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Praxis 13. September 2007

Gedanken zum steuerlichen Herbst

Die Urlaubszeit ist für die meisten Ärzte vorbei. Nach dem Sommer hofft man auf einen goldenen Herbst. Die Kinder gehen wieder zur Schule, der Alltag hat uns alle wieder. Umsatz soll und muss wieder gemacht werden. Die richtige Zeit, sich um die Ökonomie der Praxis Gedanken zu machen und die Weichen für den steuerlichen Herbst zu stellen.

„Die Saldenliste zum 30.6.2007 sollte bereits in den Händen der Ärzte sein“, so Mag. Manfred Kenda, MEDTAX-Steuerbaretar aus Klagenfurt. Diese Tage sind aus seiner Sicht der richtige Zeitpunkt, sich einige wirtschaftliche Gedanken für die verbleibenden Monate des Jahres 2007 zu machen. „All diejenigen, deren Umsatz hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, müssen Überlegungen zur Ankurbelung des Umsatzes anstellen“, so Kenda. Zunächst muss jedoch Ursachenforschung betrieben werden. Woran liegt es, dass der Umsatz nicht den Vorstellungen entspricht? Sollte man sinnvolle Marketingaktivitäten setzen oder muss man schlicht und ergreifend in seiner Ordination einige Änderungen vornehmen?
Sollte der Umsatz und der voraussichtliche Gewinn zufrieden stellend ausfallen, ist es an der Zeit, sich über die steuerlichen Auswirkungen einige Gedanken zu machen. Wer zahlt schon gerne viel Steuern? Also nichts wie ran ans kreative Denken. Um das Nettoeinkommen zu verbessern, gibt es laut Kenda nur zwei Möglichkeiten: „Entweder Kosten sparen oder den Umsatz erhöhen.“ Bei gut etablierten Ordinationen ist jedoch meistens bereits der maximale Umsatz erreicht. Viele Arztpraxen leiden nach seiner Erfahrung eher unter der „Umsatz-Kosten-Schere.“ Das bedeutet, dass die Umsätze gleich bleiben, die Kosten aber zumindest um etwa den Verbraucherpreisindex steigen. „Das Ergebnis daraus sind sinkende Gewinne“, so Kenda.
Er empfiehlt daher permanentes Durchforsten der Kostenstruktur. Besonders „anfällig“ für Verbesserungen bei der Liquidität und den Kosten sind Kredite. „Hier gilt es, den Zinssatz zu checken, ja sogar generell die Konditionen zu überprüfen oder auch Überlegungen zur Restlaufzeit anzustellen. Hier steckt oft ein großes Einsparungspotenzial. Ähnlich ist es auch bei den Betriebsversicherungen. Sind die Betriebsversicherungen noch zeitgemäß oder würde ein Entstauben ganz gut tun?“ Doch die Überprüfung sollte nicht nur die Kosten umfassen. Wie sieht es mit den Versicherungssummen in den einzelnen Sparten aus? Reicht die Betriebsunterbrechungsversicherung aus? Sind wirklich alle Einrichtungen in der Ordinationsinhaltsversicherung gedeckt? Will man vielleicht eine Elektrogeräteversicherung für teure medizinische Geräte? Die Personalkosten sind in der Regel eine der größten Kostenpositionen in einer Ordination.

Kreative Lösungen sind gefragt

Daher sollten kreative Lösungsansätze wie Pensionskassen oder die freiwilligen steuerfreien Versicherungen in Höhe von 300 Euro durchaus geprüft werden. Hat man vielleicht sogar zu viele Mitarbeiter für die anfallende Arbeit? Ausbildung der Mitarbeiter wird übrigens steuerlich begünstigt. 20 Prozent der Aus- und Fortbildungskosten dürfen für externe Maßnahmen zusätzlich als Bildungsfreibetrag geltend gemacht werden. Ein weiterer Punkt aus Sicht von Kenda sind die Investitionsentscheidungen: „Wie schon allgemein bekannt, hat uns die Finanz für das heurige Jahr mit dem Freibetrag für investierte Gewinne ein besonderes Zuckerl zur Verfügung gestellt. Man darf im Jahr 2007 bis zu zehn Prozent des Gewinns des Jahres 2007 steuerlich abziehen, und das bis zu einer Höhe von 100.000 Euro.“ Wer also einen Gewinn von 150.000 Euro erwirtschaftet, darf sich 15.000 Euro abziehen, wenn die entsprechenden Investitionen getätigt wurden. Somit sind nur mehr 135.000 Euro zu versteuern.
Man muss dafür nur in begünstige Wirtschaftsgüter investieren. „Begünstigte Wirtschaftsgüter sind abnutzbare körperliche Anlagegüter mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren. Nicht begünstigt sind Gebäude, PKW und Kombi, Geringwertige Wirtschaftsgüter mit einem Anschaffungswert unter 400 Euro sowie gebrauchte Wirtschaftsgüter. Einschränkungen darüber hinaus treffen Ärzte im Regelfall nicht“, erklärt Kenda.
Wer keine der oben genannten Investitionen tätigt, hat aber auch die Möglichkeit, Wertapapiere zu kaufen. Es sind hier nur bestimmte Wertpapiertypen zulässig, nämlich jene, die den Kriterien für Wertpapiere für die Abfertigungsrückstellung entsprechen. Diese Wertpapiere müssen dann vier Jahre im Unternehmen bleiben. Die Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer bleibt davon unberührt.

Genau nachrechnen

Wer eine größere Steuernachzahlung für das Jahr 2006 erwartet, sollte genau nachrechnen. Ab 1. Oktober beginnt wieder die jährliche Anspruchsverzinsung. Wie auf einem Bankkonto werden ab diesem Zeitpunkt Zinsen berechnet. Durch die Vorauszahlung des prognostizieren Betrages Anfang Oktober kann man dieser Verzinsung entgehen. Die Anspruchszinsen sind steuerlich nicht abzugsfähig. Der Zinssatz beträgt derzeit 5,19 Prozent. Diese Anspruchszinsen werden auch für Finanzamtsgutschriften gewährt. Es kann also Sinn machen, die Steuererklärung noch nicht abzugeben, wenn man eine größere Gutschrift erwartet.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 37/2007

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