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Praxis 13. September 2007

Gut gerüstet in die Niederlassung

Der Trend zur eigenen Praxis hält unverändert an. Immer mehr Ärzte schaffen sich neben dem Job im Spital ein Standbein in der Niederlassung. Aber nicht nur das: Kassenstellen werden zwar derzeit noch sehr restriktiv vergeben, aber in den kommenden Jahren ist mit einer großen Übergabewelle zu rechnen, da die erste größere Generation von Kassenärzten in die Altersklasse des Ruhestands kommt.

„Nicht auszudenken, wenn die Pläne des Gesundheitsministeriums wahr gemacht werden, die eine wesentlich größere Beteiligung des niedergelassenen Bereichs an der ärztlichen Versorgung in Österreich vorsehen“, so Wilhelm Zieger, der gemeinsam mit Dagmar Triller den Basler Ärztedienst in Graz leitet.
Gut vorbereitet in die Niederlassung lautet hierbei das Stichwort. Der Basler Ärztedienst wurde im Jahr 2002 neu strukturiert, um eine intensive Beschäftigung mit den mannigfaltigen wirtschaftlichen und rechtlichen Problemen der Ärzteschaft zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Basler das Dienstleistungsangebot erweitert und sich über das bisherige Kerngebiet Ärzteversicherungen hinaus auch mit Finanzierungen für Ärzte befasst. Eine hochwertige Standort­analyse rundet das Dienstleistungsspektrum ab. Ein Hauptbestandteil ist das Praxis & Wirtschaft Gründungsseminar mit Planspiel, welches in Zusammenarbeit mit der Ärzte Woche bereits für fast 1.500 Teilnehmer in allen Regionen Österreichs in den vergangenen fünf Jahren durchgeführt wurde.
So stehen im heurigen Herbst wieder fünf Termine zur Auswahl (siehe Kasten), wobei die Inhalte ständig weiter entwickelt und damit sehr gut an die aktuelle Entwicklung in den wesentlichen ökonomischen und zunehmend auch juristischen Bereichen angepasst werden. Das Seminar ist weitestgehend standardisiert und weist für jedes Bundesland identische Fixpunkte auf. So darf ein Themenbereich nicht fehlen, der in der Realität zu Beginn der Niederlassungsgedanken geprüft werden sollte. Dagmar Triller vom Basler Ärztedienst referiert über die immer wichtiger werdende Standortanalyse, und zwar ganz egal, ob im Wahlärzte- oder Kassenbereich.
„Nachdem die Anzahl an Ärzten laufend steigt und daher auch Begriffe wie Konkurrenzkampf, Marketing oder Verdrängungswettbewerb auch für die Führung einer ärztlichen Praxis an Bedeutung gewinnt, und unternehmerisches und wirtschaftliches Denken auch von einem Arzt verlangt wird, bekommt die Wahl des idealen Praxisstandortes zunehmende Bedeutung“, so Triller. Im unmittelbaren Anschluss werden die Themen ärztliche Aufklärung und Information sowie Versicherungsmanagement aufgearbeitet. Dieser Bereich gewinnt leider mehr und mehr an Bedeutung, da der Spagat zwischen den rechtlichen Grundlagen und den Arbeitsbedingungen in der Ordination speziell in Kassenpraxen immer schwieriger zu vollbringen ist.
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt nämlich, dass sich Ärzte strafrechtlich in einer zunehmend prekärer werdenden Situation befinden. „Patienten und deren Angehörige neigen dazu, beim kleinsten angeblichen Fehler eines Arztes einen Rechtsanwalt zu bemühen“, so Zieger. Man muss weiters bedenken, dass sich viele Ärzte einem ­enormen Arbeitsdruck ausgesetzt sind, allein hierdurch steigt die Gefahr, einen ärztlichen Kunstfehler zu begehen, und damit die Wahrscheinlichkeit, sich einer Strafanzeige und damit einem Strafverfahren auszusetzen. Doch hiergegen kann man vorsorgen: Einerseits durch geeignete Absicherung für den Fall der Fälle mittels Versicherungen, andererseits durch optimierte Arbeitsweise inklusive der notwendigen Vorkehrungen bei ärztlicher Aufklärung und Dokumentation.
Der Seminarteil „Ärztliche Praxis im Spannungsfeld“ befasst sich mit allen Fragen rund um die wahlärztliche Ordination. „Fragen, die auch aufgrund der sich in enormer Geschwindigkeit ändernden Situation in der Niederlassung auch für Kassenärzte immer wichtiger werden“, weiß Dr. Christoph Reisner, der diesen Teil in den meisten Bundesländern betreut und mittlerweile Ärztekammerpräsident in Niederösterreich ist und das Wahlärztereferat der Österreichischen Ärztekammer leitet. So sollten dessen Ansicht nach die Bereiche Marketing und auch Honorarkalkulation in allen Ordinationen präsent sein.
Auch die Bereiche Steuer und Betriebswirtschaft nehmen einen immer größer werdenden Platz im wirtschaftlichen Handwerkszeug niedergelassener Ärzte ein. Die Zeiten sind nämlich vorbei, in denen man sich als Arzt im Wesentlichen nur über die Grundlagen einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung Gedanken machen musste. Kaum ein Arzt wird in den kommenden Jahren an den zahllosen Modellen für ärztliche Kooperationsformen vorbei kommen, die es bereits heute gibt. Dieser Bereich wird im Seminar überwiegend von regional verfügbaren Steuerberatern der MEDTAX-Gruppe abgedeckt.
„Im Wahlärztebereich sind es überwiegend Modelle von Untervermietung oder Kostengemeinschaft, die sich bereits auf breiter Front durchgesetzt haben“, so Reisner. Im Kassen- und Wahlärztebereich sollten trotzdem Grundkenntnisse über die Gesellschaftsformen OEG und auch GesmbH bereits heute vorhanden sein, da es durchaus realistische Chancen für eine Zukunft mit wesentlich umfangreicheren Kooperationsmöglichkeiten gibt. „Denn eine ganze Menge Wahlärzte könnten Kooperationspartner in zukünftigen Gruppenpraxen auf Kassenbasis werden.“ Besonders beleuchtet wird die Situation der Allgemeinmediziner als Wahlärzte. „Gerade diese Berufsgruppe steigt massiv an. Ohne klares Praxisführungskonzept und klares Honorarsystem sind diese Ärztinnen und Ärzte in der Wahlarztordination zum Scheitern verurteilt“ so Reisner weiter.

