zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 19. Juli 2007

Keine Kontinuität bei Geldflüssen in der Praxis

Die meisten niedergelassenen Ärzte kennen das Gefühl, dass es manchmal ohne wirkliche Begründung finanzielle Engpässe gibt. Schuld daran sind eigentlich ganz normale Entwicklungen auf der persönlichen und beruflichen Ebene. Wer die Vorgänge kennt, kann sich darauf einstellen und dann auch dafür sorgen, dass die Situation nicht mit größeren Bonitätsproblemen endet.

Betrachten wir einmal die Grafik: Auf einer Achse sind die typischen Größenordnungen des ärztlichen Einkommens und des Privatverbrauchs abgetragen, auf der anderen Achse das Lebensalter. In dieser Grafik sind drei Linien zu erkennen. Als erste Größenordnung wird der Privatverbrauch dargestellt. Diese Linie ist geprägt von einem kontinuierlichen Anstieg, der sich in der Größenordnung der Inflation bewegt. Prägend sind weiters zwei typische Verhaltensmuster. Nämlich Nestbau und Brutpflege, also die Finanzierung eines Eigenheimes mittels Abstattungskredit auf 20 Jahre sowie in diesem Fall zwei Kinder, die im normalen zeitlichen und finanziellen Rahmen bis einschließlich Studium finanziell unterstützt werden.
Parallel dazu die Line „Familien­einkommen“. Diese wird überwiegend durch das Betriebsergebnis einer Arztordination gebildet, unter Berücksichtigung einer „normalen“ auf die Familie bezogenen Einkommenssituation des Lebenspartners. Die Ordinationsfinanzen sind jedenfalls geprägt von Honor­aranpassungen unter der Inflationsrate und mehreren Investitionsschüben mit der jeweils typischen Finanzierung. Die Berg- und Talfahrt zu Beginn liegt übrigens an der Situation in Sachen Steuer und Sozialversicherung zu Beginn einer freiberuflichen Tätigkeit. Es dauert in aller Regel etwa fünf Jahre, bis sich die Zahlungen an das richtige Niveau angepasst haben.
Wenn nun beide Linien in typischer Art übereinander gelegt werden, also wenn sich bestimmte berufliche und betriebliche Lebensphasen zeitlich decken, kommt es zur Linie „Kapitalreserve“. In unserem Beispiel ist beim Alter von 55 Jahren eine Neuinvestition in der Ordination fällig, alte Kredite sind jedoch noch nicht ganz zurückgezahlt, zwei Kinder studieren und der Kredit für das Privathaus ist auch noch mit geringem Rest offen. Das sorgt für eine kontinuierliche Abwärtsbewegung der „Kapitalreserve“, obwohl die Ordination „brummt“ und von Jahr zu Jahr steigende Umsätze und Gewinne verzeichnet. Der betreffende Arzt hat zu Recht das Gefühl, wie ein Pferd zu arbeiten und trotzdem die Girokonten ständig überziehen zu müssen.
Die Auswirkungen können schmerzhaft sein. Wer eine ohnehin schon gespannte finanzielle Situation zu beklagen hat, kann durch diese „normalen“ Vorgänge leicht in die Zwickmühle kommen. Dies bedeutet im besten Fall eine Aufnahme von Neukrediten zu üblicherweise schlechten Konditionen. Wenn die Sache ganz dumm läuft und eventuell noch ungeplante Vorfälle wie Ehescheidungen hinzukommen, kann‘s richtig brenzlig werden. Da sich der Engpass oftmals erst bei der Steuerzahlung aufgrund von gutem Betriebsergebnis zeigt, versuchen viele Ärzte gerne auch auf Anraten ihrer Steuerberater die Lage durch neue Investitionen zu bereinigen. Dies führt jedoch nur noch mehr in die Enge.
Doch wie kann man richtig vorbeugen? Die beste Prophylaxe ist das vernünftige „Einstellen“ des Privatverbrauchs auf die Gegebenheiten mit einer ordentlichen Sicherheitsreserve. Wer wie bei unserem Beispiel im Alter von 45 bis 50 alles Verdiente verbrauchen würde, kommt nie aus der Schuldenfalle heraus. Verhält man sich jedoch so wie der in der Tabelle dargestellte Arzt, können Reserven geschaffen werden, mit Hilfe derer man die schweren Phasen übertauchen kann. Auch die Phase der Pension darf hierbei nicht vergessen werden.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 28/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben