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Praxis 30. Oktober 2007

Genauigkeit zählt, denn die Probleme liegen im Kleingedruckten

Bekanntlich verdienen Freiberufler nur dann, wenn sie tatsächlich arbeiten – anders als Angestellte, deren Gehalt auch im Krankheitsfall weiterläuft.

Krankheit kann für freiberuflich Tätige zur wirtschaftlichen Kata­strophe wer­den. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung hilft gegen die entstehende Lücke zwischen betrieblichen und privaten Ausgaben einerseits und dem Umsatzentfall andererseits. Bei der Antragsprüfung kommt es jedoch immer wieder zu Schwierigkeiten. „Schon beim Abschluss ist der Vertragstext ganz genau zu studieren, damit es später nicht zu Problemen bei Schadensfällen kommt“, sagte Dir. Wilhelm Zieger vom Basler Ärztedienst im Rahmen des Praxis & Wirtschaft Gründungsseminars in Linz. „Leider sind die Bedingungen von Juristen verfasst und daher für juristische Laien nicht lesbar.“
Wie bei anderen Versicherungen kennen die Versicherungsbedingungen von Betriebsunterbrechungsversicherungen zahlreiche Ausnahmen, die der Kunde im Vorfeld kennen sollte. „Unfälle unter Alkohol und Rauschgift, Unfälle aufgrund einer Straftat mit Vorsatz sowie Unfälle bei Aus­übung ganz bestimmter Sportarten sind ausgeschlossen. Es ist jedoch nicht immer exakt definiert, was wirklich gefährlich ist. Wer eine Sportart betreibt, von der er glaubt, dass sie gefährlich sein könnte, sollte das im Vorfeld melden und verlangen, dass es schriftlich festgehalten ist“, meinte Zieger.

Im Zweifelsfall zählt nur das Geschriebene

Er empfiehlt auch, eine Kopie des Antrags zu verlangen und bei Polizzenerhalt zu kontrollieren. Es sollte überprüft werden, ob die Vereinbarungen auch wirklich umgesetzt werden. „Im Zweifelsfall zählt nur das Geschriebene.“ Unversicherbar für eine Betriebsunterbrechung sind auch bereits bestehende Erkrankungen. „Die Versicherer verlangen zwar keine ärztliche Untersuchung, man sollte jedoch trotzdem nichts vergessen.“ Schwangerschaft ist übrigens unversicherbar, da die Abdeckung nicht planbarer Ereignisse bei Versicherungen im Vordergrund steht.
Zur Versicherungssumme: Zieger unterscheidet zwischen Kos­tenversicherung und Umsatzversicherung. „Bei Eröffnung sollte zunächst nur eine Kostenversicherung greifen, Umsatzprognosen sind zu Beginn noch zu vage zu treffen. Man sollte sich überlegen, welche Kosten unverzichtbar abzudecken sind. Die monatliche Summe mal zwölf sollte die Startsumme sein.“
Als Obergrenze für die Umsatzversicherung gilt der Jahresbruttoumsatz minus variable Kosten. Variable Kosten sind Kosten, die nur beim Betrieb der Ordination anfallen. Darüber hinaus gilt selbstverständlich immer das Bereicherungsverbot. Man darf also nicht mehr versichern, als der Betrieb tatsächlich hergibt. Zwischen Umsatzversicherung und Null ist alles möglich, die Kostenversicherung sollte jedenfalls das Minimum sein.
Zieger empfiehlt unbedingt den Abschluss einer so genannten Taxvereinbarung. Das bedeutet die Auszahlung eines Fixbetrages im Schadensfall, ohne dass die Gesellschaft den tatsächlichen Umsatz­entgang prüft. Wenn zusätzlich der „Unterversicherungsverzicht“ vereinbart wird, kann die Leistung im Schadensfall nicht gekürzt werden, obwohl vielleicht bei 200.000 Euro Umsatz nur 100.000 Euro versichert sind.
Es sollte auch vereinbart werden, dass trotz Vertretung im Schadensfall ausbezahlt wird. Die Haftungszeit einer Betriebsunterbrechungsversicherung beträgt zwölf Monate. „Das bedeutet nicht, dass die Zahlungszeit zwölf Monate beträgt.“ Wenn der Betrieb bei einer Erkrankung zwei Wochen geschlossen ist, zahlt die Versicherung. Danach gilt für diese Erkrankung noch eine Haftungszeit von zwölf Monaten, nach dieser Zeit wird nicht mehr gehaftet.

Variante mit Haftungszeit

Heutzutage ist es für viele Gesellschaften ein Argument, sich vom Kunden zu verabschieden, sobald es „brenzlig“ wird. Wer eine Variante mit Haftungszeit hat, sollte laut Zieger am besten auch vereinbaren, dass bei einer Kündigung durch die Versicherung die Haftung nicht außer Kraft gesetzt wird.
Man sollte seiner Meinung nach jedoch immer bedenken, dass die Versicherung eine Gefahrengemeinschaft ist. Versicherungen erkennen die Gesinnung der Versicherten sehr schnell, große echte Unfälle sind bei der Beurteilung daher in aller Regel weniger ein Problem als beispielsweise auffallend häufige grippale Infekte. „Es gibt allerdings auch Gesellschaften, die nach zweitem Schaden in jedem Fall kündigen. Heute ist das ein Problem, wenn man halbwegs günstig bei einer anderen Versicherung unterkommen will.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 44/2007

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