Schwierige Kreditaufnahme

Zentrales Thema für Ärzte aller Kategorien, jedoch auch für Privatpersonen ist der Bereich ums Geld. „Eine Kreditaufnahme für Ärzte wird immer schwieriger, die Ansprüche an Plausibilitäsberechnungen und Bonitätsnachweise sowie Besicherungen steigen stetig an“, so Triller. So reicht die Berufsbezeichnung schon lange nicht mehr für gute und vor allem schnelle Kreditvergabe aus, heute wird das Profil des Kreditwerbers genau beurteilt. Und von dieser Einschätzung hängen nicht nur die Kreditzusage, sondern ganz wesentlich auch die Konditionen eines Kredites ab.
Hierbei geht es um glaubwürdige, realistische und detaillierte Businesspläne. Je besser die Bonität eines jungen Arztes ist, umso günstiger sind seine Finanzierungskosten. „Und eine gute Planrechnung wirkt natürlich positiv auf die Bonität.“ Während bei etablierten Ärzten vor allem im Kassenbereich die Kreditbeurteilung aufgrund von zahlreichen vorhandenen Daten aus der Vergangenheit relativ leicht beurteilt werden kann, sind Neukredite, die in zunehmendem Maße an Wahlärzte vergeben werden, eher schwierig im Voraus zu beurteilen. In weiterer Folge geht es um die Bewertung der Kreditangebote. „Die Zinsen sind zwar wichtig, aber ein minimal besserer Zinssatz nützt nichts, wenn die anderen Bedingungen eines Kreditvertrags nicht optimal sind“, so Triller.
So gibt es auch Spesen, die unverhandelbar sind. Einzig die staatliche Kreditvertragsgebühr ist fixiert, verhandelbar sind die Bearbeitungsgebühr, die Devisenkommission, der Aufschlag (Marge), die Abschlussposten und der Abschlusstermin, die Geldbeschaffungskosten, Krediteröffnungsgebühr sowie die Schätzgebühr. Damit wird ein objektiver Vergleich zwischen mehreren Angeboten für den Laien fast unmöglich gemacht.

Planspiel für Gründer

Das Praxis & Wirtschaft Gründungsseminar wird durch das mittlerweile fix etablierte Praxisgründungsplanspiel abgerundet. Bei diesem interaktiven Seminarteil werden alle relevanten Geldflüsse zusammengefasst. Ausgehend von einem Niederlassungswunsch werden unter Zugrundelegung der privaten Finanzplanung eines fiktiven Arztes die Niederlassungsmöglichkeiten in der Gruppe ausgearbeitet. Die Teilnehmer werden mit einem definierten Szenario konfrontiert, die finanziellen Auswirkungen von betriebswirtschaftlichen Entscheidungen werden in das Planspiel eingearbeitet. Der Teilnehmer erkennt so etwa die Auswirkung einer Investition auf das Nettoeinkommen. Dadurch entsteht eine komplette Finanzplanung für den betrieblichen und privaten Bereich, in der alle möglichen Kosten und Ertragspositionen ersichtlich sind.
Damit dies auch wirklich zur Hilfe bei der eigenen Praxisplanung wird, bekommt der Teilnehmer das Endergebnis auf Wunsch per E-Mail zugeschickt.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 37/2007

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