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Praxis 6. Juli 2007

Mühsame Anfänge

Die ersten 18 Monate sind geschlagen. Mittlerweile gehört das vernetzte e-Card-System zum Standard in den meisten Ordinationen. Nach anfänglichen Bedenken haben sich die Ärzte mittlerweile gut an die zu Beginn teilweise skeptisch aufgenommene Neuerung gewöhnt.

„Im Großen und Ganzen kann man durchaus behaupten, dass das e-Card-System inzwischen gut läuft“, so Wolfgang Gruber, Geschäftsführer des Ärztesoftwareanbieters Gruber ÄDV aus Enns. Er sieht Vorteile für die Ärzte auch vor allem deshalb, weil sofort erkannt werden kann, ob ein Patient versichert ist. „In Kombination mit geeigneter Software konnten auch die Verwaltungsvorgänge dahinter stark vereinfacht werden“, so Gruber.
Dies beginnt bei der automatischen Aufnahme der Stammdaten und geht über Schein- und Konsultationsverwaltung. Nur die wenigsten Ärzte können sich noch vorstellen, wie das noch vor zwei Jahren war. „Problematisch ist nur die zeitmäßig sehr eingeschränkte Erreichbarkeit der jeweiligen hotlines.“ Obwohl das System relativ wenig ausfällt, steht man manchmal am Wochenende vor Problemen. „Wenn das System an einem Freitagabend streikt, hat man vor Montagmorgen keine Chance, jemanden zu erreichen. Das fällt dann natürlich auf unsere über das Wochenende dienstbereite hotline zurück.“

Mittlerweile haben die Patienten auch den Umgang erlernt

„Nach unserer Erfahrung sind die Probleme etwa durch fehlerhafte Karten eher gering. Das erste halbe Jahr war in Summe jedoch für alle Beteiligten wie Ärzte, EDV-Anbieter und auch Hauptverband eher mühsam.“ Das Hauptproblem bei auftretenden Problemen war nämlich häufig zunächst die Klärung, wessen Problem jetzt eigentlich zu behandeln ist. „Ob auftretende Fehler durch das e-Card-System oder durch den Softwareanbieter verursacht wurden.“
Zu Beginn wurde innerhalb Grubers Mannschaft auch heftig über den zusätzlich aufgetretenen Arbeitsaufwand gestöhnt, dieser hat jedoch inzwischen wieder das normale Ausmaß angenommen. Mittlerweile haben auch die Patienten mehrheitlich begriffen, wie man mit der Karte umzugehen hat. Nach Grubers Information gibt es übrigens nur noch ganz wenige Ärzte, die das e-Card-System nicht vernetzt nutzen. „Großteils aus Investitionsunwille, etwa weil der Ruhestand kurz bevorsteht.“ Es gibt übrigens auch noch immer genügend Ärzte, die überhaupt keine EDV verwenden und über das e-Card-System Ersatzscheine ausdrucken. Im Großen und Ganzen bestehen mittlerweile nach Erfahrung von Gruber selbst bei Ersatzschaltungen nur noch unwesentliche Probleme mit der e-Card. „Die Telekom muss natürlich auch bei der Leitungserstellung eine Kosten-Nutzen-Rechnung durchführen, die unter Umständen gerade ländliche Gegenden manchmal benachteiligt.“ Während herkömmliche Telefonanschlüsse überall zur Verfügung gestellt werden müssen, besteht diese Verpflichtung für die Telekom bei Breitbandinternet nicht. „Es gibt laufend Gespräche zwischen Hauptverband, Ärztekammer und Telekom, um eine Breitbandlösung für alle Ärzte zu erreichen.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 27/2007

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