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Praxis 17. Jänner 2008

Nebenwirkung: Frontalzusammenstoß

Bis zu fünf Prozent der Autofahrer nehmen regelmäßig Medikamente, von denen sie wissen, dass sie die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Ein Symposium thematisierte Gefahren und Lösungsmöglichkeiten.

„Viele wissen über mögliche Medikamenten-Nebenwirkungen gar nicht Bescheid“, bemängelte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa im Rahmen eines Symposiums, zu dem der ÖAMTC und die Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs geladen hatten. Fakt sei, dass Medikamente das Unfallrisiko erhöhen können. Vor allem die unsachgemäße Einnahme stelle ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr dar.
Prof. Dr. Herwig Scholz, Vorstand der Abteilung für Neurologie und Psychosomatik des LKH Villach, forderte, dass bei jeder neuen Medikation der Beipackzettel besprochen und auch auf die Konsequenzen bei Nichteinnahme hingewiesen werden müsse. Auch Prof. Dr. Gerald Brandstätter, Leiter der II. Medizinischen Abteilung am Universitätsklinikum Graz, sieht in der Integration des Kranken in den Straßenverkehr eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht nur den Kranken schützt, während Doz. Dr. Rudolf Likar, Vorstand der Schmerzambulanz am LKH, erklärte, dass die Entscheidung, unter Einfluss von Schmerzmitteln ein Fahrzeug zu lenken, eine individuelle sei, die täglich aufs Neue getroffen werden müsse.

Prognose nicht möglich

Prof. Dr. Ilsemarie Kurzthaler von der Universitätsklinik für Psychiatrie Innsbruck hielt es angesichts des aktuellen Forschungsstandes für „nahezu unmöglich“, bei der Verschreibung von Psychopharmaka eine Prognose über die Dauer und Intensität der Leistungsminderung im Sinne der Unfallsicherheit zu stellen. „Das hat zur Folge, dass die Patientenaufklärung nur unzureichend bis gar nicht erfolgt.“ Für den Psychiater und Gerichtsgutachter Dr. Reinhard Haller, Vorstand der Krankenhaus-Stiftung Maria Ebene in Frastanz, ist klar, dass Medikamentenmissbrauch auch das „soziale Sicherheitsdenken“ beeinträchtigen oder die Zurechnungsfähigkeit aufheben könne.
Der ÖAMTC forderte eine international verbindliche Vereinheitlichung von Warnungen auf Medikamentenverpackungen. Außerdem sollten Patienten, die aufgrund einer Verschreibung regelmäßig Medikamente verabreicht erhalten, die verbotene Substanzen wie etwa Suchtmittel enthalten, durch Ausnahmebestimmungen von der Gefahr einer ungerechtfertigten strafrechtlichen Verfolgung als drogenbeeinträchtigte Fahrzeuglenker befreit werden.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 3/2008

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