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Praxis 28. September 2007

Antragsprüfung und Risikomanagement bei Versicherungen

Für eine Versicherungsgesellschaft ist die Risikoprüfung ein ganz wichtiger erster Schritt für eine Vertragsgestaltung. Ebenso für den zukünftigen Kunden, der darauf vertrauen darf, dass nach Prüfung der Unterlagen die Ab­sicherung seines Betriebes gewährleistet ist.

„Der Antrag soll dem Versicherer alles Wissenswerte über seinen zukünftigen Vertragspartner vermitteln, um eine bestmögliche Risikoeinschätzung vornehmen zu können. Die Antragsprüfung hat hohen Prioritätscharakter“, sagt Dir. Wilhelm Zieger vom Basler Ärztedienst aus Graz. „Schließlich soll eine langjährige Partnerschaft gewährleistet sein.“

Umfangreicher Fragenkatalog

Die Antragsprüfung umfasst laut Zieger zwei Themenkreise. Zunächst erfolgt die Erhebung der allgemeinen Daten, wie Versicherungssumme, Prämie, Selbstbehalt und medizinische Fachrichtung. Danach die Darlegung des Gesundheitszustandes mit Beantwortung der Gesundheitsfragen. „Diese sind ein ganz wesentlicher Bestandteil eines Antrages. Die Fragen nach dem Gesundheitszustand sind, und es kann gar nicht oft genug gesagt werden, selbstverständlich genauestens zu beantworten.“ Diese Prüfung stellt für den Versicherer die einzige Möglichkeit dar, ein zukünftiges Risiko einzuschätzen. Auch Krankheiten, die dem Kunden vielleicht nicht erwähnenswert erscheinen, sollten angegeben werden. „Auch Unfälle die man erlitten hat, aktuelle Beschwerden, Medikamente, die laufend eingenommen werden. Alles kann von Bedeutung sein und es sollte sich niemand scheuen, diesbezügliche Angaben zu machen“, betont Zieger.
Die Fragen am Antrag sind aus diesem Grunde auch sehr umfangreich. Gibt es hinsichtlich des Gesundheitszustandes nichts zu berichten, dann wird der Antrag betreffend der allgemeinen Daten geprüft und die Polizze ausgestellt. „Bestehen allerdings gesundheitliche Probleme, dann werden, wenn erforderlich, Krankengeschichten eingeholt und Gespräche mit dem Kunden geführt, um zu einer besseren Einschätzung zu kommen. Tritt nun der Fall ein, dass Vorerkrankungen bestehen, wird ein Vertrag für den Kunden maßgeschneidert.“

Maßgeschneiderte Polizze

Die Polizze enthält alle Ausschlüsse oder auch Deckungseinschränkungen, so dass im Schadenfall keine Unklarheiten bestehen. Was passiert aber, wenn die Gesundheitsfragen nicht vollständig beantwortet oder wenn Krankheiten oder Unfälle nicht angegeben wurden?
Tritt ein Schadenfall ein und wird im Zuge dessen der Versicherer auf ein vorvertragliches Ereignis aufmerksam, liegt eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung vor, die in jedem Fall zur Leistungsfreiheit führt. „Das bedeutet, dass eine sofortige Stornierung des Vertrages erfolgen kann und auch der Schaden unter Umständen ohne Zahlung erledigt wird“, so Zieger. „Diese Situation kann für den Kunden höchst unangenehm sein, da eine Leistungsverweigerung unter Umständen auch mit einer hohen finanziellen Einbuße verbunden ist.“ Beide Vertragspartner im Versicherungsbereich arbeiten auf einer hohen Vertrauensbasis und wollen nicht enttäuscht werden. „Die Versicherer wollen schließlich auch den Anforderungen des Kunden gerecht werden.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 39/2007

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