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Praxis 4. Oktober 2007

Körper und Stimme effektvoll einsetzen (Teil 2)

Teil 1 der Ärzte-Woche-Serie zum Thema Vortragstechnik hat sich mit dem rhetorischen Aufbau von Reden und Referaten auseinandergesetzt, also damit, was gesagt wird. Teil 2 beschäftigt sich mit dem Stil eines Referats, also damit, wie die Vortragsinhalte stimmlich und gestisch präsentiert werden.

„Tous les genres sont bons, hors le genre ennuyeux“, hat der Philosoph und Schriftsteller François Marie Arouet Voltaire im 18. Jahrhundert befunden. Dass jeder Stil gut ist, außer dem langweiligen, gilt wohl auch für die moderne Vortragstechnik. Allerdings sollten in Bezug auf Stimmführung, Gestik und Körpersprache auch einige Details berücksichtigt werden, deren Nichtbeachtung zwar möglicherweise das Amüsement des Publikums nicht schmälert, wohl aber die Überzeugungskraft des Vortragenden.
„Klare und eindeutige Gesten, die bestimmte Aussagen unterstreichen, machen einen Vortrag lebendiger. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass sie nicht in übertriebenem Ausmaß eingesetzt werden oder gar mit den Händen gefuchtelt wird“, betont Claudia Reinisch, die bereits seit 14 Jahren als Stimmtrainerin und Präsenzcoach tätig ist.
Der US-amerikanische Kommunikationstrainer und Sachbuchautor Malcolm Kushner empfiehlt Vortragenden, gezielt Gelegenheiten für Gesten in ihre Präsentationen einzubauen. Solche gebe es etwa, wenn in der Form: „… auf der einen Seite“, „… auf der anderen Seite“ über alternative Handlungsmöglichkeiten gesprochen werde, schreibt er in seinem Ratgeber „Erfolgreich Reden halten für Dummies“. Bei Aufzählungen könne die entsprechende Anzahl an Fingern hochgehalten werden. Wenn über die Dimension einer Angelegenheit gesprochen werde, könne mit den Händen gezeigt werden, wie groß oder klein diese sei.
Aber was machen Sie mit Ihren Händen, wenn Ihr Vortrag gerade keine Gelegenheit für gezielte Gesten bietet? Kushner weiß jedenfalls genau, was überzeugungskräftige Redner damit alles nicht anstellen sollten: Die Hände sollten nicht in die Hüften gestützt oder in der Feigenblattstellung im Schritt übereinander gelegt und die Arme weder vor der Brust noch hinter dem Rücken verschränkt werden.
Laut dem US-Experten ist prinzipiell nur eine Position anzuraten: „Halten Sie Ihre Hände vor dem Oberkörper etwa so wie in Albrecht Dürers berühmtem Bild Betende Hände… Behalten Sie diese Position aber nicht bei. Das soll nur ein Zwischenstopp sein. Während Sie reden, werden Ihre Hände ganz von selbst auseinandergehen. Manchmal weit, manchmal nur ein wenig.“ Dr. Fleur Wöss, auf Mediziner spezialisierte Rhetoriktrainerin in Wien, empfiehlt für den Beginn eines Vortrages eine ähnliche Grundstellung, nämlich mit angewinkelten Armen auf Höhe der Taille.

Mit dem Publikum in Kontakt

Die Basis für eine klare Gestik sowie für die richtige Stimmführung ist aber zunächst einmal ein aufrechter, guter Stand, mit etwa beckenbreit auseinander gestellten Füßen. Das Gewicht sollte gleichmäßig verteilt werden. „Das geht am besten nach der 3-Punkt-Technik“, erklärt Reinisch. Nach dieser Methode sollte das Gewicht etwa in der Mitte zwischen zwei Punkten vorne innen und außen am Fußballen und einem Punkt hinten an der Ferse liegen. Während der Unterkörper solide auf beiden Beinen steht, sollte der Oberkörper eher entspannt sein, eventuell mit etwas nach hinten unten gezogenen Schulterblättern. So sind Vortragende einsatzbereit für befreite Gesten.
Falls ein Rednerpult vorhanden ist, sollten sich Referenten, wenn überhaupt, immer nur kurzfristig darauf abstützen. Falls kein Pult verwendet wird, ist eine leicht seitliche Standposition möglich, indem ein Fuß leicht zurückgesetzt wird. Das soll Rhetorikexperten zufolge entspannt wirken. Zu Beginn eines Vortrages auf beiden Beinen stehen zu bleiben, lässt den Redner souverän erscheinen. Später können durchaus auch einige Schritte gemacht werden – freilich nicht allzu viele und nur wohl gesetzte. Der Blick bleibt dabei natürlich auf das Auditorium gerichtet.

Berührende Geister

Was den Augenkontakt betrifft, empfiehlt Rhetoriktrainerin Wöss, jeweils „einzelnen Zuhörern vier bis fünf Sekunden in die Augen zu schauen“, und zwar so lange, bis der Vortragende das Gefühl habe, dass sich „ihrer beider Geist berührt“ habe. Sobald so eine Resonanz gefunden worden sei, könne dann der nächste Zuhörer ange­blickt werden.
Die positive Wirkung durch einen entspannten aufrechten Stand und sparsame, klare Gesten kann allerdings wieder zunichte gemacht werden, falls Redner ihr Referat dann nuschelnd oder in monotonem Tonfall vortragen. Mit Hilfe einiger Praxis-Tipps ist es jedoch jedermann und jeder Frau möglich, auch stimmtechnisch überzeugend vor ein geneigtes Publikum zu treten.
„Die richtige Atemtechnik ist die Basis für eine gute Stimmführung“, erklärt Claudia Reinisch, die für dreimal 90 Minuten Stimmtechniktraining und Präsenzcoaching mit Videoanalyse insgesamt 285 Euro verrechnet und deren Angebote im Internet unter www.atem-stimme.at dargestellt werden.

Bis zur letzten Reihe sprechen

Tiefe Bauchatmung trägt also dazu bei, gut bei Stimme zu sein. Wer die folgende Atemübung vor einem Vortrag mehrmals hintereinander ausführt, kann sich dadurch aber gleichzeitig auch entspannen: Zuerst wird acht Pulsschläge lang ausgeatmet, dann folgt eine Pause von vier Pulsschlägen, dann wird vier Pulsschläge lang eingeatmet. Die Luft für das Einatmen sollte sich der Körper dann ganz von alleine holen. Das heißt, der Bauch wölbt sich automatisch nach vorne, ohne dass dies bewusst gesteuert werden müsste.
Die richtige Modulation trägt schließlich dazu bei, dass es nicht dazu kommt, dass einzelne Zuhörer einen Vortrag dazu nutzen, mögliche Schlafdefizite auszugleichen. Laute und leise, betonte und unbetonte, langsame und schnelle sowie eventuell auch hohe und tiefe Passagen sorgen für angenehme Abwechslung während einer Rede. Mit Pausen kann für zusätzliche Spannung gesorgt werden, falls diese an der richtigen Stelle und nicht allzu oft eingesetzt werden. Vor allem sollte aber auch darauf geachtet werden, dass das Referat vom Beginn bis zum Schluss für das gesamte Publikum hörbar ist. „Achten Sie stets darauf, bis zur letzten Reihe zu sprechen“, betont Reinisch.

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 40/2007

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