlungsfehlern hineinkommen. Seine andere vertragliche Beziehung ist die mit den Krankenkassen, mit denen er die zusätzliche Verpflichtung zur ausreichenden, zweckmäßigen und das Maß des Notwendigen nicht überschreitenden Behandlung eingegangen ist. Er muss also immer kostengünstig denken, was grundsätzlich eine vernünftige Sache ist. Der Teufel liegt allerdings im Detail. Das führt zur Diskussion rund um den Erstattungskodex. Was ist für das Individuum die beste Behandlung, die auch gleichzeitig die kostengünstigste ist? Wenn es Auffassungsunterschiede zwischen dem verordnenden Arzt und dem Chefarzt gibt, gilt das Motto der „vollen Transparenz“. Das heißt, der Arzt muss den Patienten darüber aufklären, dass es nach seiner fachlichen Meinung ein besser geeignetes Medikament gibt, dieses aber von der Kasse nicht bezahlt wird. Der Patient hat dann die Wahl, entweder selbst zu bezahlen oder mit rechtlichen Mitteln wie etwa dem Recht auf Bescheiderlassung gegen die Kasse vorzugehen.“

Ein Service von ÄRZTE WOCHE, Basler Ärztedienst und IGMed.
Haben Sie juristische Fragen an unser Expertenteam? Senden Sie Ihre Frage per Mail an . Wir werden uns bemühen, umgehend eine kompetente Antwort darauf zu bekommen.

Dr. Gerald Bachinger, Ärzte Woche 20/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben